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die Kräfte fordern, die zu stiller geduldiger Krbeit bereit sind. Jene Gleichheit vor der Pflicht, die uns der Krieg gelehrt, ist unentbehrliche Bedingung zukünftigen Gemeinschaftslebens, wo es gelten wird, unsres Volkes Wunden zu heilen, alle Keime neuer, gesunder Entwicklung zu pflegen.
Etwas van den Glocken.
von Pfarrer Otto Zchulte zu Großen-Linden.
(Fortsetzung.)
Line Beschreibung von Glocken ist verhältnismäßig oft in Büchern zu finden, viel seltener dagegen ist der Dienst geschildert, den sie tun. Kn gelegentlichen Bemerkungen über die Zeichen der Betglocke fehlt es freilich nicht, wir werden später auf sie einzugehen haben. Kber auf das volle, zusammenklingende Geläute ist man, soviel ich sehe, nirgends eingegangen, trotzdem es der Untersuchung wohl wert wäre.
wir hören das volle Geläute in allen deutschen Gemeinden schon am Zamstag, nachmittags oder abends. Die Ztunden sind verschieden, zuweilen 2 Uhr, wie in Großen- Linden, oft abends, wie in Gießen. Klter Ordnung nach fängt eine bestimmte Glocke den Thorgesang an, eine zweite, bestimmte fällt ein, dann tritt die dritte hinzu. In Großen- Linden wird am Zamstag vor dem 1. Kdvent, 1. Lhristtag, 1. Gstertag und 1. pfingsttag das Vaterunserglöckchen noch als anfangendes hinzugenommen. Die Töne des Geläutes in Großen-Linden sind 6, 6, gi8, h; die. größte Glocke hat den tiefsten, die kleinste den höchsten Ton. wir deuten das Läuten am Zamstag allgemein als das Zeichen, dem arbeitenden Menschen die Freudenbotschaft zu bringen: ,Morgen ist Feiertag, da kannst du ruhen!" Und eine Lrklärungsweise, die lediglich aus eignem wissen heraus so gern sich geltend macht, erinnert wohl noch daran, daß in den allerältesten Zeiten, als die Deutschen eben erst Lhristen geworden waren, ein Zeichen nötig gewesen ist, sie auf den Zonntag als Feiertag hinzuweisen. Kber das alles ist Umdeutung. Die Volkskunde sagt uns, daß früher der Zonntag nicht in der Mitternacht zwischen Zamstag und Zonntag begann, sondern Zams- tag abend. Das war der „helg' Gwet". Da fing die Kühe des Zonntags an. Zchon da ruhten Pflug und Zense, Zpinnrad und Webstuhl, da wurde in den Dörfern keine Zpinnstube gehalten, da saß die Familie still um den Tisch. Man unterhielt sich miteinander, man las. Der volle Thor der Glocken läutete tatsächlich den Feiertag ein, er gebot Uuhe. Ls ist eine Bestätigung dieser Knschauung, daß heute noch nicht nur in Großen-Linden am Zonnabend abend, wie sonst am Werktag, zu Nacht geläutet wird. Vas Gebets- zeichen ist da überflüssig, das Linläuten des Zonntags hat es ersetzt, wenn aber auf den vielen Ortschaften am Zams- tag bald um 2, bald um 4 Uhr der Zonntag eingeläutet wird, so liegen da Verlegungen vor, deren Gründe ich nicht im einzelnen kenne und die noch aufzuklären sind. Die alte Zeit wird der Eintritt der Dunkelheit gewesen sein.
Km Zonntag früh um 7 Uhr läßt in Großen-Linden die größte Glocke ihre Ztimme hören, wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir darin ursprünglich einen Uuf zum Gebete hören, heute deutet man es so um, daß man sagt, sie wolle zum Kirchgänge mahnen. Mit mehr Uecht kann man das sagen, wenn die zweitgrößte Glocke um halb 9 Uhr läutet. Unsre Gemeindeglieder hören diesen Uuf so: „Zieh' dich an zum Gottesdienste, mach dich fertig!" Es scheint, als ob in Kirchdörfern mit Filialen der Uuf früher kommt, als in Ortschaften ohne solche. Der weitere Kirchgang macht das
notwendig. In Großen-Linden, in dessen Kirche früher Hörnsheim und Klein-Linden Zitze hatten, liegt eine und eine halbe Ztunde zwischen diesem Glockenzeichen und dem Kn- fang des Gottesdienstes. In Klein-Linden, das heute eine eigne Kirche hat, beträgt die Zwischenzeit nur eine halbe Ztunde.
In den allermeisten deutschen Kirchen läuten dann die Glocken um 10 Uhr zum Gottesdienst. Es ist ein eigenes wandeln, wenn man unter ihrem Zchall zur Kirche geht. Wan kann es mit dem Marsch, der Zoldaten unter dem Klang der Musik oder dem Gang der Teilnehmer eines Leichenzuges, während die Kapelle einen Trauermarsch spielt, vergleichen. Nur hat dieser Gang zur Kirche etwas Feierliches, etwas Ernstes in sich. Das Herz wird vorgestimmt zu dem, was seiner wartet. Das Läuten der Glocken bedeutet in sich schon den Knfang des Gottesdienstes. Einen vollkommenen Eindruck dieses Knfangs des Gottesdienstes bekommt man, wenn man auf einem Kirchdorfe mit Filialdörfern von dem hochgelegenen Kirchhofe aus auf die Ztraßen niederschaut, auf denen die Gottesdienstbesucher Herzuströmen. Ueberall, außer dem Glockenschalle, tiefe Stille, kein wagen, kein Vieh, kein Uad, kein Kuto zu sehen, auch kein Mensch, der die Ztraßen in entgegengesetzter Uichtung zieht! Die Frauen und jungen Mädchen tragen die Gesangbücher über den zusammengelegten Händen, im Zommer sehr oft dazu noch irgendeine Blume, die Männer gehen würdig und ernst, selbst die Kinder springen und tollen nicht. So ziehen sie in das Gotteshaus ein, in dem alter Sitte nach unten die Frauen und Mädchen jedes Dorfes bestimmte Bänke und oben ebenso die Männer und Burschen ihre Zitze haben.
Etwa 8—10 Minuten dauert das Läuten, dann beginnt die Grgel. Der Dienst einer Glocke hebt erst wieder mit dem Vaterunser an. Zie begleitet das Gebet. Zie ist für alle diejenigen in der Gemeinde, die dem Gottesdienste nicht beiwohnen, ein Zeichen, daß auch sie die Hände falten und das Gebet des Herrn mitbeten sollen. Gewiß viele, viele tun es nicht. Kber doch legt noch manche Hausfrau, die in der Küche am Herd steht, für einen Kugenblick den Löffel hin und betet, und mancher Kranke faltet die Hände, das Gebet der Gemeinde zu verstärken.
Großen-Linden hat, soweit die Glocken in Betracht kommen, für den Uachmittagsgottesdienst denselben Gang. Nach Zchluß der Vormittagskirche läutet eine Glocke das erste Zeichen (entsprechend der Glocke um 7 Uhr) und um halb 1 Uhr gibt eine andere das zweite zu der um 1 Uhr beginnenden Kirche. Man erkennt aus dem Gesagten sofort, wie sinnvoll das Geläute geordnet ist. (Schluß folgt.)
Der Sperling.
Ein Zperling sitzt im Zonnenschatten. Ich kann ihn durch das offene Fenster beobachten. Da hockt er aufgeplustert unter einem Khornblatt mit dem braunen Brüstchen und ebensolchem Köpfchen. Er sitzt stille, der sonst so unruhige kleine Geselle. Uur das Köpfchen dreht sich zuweilen, und dazu tönt es „Zitt, zitt" so munter und herzlich aus dem Blätterhäuschen des pfingstfröhlichen, sich seines Lebens freuenden Burschen. Eine goldene Tonleiter wie die der Nachtigall ist dies ,,Zitt, zitt" ja nicht. Kuch mit dem Jubilieren der Lerche oder mit dem perlenden, entzückenden Lied Meister Zinks ist es nicht zu vergleichen. Und doch gefällt mir dies „Zitt, zitt" ohne Kunst und Zierat, gerade in seiner einfachen, ungekünstelten Neinheit und Frische, wie es mir und aller Welt in Herz und Gemüt ruft: „wie glücklich ich bin.


