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Gemeinüeblatt süröie evangelische Kirchengemkinüe

Gieszew

Nr. 21.

Bietzen, Sonntag Pfingsten, den 27 . Mai 1917.

6. Jahrgang

Pfingsten

Brief des Apostels Paulus an die Römer 8, 14. Welche der Geist

Gattes treibt die sind Gottes Rinder.

von Generalsuperintendent v. K l ing e m an n - Toblenz.

Der Geist ist es, der da lebendig macht, vom Geist einer Zeit, eines Volkes zu reden, ist unser liecht,' ja, aus dem Geist, den sie offenbart, will jede große Zeitbewegung verstanden, beurteilt sein, wir durften mit Ehrfurcht das wehen eines großen, starken Geistes empfinden, als unser Volk zur Ab­wehr furchtbarer Angriffe sich erhob. Und was auch von an­fänglicher Begeisterung sich verflüchtigt haben mag, was auch des Krieges und der Mühsal lange Dauer von Kleingeist und Kleinmut wieder an den Tag bringen mußte, so bleibt uns der freudige Stolz auf jenen Geist der Einmütigkeit und Besonnen­heit, der Tatkraft und der Gpferwilligkeit, in dem unser Volk seiner Feinde sich erwehrt und in hartem Kampf wider eine beispiellose Uebermacht sich sieghaft behauptet, wir lernen den wert geistiger Kräfte und Mächte in dieser Zeit neu verstehen, wir dürfen es erleben, wie über allen meß­baren Kräften die unsichtbaren sittlichen Mächte sich aus­wirken, an denen doch die Entscheidung haftet. Und bei aller Nüchternheit des Urteils über unsres Volkes Schwächen und Fehler rühmen wir dankbar den guten Geist, den in einer Fülle von großen Erscheinungen die harte Zeit an das Licht gebracht hat. heilig ist uns unsrer Streiter Heldenmut, heilig unsres Volkes Gpfersinn, heilig der Ernst der Trauer, der unsre Häuser und Herzen durchzieht.

Uber der heilige Geist ist mehr als ein heiliger Geist, mehr als eine große, menschlicher Bewunderung werte Geistes- bewegung. Zst cs unser Uecht, in dem allen, was menschlich groß und rein ist, göttliche Wirkungen und Ausstrahlungen zu erkennen, jo wird doch der heilige Geist, der Geist aus Gott erst daran uns offenbar, daß er uns zu Gott führt. ,,welche der Geist Gottes treibet, die sind Gottes Kinder." ,,Niemand kann Jesum einen Herrn heißen ohne durch den heiligen Geist." Das ist des heiligen Geistes Merkmal, daß er uns Gottes als unseres Vaters, daß er uns Zesu als unseres h.^rrn gewiß macht. Des Geistes entscheidende Wirkung ist der Glaube, und dieser Glaube ist Ueberzeugung von Gottes Dieb' vertrauen auf Gottes walten, befreiende Kraft, Kraft

der Tat und des Lebens. Bus Jesu Fülle schafft uns der Geist neuen Lebensinhalt, er gibt unsrem Denken und wollen Uich- tung und Ziel. So ist uns des Geistes Besitz persönliches Gut, so prägt der Geist der Persönlichkeit neues Wesen, neuen Gehalt auf,' er zerstört nicht die anerschaffene Eigenart, aber er stellt alle ihre Gaben und Kräfte in Gottes Dienst.

Den wert der aus Gottes Geist geborenen Persönlichkeit lehrt uns die Geschichte verstehen. Die Menschen, die einer Zeit zum Segen gewirkt haben, die ihrem Geschlecht den weg zu Gott neu erschlossen haben, sind uns Offenbarungen, Ver­körperungen des heiligen Geistes. Und wenn wir heute ein gewaltiges Stück Geschichte erleben dürfen, so hängt der Se­gen dieser Zeit für unsres Volkes heil vom wirken geift- erfüllter Persönlichkeiten ab. wo Uot und Gefahr uns nahe treten, wo wir um unsres Volkes Dasein und Zukunft ringen, bedürfen wir der Führung. Und nur die können uns die rech­ten Führer sein, welche der Geist Gottes treibet. Darin wur­zelt unser starkes vertrauen, daß wir an unsres Volkes und Heeres Spitze Männer wissen, die, vom Geist Gottes getrieben, der Pflicht gehorchen, den Ernst der Verantwortlichkeit in sich tragen. Bus dem Geist allein, der Gottes gewiß ist, wird die Kraft zum Entschluß, zur wagenden Tat geboren.

Uber solche Wirkungen des Geistes dürfen nicht auf die Führer im engeren Sinne beschränkt bleiben. Um Leben unsres Volkes sind wir alle beteiligt, dem Leben unsres Volkes sind wir alle uns selbst, unsre Kraft und Mitarbeit schuldig. Das Fest des Lebens ist Pfingsten, und wie wir in diesen Tagen neuen Blühens und Werdens gern in all dem Sprießen und Keimen um uns her das Bild neuen geistlichen Lebens sehen, so suchen wir die Hoffnung auf neues Leben in Volk und Kirche, gesegneter Zukunft Entfaltung. Und wie di? pfingstgabe uns allen verheißen ist, so soll es uns pfingsttrost sein, daß dabei uns allen bis zu dem Kleinsten und Gering­sten unsere Aufgabe geworden ist. Zn all seinen Schichten und Kreisen bedarf unser Volk der Männer und Frauen, der Väter und Mütter, der Lehrer und Erzieher, die, vom Geist getrieben, den Kreis bescheidener Pflichten nicht als zu eng ansehen und dennoch über sich selbst und den eigenen Lebens­kreis Hinausblicken. Mit der großen Zeit darf die groß? Kraftanspannung nicht ihr Ende finden, und wenn das All tagsleben wieder in sein Uecht tritt, wird es in neuer wei'-

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