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er in seinen letzten Lebenslagen an seine Frau richtete. Im Januar 1546 hatte er sich zu seiner letzten Reife nach seiner Geburtsstadt ©sieben aufgemacht, um dort einen Streit der Grafen von Mansfeld zu schlichten, bekanntlich ist er aus dieser Reife am 18. Februar 1546 zu ©sieben gestorben. Auf ber Hinreise muhte er mehrere Tage in Halle verweilen, weil die Saale mit großen Eisschollen ging und nicht passier­bar war. von diesem Hindernis auf seiner Reise entwarf der Reformator folgend« Schilderung: ....

Gnade und Friede im Herrn! Liebe Räthe, wir smd heute um 8 Uhr zu Halle angekommen aber nach Lisleben nicht gefahren, denn er begegnete uns ein« große Wasser­täuferin mit Wasserwogen und großen Lisschollen, die das Land bedeckte; die dräuete uns mit der wassertaufe, jo konnten wir auch nicht wieder zurückkommen von wegen der Mulde, muhten also zu Halle zwischen den wassern stille liegen, nicht daß uns darnach durstete zu trinken sondern nahmen gut Torgauer Bier und guten rheinischen wem da­für, damit labeten und trösteten wir uns derweil, ob die Saale wollte wieder auszürnen. Venn weil die Leute und Fuhr- meister, auch wir selbst zaghaft waren, haben wir uns nicht wollen in das Wasser begeben und Gott versuchen, denn der Teufel ist uns gram und wohnet im Wasser, und ist besser verwahret denn beklaget, und ist ohne Not, das wir dem pabst sammt seinen Schuppen eine Narrenfreud machen soll­ten. Ich hätte nicht gemeinet, daß die Saale eine solche Sode machen Könnte, daß sie über Steinwege und alles so rumpeln sollte. Jetzo, nicht mehr; dann betet für uns und seid fromm ich halte, wärest du hier gewesen, du hättest uns auch also zu tun geraten, so hätten wir deinem Rate auch einmal ge­folgt. hiermit Gott befohlen. Rmen. 3u Halle am -an Paulus Bekehrungstage Rnno 1546. Meiner freundlichen lie­ben Röthen Lutherin zu Wittenberg zu Händen.

Martinus Luther D.

Erwachsene und Jugend in der Ariegszeit.

Rllenthalben mehren sich die Rlagen Uber Verrohung und Verwilderung unserer Jugend. Rein Wunder! Die Vater sind im Kriege und di« Mütter durch Rrbeit und Sorgen ums tägliche Brot vielfach so in Anspruch genommen daß sie der Erziehung der Rinder nicht die erwünschte Aufmerksamkeit und Sorgfalt können angedeihen lassen. Dazu kommt noch, daß der Krieg selbst durch^ Berichte, Trzählungen, wahre und übertriebene usw. die Gedanken der Rinder sowreso auf das Gewaltsame, Rücksichtslose hinlenkt und so zur Verrohung der kindlichen Einbildungskraft beiträgt, wir waren als Jungen 1870/71 auch lebhafter und lärmender als vorher, aber das zeitige Ende des Krieges hat uns noch rechtzeitig die Flügel beschnitten, heute ist die Gefahr infolge der langen Rriegsdauer viel größer als damals, und es ist notwendig, sie beizeiten zu erkennen, um ihr wirksam begegnen zu können. In vielen Fällen handelt es sich ja nur um jugend­lichen Mutwillen und Unverstand oder um mißverständliche, entgleiste Nachahmung von Mut, Tapferkeit und Drauf­gängertum, die ja vom Krieg naturgemäß als lobenswerte Mannestugenden gepriesen werden. Aber vom Mutwillen zur Ungezogenheit und Roheit ist nur ein kleiner Schritt, den jugendlicher Unverstand gar leicht zu tun geneigt ist. An uns Erwach sene n, und zwar an allen Erwachsenen ist es nun, darüber zu wachen, daß unserem Nachwuchs die Augen geöffnet werden, und daß er jenen verhängnisvollen Schritt vom Mutwillen zur Roheit nicht tut. Jeder Erwachsene

sollte es als seine sittliche und vaterländische Pflicht betrach­ten, an der Erziehung unserer Jugend mitzuhelfen und überall da wehrend einzugreifen, wo sich Neigung zu Roheit und Ungezogenheit, zu Rücksichtslosigkeit und Radaulust zeigt. Schule und Elternhaus können es allein nicht mehr machen in einer Zeit, wo so viele gute Miterzieher fehlen und so viel schlimme sich einstellen. Man sollte, wo man auf der Straße einer Ungezogenheit oder Roheit begegnet, nicht ein­fach denken:was geht's mich an? Ls ist ja nicht mein Rind." Nein, gerade jetzt ist und sollte unsere Jugend mehr als je sein Gemeingut aller in erzieherischem Sinne. Man braucht ja nicht gleich handgreiflich zu werden; und in den meisten Fällen ist das auch nicht nötig, denn das böse Ge­wissen des jugendlichen Sünders duckt sich in den allermeisten Fällen sofort unter ein zurechtweisendes Wort oder einen Tadel der vorübergehenden, ganz besonders, wenn er merkt, daß er nicht von anderen Erwachsenen in Schutz genommen wird. Und eine Zurechtweisung oder ein Tadel unmittelbar bei der Tat wirkt mehr als eine nachträgliche Strafe in der Schule oder im Elternhaus, denn es kommt als erziehe­rische Kraft hinzu die Scham vor den Augenzeugen - und auch der verstockteste Sünder schämt sich nicht gern. Man soll sich auch in seinem Tun nicht irre machen lassen, wenn einer der jungen Radaubrüder einmal auf eine Zurecht­weisung mit einembösen Maul" antwortet, vielleicht kommt er in einem solchen Falle mit seinem Mundwerk vom Regen in die Traufe und läuft einem anderen in die Arme, der erst recht Herz und Hand auf dem rechten Fleck hat; denn die Mehrzahl der Erwachsenen ist immerhin noch vernünftig, Linsender dieses hat das schon in zahlreichen Fällen erfahren, wo es sich aber um Roheiten, groben Unfug usw. von der Schule Entwachsenen handelt, dascheniere" man sich nicht, sondern mache Anzeige bei der Polizei. Das ist kein Denunzieren, dessen man sich zu schämen hätte, sondern wohl­gemeintes Interesse für das, was uns nottut in bitter ernster Zeit, und es wird daher bei allen wohlmeinenden Verständnis und Billigung finden.

Lehrer Valentin Müller.

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Der Abschied von allem, was ich kannte und -liebte, wurde mir recht schwer. Ich trat in «ine unbekannte fremd« Welt, di« kein Herz für mich hatte, so wenig als ich für sie. Ich wußte nicht, was ich von ihr zu erwarten hätte, und blickte wie in ein Thaos, wie in einen unbestimmten Nebel, ungewiß, ob mir eine freundliche Gestalt daraus entgegen­treten werde. Die Tummelplätze meiner Jugend, alle liebe Spielplätze, alle Freunde und Schulkameraden, meine Schwe­ster, mein« Eltern und Lehrer, alle mußte ich dahinten lassen. Ach', das Scheiden von dem, was man liebt, ist eine bittere Empfindung, die sich im Leben nur zu oft wiederholt. Ich Mußte, wieviel ich verlor; ich wußte nicht, was ich für dieses große Dpfer wieder erhalten würde. Rur die Hoff­nung des jugendlichen Herzens kräftigte mich, sonst hätte ich den langen Abschied kaum ertragen. Mein guter alter Kaplan war besonders herzlich, gab mir noch manch« gute Lehre und warnte mich besonders vor Frauenzimmern.

Meine Eltern hatten mich einem unserer jüdischen Nach­barn verdungen, der zur Frankfurter Messe fuhr. Er sollte mich bis Frankfurt'mitnehmen; von da an sollte ich selber suchen, weiter zu kommen. An Reisegeld hatte ich nur sehr