fteljt über dem (Betriebe der Wett. 3cf] bin schon vielmals bei den Glocken gewesen, und immer habe ich mir etwas wie ein Vorgefühl des Friedens geholt, der Über der weit in der Ewigkeit selbst liegt.
I.
Aber noch bemerkenswerter sind die Glocken selbst, wir haben in unserm Kirchturm in Großen-Linden deren vier, drei große und eine kleine. Weithin rühmt man das prächtige Geläut. Aber den schönsten Ton hat doch die größte, die, einer alten Volksüberlieferung nach, die wehlarer Bürger um ihrer stimme willen für ihren vom haben wollten. Über obgleich sie versprachen, das Innere der Glocke mit Geld bis an den Band zu füllen, haben sie sie doch nicht gekriegt. Sie hat viele Inschriften. Da lesen wir zuerst:
Die Schlafenden weck' ich, die Sünder schreck' ich, die Toten bewein' ich, des jüngsten Gerichts erinnere ich dich.
Schiller hat seinem Liede von der Glocke eine ähnliche Ueberschrift vorangestellt: Vivos voco, Mortuos plango, Fulgura frango, z. D. die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze zerbreche ich. Unsere Glocke ist weit älter als Schillers Lied. Ts steht aus ihr geschrieben:
„Ich bin mit Gottes hülfe in diese Form geflossen,
„Da Dilman Schmid von Uslar mich gegossen,
„Fünfzehn Tag hernach in solchem Mond und Jahr,
„Als Kaiser Karl der Sechst' durch Wahl bestimmet war."
Ihr Geburtsjahr ist also das Jahr 1711. Aber sie hat noch mehr Inschriften. Sie trägt auch die Namen der damaligen Grotzen-Lindener Pfarrer und dazu die der damaligen Katsschöffen mit Tinschluß des Schultheißen und Bürgermeisters, 13 an der Zahl, wenn man sie aufmerksam liest, dann entdeckt man, daß mancher Name von den 13 auch heute noch unter denen der jetzigen Kirchenvorsteher und Gemeinderäte wiederkehrt, vielleicht sind es Ururururenkel. Auch einen Bibelspruch trägt die Glocke. Aber bei dem Zusammenstellen der Buchstaben ist dem Gießer absichtlich oder unabsichtlich ein Fehler untergelaufen, und so heißt der Spruch:
„Mles, was Kbam Matt „Odem") hat, lobe den Herrn."
Gußfehler an Glocken sind verhältnismäßig häufig. Line Unzahl von Ubbildungen ist außerdem noch nach vier Zeiten hin angebracht, Man sieht ein Wappenschild mit Lindenblatt, und die drei Upostel Johannes, Petrus und Philippus, den letzteren seltsamerweise gekreuzigt und zwar mit übergelegten armen, wie sonst der Schächer am Kreuz abgebildet ist.
2 .
Neben der größten Glocke hängt die älteste,' sie stammt aus dem Iahre 1476. Sie trägt einen Namen, sie heißt „Maria". In katholischer Zeit wurden die Glocken getauft und bekamen, wie Kinder, ihren Namen. Jedenfalls ist sie der Gottesmutter zu Ehren so geheißen worden.
Man liestj auf ihr:
Maria hepssen ich,
alle bese weder verdreiben ich.
Das erinnert an den Glauben, der noch h^ute in entlegenen Gegenden herrscht, daß man bei aufziehendem Gewitter ein Hagelwetter dadurch fernhalten kann, daß man die Glocke läutet. So wird heute noch in Tirol bei drohendem schlimmen Wetter die Glocke gezogen, aehnliches gibt der Satz Schillers: Fulgura frango, d. i.: „Die blitze zerbreche ich", wieder. Zwar glaube ich nicht, daß man in alter c)eit sich vorgestellt hat, als ob die stark erregten Luftwellen die bösen Wetter forttreiben. Das ist jedenfalls eine rationalistische
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Umdeutung des alten Volksglaubens, vielmehr sah man in den Glocken etwas heiliges, Gottgeweihtes, und schrieb dem, ähnlich, wie ben Kruzifixen, die Macht zu, das .böse fernzuhalten.
Der Name des Gießers der Glocke ist gleichfalls noch verzeichnet. Tplman von hachenbergk (= Hachenburg auf dem Wejterwalde) hat sie gegossen.
3 .
Nuch die dritte Glocke hat einen Namen. Uber diesen Namen hat ihr nicht die Kirche gegeben, sondern das Volk. Man heißt sie: Herrenglocke, und wohl deshalb, weil sie in alter Zeit die „Herren", das sind die Katsschöffen, zur Sitzung unter die Linde oder im Natshause rief. So ist es ja, wenn ich recht berichtet bin, noch bis in die jüngste <oeit hinein im Schlitzerlande gewesen, daß eine Glocke zur Gemeinderatssitzung rief. Die Gemeinde Großen-Linden braucht sie heute noch, um den Unfang von Versteigerungen, Verpachtungen und dergl. bekannt zu geben. Sie steht sozusagen im Dienst der bürgerlichen Gemeinde, sie ist wie ein Weltkind unter Gotteskindern.
Uuch diese Glocke, die kleiner ist als die vorhergehende und aus 1737 stammt, hat eine Inschrift: Loli voo Gloria, zu Deutsch : „Gott allein bk Ehre", und darunter steht: Wilhelm Uincker von Usler goss mich nac Großen-Linden 1737. Ußlar, das nicht weit von Wetzlar an der bahn liegt, muß seinerzeit eine tüchtige Glockengießerfamilie gehabt haben, da auch die erste Großen-Lindener Glocke von da stammt.
4.
Um kleinsten ist die vaterunserglocke. Sie ist dem Gusse nach auch die jüngste, da sie 1867 durch Glockengießer Georg Otto in Gießen gegossen wurde. Sie trägt keinerlei Umschrift als diesen Hinweis. _ (Fortsetzung folgt.)
Martin Luthers Humor.
Daß sich Humor häufig mit tiefer Keligiosität und reichem Gemütsleben vereinigt, kann man oft im großen und bedeutenden Menschen wahrnehmen. Humor ist die Fähigkeit, Menschen und Geschehnisse von einer höheren warte aus anzusehen. Daß diese Geistesanlage sich mit frommem Glauben sehr wohl verträgt, ist leicht einzusehen. Uuch die Bibel birgt humorvdlle Stellen in sich. Der früh verstorbene Generalsuperintendent der Uheinprovinz, Christian Kogge, hat ein Büchlein geschrieben, das sich betitelt „Der Humor in der Bibel". Zu den humorvollen Stellen des Ulten Testamentes gehört besonders der Bericht des 1. Buches Sa- muelis über die Flucht Davids zum König Uchis zu Gath. Im Ultertume hat man geisteskranke Menschen beschützt und sie vor Strafe und Nachstellung behütet. Uuf seiner Flucht vor Saul kam David zu dem genannten Könige und stellte sich aus Furcht vor diesem, als ob er unsinnig wäre. Das schildert die Bibel (1. Sam. 21) mit den Worten: „David verstellte seine Gebärde vor ihnen und tobte unter ihren Händen und stieß sich an die Tür am Tor, und sein Geifer floß ihm in den Bart." Da sprach Uchis in sehr bezeichnender weise zu seinen Knechten: „Siche, ihr sehet, daß d<r Mann unsinnig ist, warum habt ihr ihn zu mir gebracht? h a b e ich der Unsinnigen zu wenig, daß ihr diesen herbrächtet, daß er neben mir rasete? Sollte der in mein Haus kommen?" Männer wie Matthias Claudius, Fritz Keuler, Wilhelm Kaabe, Emil Fromme! und der berühmte Londoner Baptistenprediger Spurgeon waren fromm und humorvoll zu gleicher Zeit. Kuch Luther, dieser echte, deutsche Gemütsmensch, besaß Humor. Davon legt ein Brief Zeugnis ab, den


