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ronen, und selbst um ein paar chinesische Zöpfe wird ge­feilscht, um solche in den Strick mit einzuflechten, der uns er­würgen soll.

Der Uftergott Mäusin, sonst auch Masematte ge­nannt, herrscht auch heute noch auf Erden zum Unheil der Menschheit, wenn auch unter anderem Namen: als Pfund, als Dollar oder als Gold- oder Silber-Uubel. Dem gescheiten Professor dort drüben aber, der sich im Größenwahn berufen wähnt, als anderer Moses oder Mahomed der Menschheit in neue Dahnen zu zwingen, und denen, die ihm da nachblöken, mochte ich ein Dichterwort ins Gedächtnis rufen:

,,Der erste König war ein tapferer Soldat,

Den letzten fraß das Proletariat)

Und dieses frißt die eignen Glieder,

Dann kommt der König wieder."

So geschah es zu Alexanders, Täsars und Napoleons Zeiten, wenn aber der jetzt kommende Morgan und von Dollars Gnaden heißt, dann wird der seine Unbeter mit Skor­pionen regieren.

Einstweilen aber mochte ich dem Männlein in Steif­leinen, das da drüben am Wasser steht und die Welt mit großen Worten erfüllt, falls es wissen will, wie das noch weiter geht, raten, einmal nachzulesen, was der Prophet Da­niel, dieser größte Staatsmann des alten Dundes, vor Jahr­tausenden in seinem 12. Kapitel für uns aufgeschrieben hat, wo es im 12. Ders heißt:

wohl dem, der da wartet und erreicht tausend dreihundert und fünfunddreißig Tag?)

Dr. Kappesser.

*) wohl vom 1. 8. 1914 an gerechnet.

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Gänzlich unbekannt mit fast allen Lebensverhältnissen, abgeschnitten von jeder Gelegenheit, andere Berufsarten ken­nen zu lernen, und von den meisten Laufbahnen durch meine Urmut ausgeschlossen, ergab sich nach vielem Ueberlegen, daß es am besten sein und sich am leichtesten ausführen lassen würde, wenn ich nach Berlin ginge, um bei meiner Mutter Druder, dem Goldschmied willmanns, die Goldarbeiter-Pro- fession zu erlernen. Gb mir das Geschäft gefallen würde, konnte ich im voraus nicht bestimmen. Neigung fühlte ich nicht dazu) denn mir erschienen diese Arbeiten wenig nutzend und uninteressant) aber ich vermochte auch nichts besseres vorzuschlagen. Zum Kaufmannsstande hatte ich keine Lust) kannte ich doch nur die jüdischen Kaufleute, und diese gefielen mir nicht, von den in Friedland ausgeübten Handwerken gefiel mir auch keines) andere waren mir unbekannt, und wie man es anzufangen habe, Maler, Kupferstecher oder Bild­hauer zu werden, wußte mH niemand zu sagen. Der Vorschlag meiner Mutter blieb also als der allein zu verwirklichende übrig.

Während der letzten Jahre hatte ich den Konfirmanden- Unterricht des Inspektors genossen und die Einsegnung rückte heran. Ich hatte durch den Unterricht jedoch keinen erheb­lichen Zuwachs im wissen gewonnen. Der Inspektor war ein wackerer trefflicher Mann, aber seine Lehrart Öde und trocken, und sie konnte durch das zugrunde gelegte, überaus dürre Lehrbuch nichst an Leben und Wärme gewinnen. Er ging die heilslehre genau nach den Ubschnitten des Buches durch, ohne viel hinzuzusetzen oder etwas zu verändern, und sie

wurde uns weder anziehend noch eindringlich"und belebend. Lin trockenes:So ist es",So heißt es",Du sollst, Du sollst nicht",Weil da geschrieben stehet so und so", verleidete uns diese Lehren mehr, als es sie uns lieb machte. Ls ist wirklich sehr zu bedauern, daß so wenige Geist­liche weder die Dogmen noch die Pflichtenlehre anders, als in der angegebenen Weise vorzutragen wissen. Die Ueligion wird dadurch zu einem bloß äußerlichen Wissen, zu einem Ge­dächtniswerke ; sie wird einem Kleide gleich, das man, wie die Umstände es verlangen, bald an-, bald auszieht. Und doch muß die Ueligion ein Innerliches sein, ja von dem Innern aus den ganzen Menschen durchdringen und heiligen, wenn sie wirklich ihr Werk erfüllen soll.

Dis dahin hatte mich auch kein Zweifel gestört. So viel hatte ich wohl schon gelernt, um einzusehen, daß wir das Wesen der Gottheit nie ergründen und begreifen, sondern das­selbe nur im innersten Herzen empfinden und seine Eigen­schaften erkennen könnten, die zu allen Zeiten von denen, welche sie am tiefsten empfanden und lebendig von ihnen durchdrungen waren, ausgesprochen wurden, soweit der Aus­druck menschlicher Sprache es irgend gestattete. Daran hielt ich mich. Das übrige tat die feste Ueberzeugung meines hoch­geachteten Lehrers von der Wahrheit der christlichen Ueli­gion, die er als über allen Zweifel erhaben darstellte, sodann die Vorstellung von der großen Schar frommer und erleuchte­ter Lhristen, welche in diesem Glauben Trost, Beruhigung und Seligkeit im Leben und im Sterben gefunden hatten. Unser Inspektor verstand es, die Einsegnungsfeier als eine überaus würdige und ergreifende zu gestalten, und wir waren dazu gehörig vorbereitet. Der 25. Mai 1800 war der Tag meiner Einsegnung. Was mich ganz besonders feierlich stimmte, war folgendes: Um frühen Morgen überreichte mir meine gute Mutter auf einem Blatt Papier folgende Worte, die ich in dankbarem Undenken an diese treffliche Frau hier mitteile:Lieber, guter Sohn! Ich möchte Dir gern an dem heute für Dich so feierlichen Tage meine Wünsche zu erkennen geben) ich könnte dieses persönlich tun. Uber teils bin ich zu gerührt, teils wünschte ich auch, daß es bleibenden Eindruck auf Dein Herz machen möchte. Ich glaube nicht nötig zu haben, Dir die Wichtigkeit desselben vorzustellen ; aber das wünschte ich, daß das, was Du heute Gott in Gegenwart einer ganzen Gemeinde zusagjt, nicht wieder in Deinem Herzen ver­löschen möchte. Ich bitte Dich also, guter Karl, fasse Deinen Vorsatz so fest, daß ihn nichts wanken machen kann, und wenn Dich künftig böse Menschen oder Dein Herz vom Wege des Guten abführen wollen, so denke an diesen Tag und an die Bitten Deiner Mutter zurück, und der Gedanke: der Un­wissende siehet mich, wird Dich vor Sünden bewahren. Uuch Du wirst oft Versuchungen ausgesetzt sein, und was ist auch Tugend ohne Prüfung ? Gott hat es so geordnet. Uber wenn Du unwandelbar unter allen Umständen die Wege des recht­schaffenen Mannes gehen wirst, dann wirst Du mich für alle mütterliche Sorgfalt, womit ich Dich bisher erzog, belohnen, und ich werde dann Gott, wenn er uns alle aus der Prüfungs­welt gerufen, und mich mit denen wieder vereinigt, die er mir durch den Tod entriß, danken, daß er mir auch Dich ge- geschenkt. Lr stärke Dich mit seinem Beistände; darum wird ihn bitten Deine treue Mütter. Märkisch-Zriedland, den 25. Mai 1800."

Ja wohl, eine treue Mutter! Ich fiel ihr tief gerührt um den hals unb versprach ihr, mich zu bemühen, ihren edlen wünschen nach besten Kräften nachzukommen. - Ich war neu gekleidet. Wir pflückten uns nach alter Gewohnheit