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früher nur die Hälfte. Bei eben diesem Töpfer habe ich einige Tage lang zum Vergnügen bei der Hrbeit geholfen und Teller und Schüsseln mit Blumen bemalt. Wie es zuging, daß die Farben nach dem Brennen sich so auffallend veränderten, konnte ich mir damals nicht erklären, und der Meister wußte es ebensowenig, von der Töpferei zogen wir nach der Schä- ferei, wo wir für unsern Gesang eine Schüssel Schafmilch er­hielten, die wir im Garten verzehrten, von all diesem Singen war dasLeichensingen" das beschwerlichste, weil wir dabei jedem Wetter ausgesetzt waren und Nässe wie Kälte des Win­ters oft kaum ertragen konnten. Dabei war es bei uns ein Threnpunkt, nicht sowohl zu singen, als vielmehr aus Leibes­kräften zu schreien, und wen man am weitesten hören konnte, der wurde von den andern bewundert. Nur die wirklich Kranken wurden auf so lange, als sie krank waren, von diesem Singen entbunden. Nlle übrigen mußten singen, selbst während der Mutation der Stimme, und ich habe keine nach­teiligen Folgen davon bemerkt. Setzt werden die Schüler der leichtesten Veranlassungen wegen vom Singen dispensiert, und noch dazu vom Singen im Zimmer, das denn doch mit dem Singen oder vielmehr Schreien in freier Luft, beim Gehen in Sturm, Negen, Wind und Kälte gar nicht zu vergleichen ist.

Sch war allmählich 14 Jahre alt geworden, und es ent­stand die schwer zu beantwortende Frage: Welchem Berufe ich mich bestimmen wollte? Meine Neigung war entschieden auf das Studieren gerichtet, und am liebsten hätte ich die Theologie gewählt, nicht etwa aus besonderer Vorliebe, son­dern weil mir Medizin und Jurisprudenz nicht gefielen und ich von einer philosophischen Fakultät nichts wußte,' sonst hätte ich änich unbedingt für Mathematik, Nstronomie, Physik, Themie, Geographie, überhaupt für die naturwissenschaft­lichen Disziplinen entschieden. Diese aber faßte ich gar nicht ins Buge,' denn was man werden könne, wenn man diese Fächer studiert habe, war mir ganz unbekannt. Daß ich an das Studieren nicht denken dürfe, sah ich aber nur zu wohl ein. Mein Vater besaß nicht die Mittel, um mich auf einem Gymnasium und nachher auf der Universität zu erhalten, von Stipendien hatte ich nie gehört. Den Lieblingswunsch meiner Seele mußte ich unterdrücken, obgleich alle meine Seelenkräfte auf seine Erfüllung hinarbeiteten,' ich scheute mich selbst, ihn laut werden zu lassen,' denn die Unmöglich­keit, ihm zu willfahren, lag auf der Hand. Wenn es nun hiernach äußerlich ganz zwecklos schien, in meinen so eifrig betriebenen Studien ohne irgend ein Ziel fortzufahren, so schreckte mich dies doch nicht ab. Das Lernen gewährte mir an und für sich zu viele Freude, als daß ich es hätte auf­geben können. Sch gewöhnte mich daran, nicht mehr zu fra­gen, ob mir dies oder jenes, was ich lernte, etwas nützen könne; förderte es nur mein Wissen nach irgend einer Seite und ging es in ein Können aus, so war mir dies genügend,

und eine brennende Begierde, mich zu vervollkommnen, trieb mich unaufhaltsam vorwärts, ließ mich jeden, auch den un­bedeutendsten Umstand benutzen, der dazu beitragen konnte. (Fortsetzung folgt.)

Frieden.

Gottselige Menschen haben auch selbst Frieden im Um­frieden und Liebe im Leiden, und ihnen schmeckt der Wille Gottes in allen Dingen. Darum kann ihnen ihren Frieden alle diese Welt auch nicht nehmen, und hätten gleich alle Menschen und alle Teufel geschworen, sie könnten ihnen ihren Frieden nicht nehmen. Denselben Menschen schmeckt allein Gott und niemand und nichts anderes, und die ewige Wahr­heit erfüllt und erleuchtet sie.

Du darfst ihn nicht weit suchen, den barmherzigen und milden Herrn. Tr ist nicht ferner denn vor der Türe, da stehet er und wartet, wen er wohl bereit fände, der ihm auftue und ihn einlasse? Nicht von ferne brauchst und darfst du ihn her-, rufen, er mag es kaum erwarten, daß du ihm auftuest, ihm ist es um tausendmal tausend begehrlicher und verlangender danach denn dir! Ts ist beides nur ein und derselbe Nugen- blick: das Nuftun und das Eingehen.

Johann Tauler (gest. 1361).

ttirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 6. Mai. Kantate. Gottesdienst.

Sn der Stadttirche. vormittags 8 Uhr, zugleich Thristen- lehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe, vormittags 9 1 /- Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Mittwoch, den 9. Mai, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe.

Sn der Johannesiirche. vormittags 8 Uhr, zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannes­gemeinde. Pfarrer Nusfeld, vormittags 97. Uhr: Pfarrer B e ch t o l she i me r. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Nbends 8 Uhr: Bibelbesprechstunde im Johannessaal.

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Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein,

Diezstr. 15. Sonntag, den 6. Mai, abends 8 Uhr: Vortrag. Gäste stets willkommen.

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