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Luthers Kleiner Kötedjismus. erfahrungen heraus im Rpril 1529 denDeutschen Ka=

Die geistige Reformation durch Luther war bis etwa ^techismus" (dengroßen"), dem er unmittelbar danach den

zum Jahre 1525 vollzogen. Rber nun galt es, auch die prak­tischen Folgerungen daraus zu ziehen. Kirche und Volk be­fanden sich vergleichsweise im Stande der stärksten Gärung jungen Ldelmostes. Run hieß es zugrcifen, daß auch ein goldklarer Feuerwein daraus werde. Die Schwärmer von Zwickau, Wittenberg und Thüringen, die bitterbösen Dauern­wirren vom Dodensee bis zum harz waren ein warnendes Menetekel. Ordnung, vor allem auch im Kirchenwesen und der Jugenderziehung, mußte werden. Da das Reich sich ihrer nicht annahm, mußten die Städte und Fürstentümer voran­gehen. So geschah es vorweg in Nürnberg, Magdeburg, Erfurt, Straßburg, ebenso in Hessen und dem Herzogtum Preußen. Das Muster für alle abzugeben war aber Kur­sachsen berufen, denn hier konnten Luther und die Witten­berger Theologen selber die Maßstäbe finden. So traten die Landeskirchen ins Leben. Luther hat sie stets nur alsRot­kirchen" und die Landesherren alsRotbischöfe" bezeichnet, aber um so ernster ihre Rrbeit betrieben. Zn Kursachsen be­kam er durch den Tod Friedrichs des Weisen freie Hand. Es will uns fast unbegreiflich dünken, daß dieser edle Fürst, ohne den Luther sein Werk kaum je hätte durchsetzen können, doch sein Lebtag es streng gemieden hat, je mit ihm persönlich zusammenzutreffen. Friedrich ist sogar in evangelischem Glau­ben am 5. Mai 1525 verschieden, aber im Verkehr mit Luther hat er sich stets nur seines Geheimschreibers und Beichtvaters Spalatin als Vermittler bedient. Er wägte alle­zeit mehr, als er wagte. Rnders sein nun zur Regierung kommender Bruder Johann, der voll Eifers, Entschiedenheit und Beständigkeit für die evangelische Sache war.

Luther war es vor allem darum zu tun, eine Volks­kirche zu schaffen. Rls erstes Glied derselben erschien am 29. Oktober 1525 die neue Gottesdienstordnung, entworfen von Bugenhagen, Jonas und ihm. Ihr schloß sich 1528 die um Ostern von Melanchthon verfaßte Visitationsordnung an, die am 26. September die kurfürstliche Genehmigung er­hielt. Schon 5 Jahre zuvor hatte sie zuerst der Zwickauer Pfarrer Hausmann, dann Luther angeregt. Denn es sah böse aus in Pfarrerstand und Jugenderziehung. Luther for­derte vor allem Rufrichtung und Sicherstellung der Pfarreien, dann aber auch Sichtung und Prüfung der Geistlichen unter Russcheidung der untauglichen Elemente. Die nun einsetzen­den Visitationen, an denen sich zum Teil Luther selbst be­teiligte, offenbarten an vielen Orten geradezu schauderhafte Dinge. Rade erzählt darüber u.a.:hier gebrauchte man noch das Weihwasser, dort feierte man noch die Messe,' manche Geistliche, die zwei Kirchen zu besorgen hatten, hiel­ten je nach Wunsch in der einen das Rmt auf römische, in der andern auf evangelische Weise. Manche trieben lieber das Waidwerk als das Predigtamt,' andere ernährten sich durch ein bürgerliches Gewerbe, etwa durch Schankwirtschaften, viele waren verkommen in Trunksucht. Etliche hatten ge­heiratet ; aber nicht wenige zogen es vor, nach der alten W.ise in wilder Ehe zu leben. Schulen gab es auf dem Lande fast garnicht." Kein Wunder, daß die Visitatoren mit eisernem Desen all diese schweren, aus dem Schlendrian der alten Kirche entstandenen Mißstände ausfegten. Luther selbst bedrückte aber mehr als alles, daß viele Geistliche, vollends der schlichte Mann aus dem Volk und die Jugend, nicht einmal in den entscheidendsten Grundlagen des christlichen Glaubens Descheid wußten. Manche waren unwissender als kleine Kinder. Da ging er hin und schrieb unmittelbar aus den visitations-

"kleinen" folgen ließ. Deide Schriften sind Taten Luthers, die unbeschreiblichen Segen gestiftet haben. Rn ihnen er- - füllte sich sein eigenes Wort:Es stehet in Düchern genug geschrieben,' ja, es ist aber noch nicht alles in die Herzen getrieben." So legte er seine Katechismen in Frage und Rnt- wort an, als einen wundervollenUnterricht für Kinder und Einfältige", den er gleichwohl auch den Geistlichen und Haus­vätern widmete. Er sagte davon:Der Katechismus ist die rechte Laienbibel, darinnen der ganze Inhalt der christlichen Lehre begriffen ist, so einem jeden Thristen zur Seligkeit zu wissen vonnöten." - Und über denKleinen Katechismus" hat kein Geringerer als der große Geschichtsschreiber Leopold von Ranke geurteilt:Er ist ebenso kindlich wie tiefsinnig, so faßlich wie unergründlich, einfach und erhaben. Glück­selig, wer seine Seele damit nährte, wer daran festhält. Er besitzt einen unvergänglichen Trost in jedem Momente, hinter einer leichten hülle den Kern der Wahrheit, der dem Weise­sten der Weisen genug ist."

Gewaltig ist die Wirkung der Katechismen denn auch seinerzeit gewesen, besonders auf das Heranwachsende Ge­schlecht, auf das Luther seine Hoffnung setzte,' also, daß er ein Jahr später schon seinem Kurfürsten einmal jubelnd schreiben konnte:Ls wüchset jetzt daher die zarte Jugend von Knäblein und Maidlein, mit dem Katechismo oder Schrift so gut zugericht, daß mir's in meinem Herzen sanft tut, daß ich sehen mag, wie jetzt junge Knäblein und Maidlein mehr beten, glauben und reden können von Gott, von Thristh, denn vorhin, und noch alle Stifter, Klöster und Schulen Le- konnt haben und noch können." -

Durch unser deutsches Volk geht während des jetzigen grimmen Weltkrieges daheim eine stetig wachsende Sorge: die um unsere Heranwachsende Jugend. Man gebe ihr wieder LuthersKleinen Katechismus" mehr in die Hand! Wir Riten aber, damit wir sie rechtunterweisen" können, täten gut, wieder mehr zumGroßen" zu greifen. Rber man tue es auch im Geiste Luthers, der im Großen Katechismus ein­mal schreibt:Darum darfst du hier kein Gesetz stellen, wie der Papst. Streich nur wohl heraus den Rutz und Schaden, Rot und Frommen, Gefahr und heil in diesem Sakrament, so werden sie wohl kommen ohne dein Zwingen. Kommen sie aber nicht, so laß sie fahren und sage ihnen, daß sie des Teufels sind, die ihre große Rot und Gottes gnädige Hilfe nicht achten noch fühlen. Wenn du aber solches nicht treibest oder machest ein Gesetz und Gift daraus, so ist es deine Schuld, daß sie das Sakrament verachten. Wie sollten sie nicht faul sein, wenn du schläfst und schweigest?" - Ja, wache auf, deutsches Thristenvolk, im großen Lntscheidungsjahr 1917!

^Sin Eichener Kaufvertrag aus dem Zahre N85.

Das im Rachfolgenden abgedruckte, interessante Schrift­stück ist mir vor einiger Zeit von einem aus einer alten alten Gießener Familie stammenden Gemeindegliede ge­schenkt worden. Tin großer Teil des Textes ist vorgedruckt, ihn kenntlich zu machen, ging nicht gut an. Wie jedoch der kundige Leser leicht merkt, so sind die allgemeinen Bestim- mungen vorgedruckt,' Ramen, Bezeichnung des Geländes so­wie der Kaufpreis sind selbstverständlich mit der Feder ein­getragen. Die durch .... bezeichnete Stelle fehlt in dem Schriftstück, das Papier war hier gefaltet und ist etwas aus­gerissen, so daß ein oder zwei Worte ausgefallen sind.