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Hud] eine Schauspielertruppe weilte einmal längere Zeit in dem Dorfe. 5ie wurde verstärkt durch einheimische junge Burschen. Unbegrenzten Nespekt erregte es auch in mir, als diese freiwilligen Schauspieler, von denen keiner hinterher ein Friedrich, h aase oder Conrad Eckhof geworden ist, in einem Nitterjtücke ihre Schwerter zogen und einen anderen mit Totstechen bedrohten. Mit welcher Spannung verfolgte ich im Ulter von ungefähr sieben Jahren die Vorgänge auf dieser sehr primitiven Bühne.
Cinmal war in einem wirtshaussaal eine sogenannte „Weltuhr" aufgestellt. Meine Erinnerung an dieses Schaustück ist sehr schwach, ich weiß nur noch, daß, wenn die Uhr schlug, ein Hahn zum Vorschein kam und die Flügel hob. Buch meine ich, daß die Upostel beim Stundenschlag hervorkamen und vorüberwanderten.
wieder ein andermal war ein Zwergehepaar gekommen und ließ sich für Geld sehen. Die beiden kleinen Leute erregten mein Entzücken, wenn sie in allerhand Verkleidungen auf der Bühne erschienen, der Mann mit der langen Pfeife, die Frau mit der Kaffeetasse in der Hand.
Glückliche Kindheit, in der die Welt die Tore vor uns aufrcißt und den erstaunten Blicken so viel Interessantes bietet! wie weit liegst du zurück!
Hranffurt a. M. im Hungerjahre
(Schluß.)
Zehr viel zur Verschlimmerung der wirtschaftlichen Verhältnisse vor 100 Jahren trug bei, daß so mancher die allgemeine Notlage zu seinem Vorteil auszunutzen suchte, wie ja leider auch heute in unserer Bedrängnis, vornehmlich trieb damals der Getreidewucher sein Unwesen. Um dem entgegenzuwirken, haben damals die „Frankfurter Nachrichten" die Schrift Martin Luthers vom Jahre 1540 „Un die, so Wucher treiben und doch Christen sein wollen" in ihrem ganzen Umfang zum Ubdruck gebracht, viel genützt hat diese Mahnung aber nicht, und es ist traurig, daß wir auch heute aller eindringlichen Vorstellungen ungeachtet nicht besser dran sind. Im Upril nahm die Nahrungsnot überhand, und das als Notvorrat aufgekaufte Korn mußte angegriffen werden. Zugleich wurden weitere Kornanschaffungen im Uusland gemacht, um den städtischen Vorrat voll zu erhalten und womöglich noch zu vermehren. Dennoch war die Verpflegung der Stadt keineswegs gesichert. Die Uussichten für die neue Ernte waren zwar gut, aber bis dahin war es noch weit. Nun hatte sich das rechtzeitige Eintreffen der von Holland erwarteten Korn- sendungen durch Unschwellen des Nheins sehr unliebsam verzögert- zu Land erwartete Sendungen wurden durch Fehlen von Zugvieh zurückgehalten. Indessen schmolzen die vorhandenen Kornvorräte immer mehr zusammen, so daß Unfang Juni nur noch eine sehr geringe Menge vorhanden war. Drückender Mangel an Brot konnte also schon in den nächsten Wochen eintreten, was zu unberechenbaren Folgen führen mußte.
In dieser peinlichen Verlegenheit setzte der Senat alle Hebel in Bewegung, um die Versorgung der Stadt nicht ins Stocken kommen zu lassen. Neue Unkäufe als Er>ah für die ausgebliebenen wurden sofort ins Werk gesetzt. Um das hier gebackene Brot auch wirklich in der Stadt zu behalten, durfte an Auswärtige kein Brot mehr verkauft werden, außer, wenn sie hier zu arbeiten hatten, und auch dann nur je ein Laib. Un den Toren der Stadt war Polizei ausgestellt, welche Fremde mit größeren Mengen Brot nicht hinauslassen durste. Sodann wurde die Beschlagnahme aller auf den Höfen und
Dorfschaften des ganzen Stadtgebietes befindlichen Vorräte an Korn, Weizen, Hafer und Gerste verfügt, sowie deren un- verweilte Bestandsaufnahme vorgenommen. Das Ergebnis war niederschmetternd. Manche Pächter besaßen nicht einmal mehr ihren eigenen Bedarf. Mehrere Gemeinden, wie Bornheim, Meder- und Gberrad hatten nicht mehr für 14 Tage den nötigen Unterhalt; die Bornheimer Bäcker zeigten an, daß noch in der laufenden Woche ihr Vorrat für die Bevölkerung zu Ende gehe. Die anderen Ortschaften hatten nur das Notwendigste bei völligem Mangel an Kartoffeln, Gbst usw. Die wetterau, wo die Stadt Frankfurt von alters her ihren Bedarf an Getreide gedeckt hatte, befand sich selbst in den größten Verpflegungsschwierigkeiten. Immerhin wurde eine Bitte des Senats um Uushilfe an das Staatsminijterium in Darmstadt durch den Großherzog von Hessen genehmigt und der Stadt mehrere 100 Malter Korn aus der Provinz Gbcrhessen wenigstens leihweise überlassen. Buch die bayerische Negierung stellte die erleichterte Uusfuhr eines größeren Getreidebetrages in Nussicht. So hatte man wenigstens die Sicherheit, über die nächste Zeit hinweg zu kommen. Der Juni ist der schlimmste Monat gewesen. Der Preis für das 6-Pfund-Brot war damals auf mehr als das Zweieinhalbfache gestiegen. In Württemberg kostete er allerdings mehr als einen Gulden. Glücklicherweise trat bald der Umschwung ein. Mit der Monatswende kamen die sehnlich erwarteten Zufuhren aus Holland an - «unter der günstigen Witterung war eine reiche Ernte geraten. Festlich geschmückt wurde Unfang Juli der erste Erntewagen feierlich eingebracht, wozu der betreffende Besitzer selbst die Unregung gegeben hatte. Und nun kam nach und nach alles wieder in seinen gewohnten Gang.
wenn wir uns so die Zeit vor 100 Jahren vergegenwärtigen oder gar noch schwerere Zeiten, wie die des ZOjäh- rigen Krieges, wo sich die Menschen sogar auf dem Schindacker Nahrung suchten, dann vermag uns, den in schwerer Gegenwart Lebenden, ein solcher Nückblick in die Geschichten einen Trost wenigstens zu geben, daß auch die schlimmsten Zeiten vorübergegangen sind, und wir gewinnen Stärkung, gleich unseren Vorfahren auszuharrcn.
Ed. L.
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.)
Um 16. November 1797 starb König Friedrich Wilhelm II. und sein Nachfolger bestieg als König Friedrich Wilhelm III. den Thron. Man trug sich wie gewöhnlich bei einer Negierungsveränderung mit vielen Unekdoten vom neuen Könige, von welchen die wenigsten wahr sein mochten.
Meine Mutter kam zu Unfang des Jahres 1798 in die Wochen und wurde von einem Sohne entbunden, der den Namen Ferdinand erhielt, wir Kinder waren jetzt unserer vier.
Um diese Zeit kam ein Taschenspieler nach Friedland, ein Jude, mit einem Hanswurst. Ich hatte schon früher solche Darstellungen von einer Frau gesehen, allein die jetzigen waren viel besser, mannigfaltiger und wurden mit größerem Geschick ausgeführt. Mich beschäftigten die gesehenen Kunststücke gar sehr, und ich gab mir viele Mühe, dahinter zu kommen, wie sie ausgeführt würden - aber nur bei wenigen gelang es mir, sie zu enträtseln oder gar sie nachzumachen. Indessen war es immer eine Uebung des Verstandes. Bald nachher kam ein Mjann und kündigte an, er wolle mit seinen beiden Töchtern von 10 und 12 Jahren im Gasthofe eine


