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dazu; denn sonst würde er der Stadt zur Last gefallen sein. Eigentlich aber war es seine Frau, welche die Prozesse führte. Sie nahni die Klagen an, instruierte sich, hetzte die Lauern auf, versprach ihnen unfehlbar den Gewinn des Prozesses und diktierte ihrem Manne die Klagen oder Verteidigungs­schriften in die Feder, gewöhnlich mit den gröbsten Aus­fällen auf die Gerichte, so daß die Kläger oder verklagten nicht selten wegen Beleidigung der Gerichte in Strafe ge­nommen wurden. Sie geriet bei diesem Diktieren meist der­maßen in Effekt, daß wir in unserm Zimmer jedes Wort ver­stehen konnten. Wurde sie gar zu derb und fürchtete er un­angenehme Folgen, so erlaubte er sich wohl, sie zu unter­brechen. und söhte:Uber, liebes Kind, das ist eine Znjurie."

,,Nichts da," rief sie,du schreibst, wie ich es sage; ich will grob sein." Früher hatte er es in solchen Fällen wohl ge­wagt, statt der diktierten Worte gelindere niederzuschreiben und glaubte dies um so eher wagen zu können, als die Frau Baronin weder lesen noch schreiben konnte. Sie mußte wohl etwas- von diesem Kunstgriff gemerkt haben; denn der Baron mußte ihr jedes Diktat genau vorlesen, und sie hatte ein so vorzügliches Gedächtnis, daß sie jede Silbe wußte, die sie diktiert hatte. Einstens, als sie es gar zu arg getrieben, hatte der Baron mehrere Stellen gemäßigt, weil er sie für zu ver­letzend hielt, wobei er sich aber die diktierten Uusdrücke möglichst gemerkt hatte, um sie bei dem verlesen statt der von ihm niedergeschriebenen herzulesen. Unglücklicherweise wurde jedoch dem alten Manne sein Gedächtnis untreu und er las, wie er geschrieben hatte. Da gab es so viele Ohrfeigen, daß der Urme geschwollene Backen bekam und mit verbunde­nem Kopse umhergehen mußte. Schlimmer noch war ein an­derer Fall. Es hatten sich zwei gegen einander prozessierende Parteien an unser Ehepaar gewandt, ohne daß eine den Schritt der andern kannte, und die Klagen wurden beide an­genommen. Natürlich mußte dies den Parteien verborgen bleiben. Dergleichen mochte wohl öfter geschehen sein; denn dabei war am meisten und am sichersten zu gewinnen, wenig­stens in keinem Falle zu verlieren. Der Baron sandte die von ihm gefertigten Eingaben den beiden Parteien zu, denn diese mußten die Eingaben, als von ihnen herrührend, dem Ge­richte einreichen. Unglücklicherweise versah er sich beim Udres- sieren, so daß jede Partei die Eingabe der Gegenpartei emp­fing und beide sich getäuscht sahen. Es gab einen höllischen Lärm, in welchem die Stimme der Baronin keine der schwäch­sten war, und wie er endigte, kann man denken. Die Uach- wehen waren lange zu bemerken.

3m Frühjahr 1798 verstarb die Baronin plötzlich. Der arme alte Mann stand nun ganz allein. Meine Eltern boten ihm einmal wöchentlich den Mittagstisch an und er äußerte sich dankbar dafür. Er war ausnehmend betrübt und konnte sich über diesen Todesfall gar nicht zufrieden geben; er rühmte

seine Frau durch alle Prädikate, und hätte er ihr eine Grab­schrift sehen können, so würde die Welt von einem Engel ge­lesen haben. So viel tut die Macht der Gewohnheit! hier wurde der Spruch zu schänden: Wer Liebe säet, wird Liebe ernten. Dem liebebedürftigen Herzen des alten Mannes aber macht es Ehre, daß selbst eine so schnöd: Behandlung ihn in seiner Liebe nicht irre machen konnte. Er grämte sich derart, daß er acht Tage nach seiner Frau starb. Mir vermachte er zum Undenken das einzige Buch, das er besaß, den ersten Teil von WolfsUnfangsgründen der Mathematik", welches für mich sehr bedeutsam wurde und die Ursache ist, daß ich hier dieses Märtyrers des ehelichen (?) Glücks gedacht habe.

(Fortsetzung folgt.)

Zrühlingseinkehr.

Lin Sonnenlächeln in klarer Luft.

Lin schüchterner, zarter Blumenduft,

Ein lichtfrohes Keimen und bebend' Kegen: Ullaufersteh'n im Lenzessegen.

Hanna Krüger 7.

Meine Mitteilungen.

Um 22. Upril beginnt wieder die Thristenlehre, die be­kanntlich mit dem Frühgottesdienste um 8 Uhr verbunden ist. Un dem genannten Tage ist Thristenlehre für die Markus- und Iohannesgemeinde, am darauffolgenden Sonntag, den 29. Upril, für die Matthäus- und Lukasgemeinde. Die Eltern werden gebeten, die neukonfirmierten Kinder zum fleißigen Besuche anzuhalten. Die Konfirmationsgedenkscheine werden diesmal erst im herbst, nach Beendigung der Thristenlehre, den Kindern ausgehändigt werden.

ttirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 22-. Upril. Miserik. Domini.

Gottesdienst.

3n der Stadtlirche. vormittags 8 Uhr, verbunden mit Thristenlehre für die Ueukonfirmierten aus der Markus­gemeinde. Pfarrer Schwabe, vormittags 9 1 Uhr: Or­dination des pfarrassistenten lic. theol. Keuning durch Dekan Gußmann, predigt: pfarrassistent Keuning. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde.

Mittwoch, den 25. Upril, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr.

3n der Aohanneslirche. vormittags 8 Uhr: Zugleich Thristenlehre für die Neukonfirmierten der Iohannes- gemeinde. Pfarrer Uusfeld. vormittags 9 l /> Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer.

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