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Sic heiratete später in der Stadt einen Geschäftsmann und stand einem feinen Hause vor, aber den Namen „Lüg-Eb" behielt sie.
Nus meinem heimatdorfe gingen in jeder Woche Marktfrauen nach der benachbarten Stadt. Ls waren meist grauen ,geringer" Leute, die sich auf diese Nrt einen Nebenerwerb verschafften. War diese Frauen leisteten, ist eigentlich erstaunlich. Sie trugen den schweren, mit Lutter, Eiern, Käse und Gemüse gefüllten Nord auf dem Kopfe nach der Stadt, die zwei Stunden entfernt war. Dort standen sie auf dem Markt- Platze, bis sich Käufer fanden, dann gingen sie wohl noch in die Läden, um allerhand einzukaufen, tranken beim Bäcker eine Tasse Kaffee und aßen einen Wasserweck und gingen wieder nach Hause. Nuf dem hin- und Herwege wurden die Dorfneuigkeiten ausgiebig erörtert. (Schluß folgt.)
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.)
Daß ich meine Flöte übrigens schräg in einen Fensterflügel lehnte, verstand sich von selbst; denn das war in kleinen Städten allgemein Sitte. Die Flöte war von außen zu sehen und kündigte jedem vorübergehenden an: hier wohnt ein Liebhaber der schönen Künste,' somit also ein seltener Vogel. Wer da weiß, wie begierig die Menschen nach einer Nuszeichnung Haschen, wird es mir nicht als eine ganz abnorme Eitelkeit anrechnen, wenn ich mich jener Sitte gern fügte. Es schien mir sogar, als ob die Ehre der Stadt dabei interessiert sei, wenn sich möglichst viele Gegenstände der Liebhaberei für Kunst und Wissenschaft an den Fenstern zeigten. Der Mensch ist nie scharfsinniger, als wenn er eine Schwäche vor seinem Gewissen zu rechtfertigen hat.
Indessen hatte die Sache doch wirklich ihr Gutes. Es kam ein Seifensieder aus Friedeberg zum Jahrmarkt nach Friedland, meldete seine waren an und erkundigte sich, wem die am Fenster stehende Flöte gehöre. Ich bekannte mich als den Besitzer, und nun gab auch er sich als einen besonderen Liebhaber der Musik und als Flötenbläser zu erkennen. Das war mir eine große Freude,' weil aber die Zeit nicht erlaubte, die Sache unmittelbar weiter zu verhandeln, so lud ihn mein Vater für den Nbend zu uns ein, .und er kam. Wir bliesen abwechselnder war mit mir zufrieden, versprach zum nächsten Jahrmärkte Noten mitzubringen und hielt Wort. Es war ein Luch in Ouer-Gktav, in welchem Tänze, Lieder, Märsche usw. für die Flöte von ihm gesammelt waren. Ueber jedem Stücke war angegeben, aus welcher Tonart das Stück ging. Ich fragte ihn, was das O-dur, ^-moll, O-dur usw. heißen solle? Darauf antwortete er: „Ja, das weiß ich nicht. Vas ist nur für die großen Musikverständigen, darum brauchen wir uns nicht zu bekümmern, die wir nur Kleinigkeiten spielen." Er war übrigens ein sehr gefälliger, dienstwilliger Mann, und manches habe ich doch von ihm gelernt. Das Notenbuch schrieb ich ab.
Unter meinen Schul- und Spielkameraden war mir der liebste der Sohn des Nkzise-Einnehmers Schmidt, namens Eduard. Cr hatte mehrere Schwestern, die meist jünger waren als er. Wir spielten viel miteinander,' denn dazu blieb trotz aller Nrbeiten noch Zeit genug übrig, da wir für die Schule zu Hause gar nichts zu tun hatten. Unsere Spiele waren höchst mannigfaltig und oft ziemlich wild. In körperlichen Uebungen war ich jedoch kein Held. Ich war nicht stark und wurde von anderen Knaben meines Nlters leicht niedergeworfen,' ich konnte nur geringe Lasten heben und tragen,'
ich lief zwar schnell, aber es gab deren, die ich nicht cin- holen konnte, von Prügeleien hielt ich mich daher, wenn es sein konnte, fern. Nuch im Klettern leistete ich wenig. Es gab nicht viele Läume, die ich besteigen konnte,' vielleicht war geringe Uebung daran schuld, denn ich suchte meine Kleider zu schonen, da ich wußte, daß es meinen Eltern schwer wmde, mir neue anzuschaffen. Dagegen war ich ein guter Loll- spieler geworden,' es versagte mir selten ein Schlag,' ich brachte den Lall dahin, wohin ich ihn haben wollte, und ließ deshalb keinen meiner Mitspieler im Felde ,itzen. Dies Spiel hat mir großes Vergnügen gemacht. Im Winter wurde viel geschlittert,' Schlittschuh kannte man in Friedland nicht, und ich habe daher auch das Schlittschuhlaufen nicht gelernt. Im Sommer waren uns die Fichten der angenehmste Tummelplatz. Nn unseren Spielen nahm oftmals Eduards älteste Schwester, namens Malchen, Teil, ein hübsches blondes Mädchen mit blauen Nugen, mir die liebste meiner Mitschülerinnen. Ihr Sinn war mehr ernst als heiter, und gerade das gefiel mir. Die ersten unschuldigen und unbewußten Legungen der Geschlechtsliebe im Herzen des Knaben, die früheste träumerische Lebensäußerung des verpuppten Schmetterlings, hat ihr Umgang in mir hervorgerufen. Diese Empfindungen äußerten sich in einem stillen und doch recht innigem Wohlwollen.
In dem Hause, welches wir früher bewohnt hatten, lebte, nur durch den Hausflur getrennt, ein alter Laron von G. Er war ehemals Offizier gewesen, war hoch in den siebziger Jahren, hatte weiße dünne haare und mußte früher ein stattlicher Mann gewesen sein. Ich habe ihn nie anders gesehen, als in einer weißbaumwollenen Zipfelmütze, grünem, mit dünnem Schafpelz gefütterten Schlafrock und Pantoffeln. Wahrscheinlich besaß er sonst keine Kleidungsstücke,' denn er war überaus arm. Der Laron war ein sanfter, stiller Mann. Seine Frau wenigstens galt sie dafür, obgleich behauptet wurde, es sei eine wilde Ehe besaß solche Eigenschaften keineswegs. Nn ihr war alles in die Breite gezogen, besonders das Gesicht, das die Form eines Eierkuchens hatte,' ihre Züge waren grob, nicht angenehm. Sie schien keine oder eine schlechte Erziehung genossen zu haben, sprach zwar hochdeutsch, aber gemein, schimpfte und fluchte wie ein Grenadier, und machte im Hause mehr Lärm als drei andere Weiber. Der alte Laron war dabei dermaßen unter den Pantoffel geraten, daß er vor ihr zitterte und bebte. Sie stand oft vor ihm und ohrfeigte ihn links und rechts, ohne daß er sich zu rühren wagte,' ja zuweilen, wenn sie in Strümpfen dasaß und wütend wurde, befahl sie ihm, ihr seinen Pantoffel zu bringen, den er gehorsam überlieferte und den sie nun nach Herzenslust benutzte, um ihm ihre Ungnade fühlbar zu machen. Da sie mit uns auf einem Flur wohnten, konnten wir jedes laute Wort so deutlich verstehen, als ob es in unserem Zimmer gesprochen würde, und die Frau Laronin kannte, wenn sie ungnädig war, was ihr täglich mehrmals begegnete, keine Mäßigung und schrie und kommandierte, als ob sie vor der Front eines Bataillons stände. Wie oft haben wir den armen Mann bedauert, wenn das Klatschen der Strafmittel bis in unser Zimmer schallte, begleitet von den wütenden Schimpfworten der Frau Baronin und den furchtsamen Litten des armen Barons. Es war leider nichts zu tun,' denn in das eheliche Verhältnis durfte sich niemand einmischen. Der Laron machte den Winkeladvokaten und führte heimlich für Lauern Prozesse, wovon er allein lebte, wenigstens erinnere ich mich nicht, daß er eine Pension gehabt hätte. Man wußte das, aber schwieg


