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Mein Vater hatte mir nach meiner Krankheit auf dem Jahrmärkte eine Pfeife mit sieben Grifflöchern, wie sie die Bärenführer gebrauchen, für ein paar Groschen gekauft. Ich blies fleißig darauf und suchte durch Schließen und Deffnen der Löcher, durch stärkerer und schwächeres Blasen die Töne zu verändern. Zufällig war die Pfeife richtig und rein men- suriert, was sie selten sind. Mein Ghr war durch den Gesang meiner Mutter, wie durch das viele Kirchen- und Schul- singen wenigstens so weit gebildet, daß ich die reinen Töne der Skala sehr wohl von den unreinen unterscheiden konnte. Der mir wohlbekannte Choral: ,,wie schön leucht't uns der Morgenstern", schließt mit einer herabsteigenden Skala, die ich oft gesungen hatte; die aufsteigende wurde mir nicht schwerer. Ich brachte beide Skalen auf meiner Pfeife hervor, und durch stärkeres Blasen um eine Gktave höher. So hatte ich also über Töne im Umfang von zwei Oktaven zu verfügen, und bas reichte aus für die meisten mir bekannten Melodien. Cs versteht sich, daß ich damals diese Betrachtungen nicht anstellte, denn ich wußte weder etwas von einer Skala, noch von einer Gktave. Die Praxis ging wie gewöhnlich der Theorie voraus. Uber in kurzer Zeit blies ich ohne weitere Unweisung nicht bloß alles, was ich singen konnte, oder von Melodien im Kopfe hatte, sondern phantasierte sogar, indem ich mir selber Melodien schuf und sie im Entstehen blies. Cs war besonders die Ubenddämmerung, in welcher ich meine Meisen erschallen ließ, hinter unserer Straße begrenzte Uckerfeld eine große Miese, die sich bis zu einer hohen Clsenallee hinzog. Um Bande dieser Miesenfläche schritt ich auf und ab und blies meine Lieder zum Ergötzen der Bewohner des vierten Teils der Stadt (denn der hohe Flageoletton der Pfeife war weithin zu hören), während rechts von mir das Gezirpe der Heuschrecken aus den Kornfeldern vereint mit dem Schlage der Machte! erschallte. Die Nachbarn sagten meinem Vater über meine Musik vieles, was ihm sehr wohl gefiel und er gern hörte. Das veranlaßte ihn, mir ein halbes Jahr später eine Flöte zu kaufen, die ihm zu billigem Preise angeboten wurde. Meine Freude war groß, aber es dauerte einige Zeit, ehe ich imstande war, einen Ton auf dem Instrumente hervorzubringen. Uls ich das endlich konnte, wurde es mir sehr schwer, die Fingerjtellung für die verschiedenen Töne aufzu- sinden und ich merkte, daß es zu weitläufig sei, alle Kombinationen zu versuchen. Nun lebte im Drte ein junger Mann, namens Krause, der als Supernumerar bei der Bkzise arbeitete und Bruder des Bkzise-Kontrolleurs war, ein stiller, ruhiger Mensch, der recht gut zeichnete und malte und auch, wie ich hörte, die Flöte blies. Er lebte sehr zurückgezogen und mied allen Umgang. Ich ging zu ihm und fragte um Rat. Cr lieh mir eine sogenannte Tabulatur, auf der die Griffe durch offene und ausgefüllte Nullen bezeichnet waren, doch ohne sie mir zu erklären. Buch waren Noten und Takteintei
lungen angegeben. Ich schrieb sie mir ab, quälte mich aber einige Tage ganz unnütz damit, indem ich sie mißverstand, und horizontal las, was senkrecht genommen werden mußte. Erst als ich ihm das Blatt wieder zurückbrachte und meim Not klagte, löste er mit wenigen Morten das Mißverständnis, und nun wußte ich, woran ich war. Die Noten und Griffe waren bald gelernt, die Fertigkeit mußte erworben werden, vom Takte hatte ich bis dahin keine Vorstellung gehabt, doch faßte ich die Einteilung bald und benutzte gewissermaßen als Metronom den Perpendikelschlag unserer Uhr; allein Noten fehlten mir ganz, und einstweilen blies ich nach dem Gehör. Zufällig ergab sich, daß der alte Kürschner, von dem ich das Fragment des Orbis pietus erhalten hatte, die Flöte blies. Bn ihn wandte ich mich; er hatte aber lange nicht geblasen und suchte die einzelnen Stücke seiner Flöte mühsam zusammen. Nachdem er sie ins Masser gestellt und völlig naß gemacht hatte, ging es. Da zeigte sich jedoch, daß er nichts weiter blasen konnte, als den Dessauer Marsch, und den haben wir oft zusammen gespielt, indem ich mich bemühte, nach dem Gehöre eine zweite Stimme zu erfinden. Das war dann zwar keine eintönige, aber freilich eine sehr einförmige Musik; immerhin war es Musik. Bus einige falsche Töne durfte man dabei nicht achten; denn die erste Stimme kam nicht selten aus dem Takte und die zweite vergriff sich leicht.
(Fortsetzung folgt.)
Meine Mitteilungen.
Nachdem die Festtage vorüber sind, nehmen die Kriegz- betstunden wieder ihren Fortgang. Die nächste Kriegsbetstunde findet Mittwoch, den 18. Bpril, abends 8 Uhr in der Iohanneskirche statt.
Kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 15. Bpril. Ouasimodogeniti.
Gottesdienst.
In der Stadtkirche. Samstag, den 14. Bpril, nachmittags 2 Uhr: Beichte für die Konfirmanden aus der Matthäusgemeinde und deren Ungehörige. Pfarrer Mahr. Sonntag, den 15. Bpril, vormittags 97 2 Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Matthäusgemeinde. Feier des heiligen Bbend- mahls. Pfarrer Mahr. Bbends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe.
In der Aohanneskirche. Samstag, den 14. Bpril, nachmittags 2 Uhr: Beichte für die Konfirmanden aus der Lukasgemeinde und deren Ungehörige. Pfarrer Be ch tolsHeime r. Sonntag, den 15. Bpril, vormittags 97» Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Lukasgemeinde. Feier des heiligen Bbendmahls. Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r. Bbends 6 Uhr: Pfarrer Busfeld. Mittwoch, den 18. Bpril, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer.
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