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gmein". 1524 entwickelte sich aus ein paar aneinander gehefteten Flugblättern das 1. evangelische Gesangbuch, darunter abermals der 130 Psalm, nun Luthers vielleicht aller- schönstes Lied: „Rus tiefer Not schrei ich zu dir", dem bald das 2. und, von Luther selbst zusammengestellt, das 5. folgte, jetzt gleich, mit vierstimmigen Melodien versehen.
5o ist schwer zu sagen, was alles jenes schlichte Büch- lein von 1517 für unser deutsches Volk bedeutet. Nade hat recht, wenn er 1885 schrieb: „Luther vornehmlich hat es dahin gebracht, daß Nord- und Süddeutschland, die bisher ihre besondere Mundart redeten und also pflegten, daß sie sich gegenseitig nicht verstanden, Line Sprache wenigstens schrieben und je länger je mehr auch, redeten. Dieses Land der Linen Sprache und Linen Schriftstellerei hat festgehalten auch in den schweren Zeiten, wo Deutschlands Linheit sonst völlig in Trümmern lag. Ls hat gehalten und. zusammengehalten bis auf die besseren Zeiten des neuen deutschen Reiches."
heute steht dieses Reich vor Sein oder Nichtsein! Rber es wird umschlossen von dem Geist einer Sprache, in der wunderbare Kräfte walten. Und jetzt, in den Stürmen des Weltkrieges, sollten wir Deutsche wohl daran denken, daß diese unsre Sprache herausgeboren ist aus den Lwigkeits- kräften der Religion und des Cvangeliums selber. In Luthers Erklärung zu jenem „Zechst pußpsalm" vom Jahre 1517 aber steht ein Wort von ihm, das wir mitnehmen wollen in die weihe und den Lrnst dieser bewegten Zeit: „Rlß oft ich weniger pn der schrifft dan Lhristum funden Hab, bpn ich nach nie sat wurden; als offt aber ich meer dan Lhristum funden Hab, byn ich nie armer wurden . . . Lhristus ist gottis gnaden, barmhertzickeit, gerechtickeit, warheit, weiß- heit, sterke, trost und selickept, uns von gott gegeben an allen vordinest." _
Silber aus dem hessischen Vorsieben.
von R. L- NN.
(Fortsetzung.)
Lin anderer unter diesen Handelsleuten, den man den „Bäritz" nannte auch er hieß in Wahrheit anders tat sich durch Großspurigkeit hervor. Linst war er mit einem Metzger über Land gegangen, um einen Hammel zu kaufen, den der Metzger schlachten wollte. Rber der Bauer forderte zu viel, und das Geschäft kam nicht zustande. Da stand der Bäritz mit der Miene und Haltung eines Großhändlers auf und sagte: „Komm, Rugust, ob wir morgen 100 oder nur 99 hämmel nach Köln liefern, ist einerlei." Bekanntlich geht es ja bei dergleichen Geschäften so zu, daß der Händler wutentbrannt über den teuern, ihm abgeforderten Preis das Geschäft abbricht und nach einer Viertelstunde mit freundlicher Miene wiederkommt, um von neuem zu handeln. Ich habe es manchmal bei Pferdehändeln gesehen, wie der Handelsmann wütend die Haustür zuschlug und Stein und Bein verschwor, daß er das Haus niemals wieder betreten wolle, daß er lieber Rrm und Bein brechen und nicht mehr gesund zu seiner Frau und seinen Kindern heimkehren wolle, und gleich darauf kam er wieder zur Haustür herein und machte ein neues Rngebot.
Der Handel des Bäritz bewegte sich nur in sehr bescheidenen Grenzen, er war ein ehrlicher und nicht gewinnsüchtiger Mann. Lr kaufte Hasenfelle, Ziegen, hämmel, Kälber, ab und zu auch wohl einmal Getreide ein. Ruch er war ein leidenschaftlicher Tabakraucher, und nach der dor
tigen Sitte stopfte er seine Pfeife gern aus den Beuteln anderer Leute, wie auch er seinen Tabak anderen anbot. Nun erzählte der Bäritz jedem, der es hören wollte, er sei im Juli 1870 auf der Landstraße gegangen, da seien Truppen, die nach Frankreich marschierten, an ihm vorübergekommen, mitten unter ihnen ein hoher Offizier, anscheinend ein General, ein stattlicher, schöner Mann mit blondem Barte, umgeben von einem großen Gefolge, und gleich dem Bäritz die kurze pfeife in der Hand haltend. HIs dieser hohe Herr gesehen habe, daß er, der Bäritz, aus seiner Pfeife Wolken hervorstieß gleich den Wolken, die aus dem Backhause kommen, wenn ein armer Mann backt (der arme Mann verwendet grünes, im Walde aufgelesenes Reisig, daher die Rauchwolken), da habe er den Raucher freundlich herangewinkt und gefragt, ob er nicht einmal mit Bäritz stopfen dürfe. „Gewiß, mein Herr," habe er geantwortet und den Beutel hervorgezogen. Der Herr habe sich freundlich bedankt und sei weitergeritten. Liner aber aus dem Gefolge habe ihm, dem Bäritz, gesagt: „Das war der Kronprinz von Preußen." Diese Geschichte erzählte der Bäritz, wie gesagt, sehr oft, sie war aber erlogen,' denn der Kronprinz ist nie diese Straße gezogen, er hat seinen Einmarsch nach Frankreich auf eine ganz andere weise bewerkstelligt. Das war auch nur gut,' denn der Bäritz rauchte R. B. Rupter. Das war, wie der Name der Firma ausweist, ein aus Holland eingeführtes, scharfes Kraut, von dem man sagte: „R. B. Reiter, drei Züg' do leit er", nämlich der Raucher. Line andere sehr bedenkliche Sorte, die gleichfalls in meiner Heimat viel geraucht wurde, war der „Llephant". Ls heißt von ihm in einem humoristischen Gedichte, das sich mit der Fahrt auf der hessischen Ludwigsbahn befaßt: „Der Nachbar rauchet Llephant, das ist ein Duft gar penetrant." Da ich gerade am Tabak bin, so sei auch folgende Rnekdote mitgeteilt: In einer hessischen Schule prüfte der Kreisschulinspektor einmal in der Geographie und ließ sich die Großen Rntillen nennen. Die Kinder hatten glücklich Tuba, Jamaica und St. Domingo aufge- gezählt, auf die Insel portoriko konnten sie indessen nicht kommen, Da sagte der Inspektor zu einem Jungen, der ihm einen intelligenten Eindruck machte: „Ra, du kennst doch diese Insel, ihr Name steht aus den Tabakpäckchen, die du für deinen Vater im Laden holst." Da gab der Junge zur Rntwort: „Karl Gräsf-Bingen." Das ist eine bekannte Tabakfirma. (Fortsetzung folgt.)
Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.
(Fortsetzung.)
Ich habe schon erwähnt, daß ich von dem Rektor zu meiner unsäglichen Freude lateinische privatstunden erhielt, wobei mir der früher gelegentlich gesammelte Vorrat von Vokabeln sehr zu statten kam. Zum ersten Male erhielt ich nun einen Begriff von der Grammatik einer Sprache, und da wir zugleich die der deutschen Sprache mit durchnahmen, wurde mir der Unterricht um so lehrreicher. Bald konnten wir zum Uebersetzen schreiten, und ich ging in dem Gedicke- schen Lesebuch rasch vor. Bald kam Cutrop an die Reihe, dann einzelne Stücke des Tornelius Nepos. Da es mir sehr an Büchern fehlte, schenkte mir der Rektor aus seiner Büchersammlung : Selectae e profanis scriptoribus historiae, quibus admista sunt varia honesti vivendi praecepta ex iisdem scriptoribus recensuit J. F. Fischerus, welches mir jedoch vorläufig noch zu schwer war.


