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Zu Zwinglis Gedächtnis.

Das Jubeljahr der Reformation lenkt die Blicke aller, der Freunde wie der Gegner, auf diesen Markstein in der europäischen Religions- und Geistesgeschichte. Ruch der Neben­sonne Luthers, des Schweizer Reformators Zwingli, gedenkt man wieder mit Dankbarkeit und Bewunderung. Gr, der nur wenige Monate jünger war als Luther er war am 1. Januar 1484 zu Wildhaus bei Toggenburg geboren war doch im wesentlichen von Luther abhängig, als er sich von der katholischen Rirche trennte, auch ist sein Wirkungs­kreis ein viel kleinerer geblieben. Rber sein Name wird für immer mit der Reformation der Schweiz verbunden bleiben und gibt der Schweizerischen Reformation sein von der deut­schen stark abweichendes Gepräge. Rls er heranwuchs, stand die Eidgenossenschaft nach den Rriegen des ausgehenden 15. Jahrhunderts auf Oer höhe ihrer Macht und war, wenn auch nicht dem Buchstaben, so doch den Tatsachen nach, frei und unabhängig von Raiser und Reich geworden: schon das sicherte auch der Reformations-Bewegung in der Schweiz im Unterschied zur deutschen, die im ständigen Gegensatz zur Reichsgewalt ihren Weg suchen mußte, eine eigene Bahn zu. Noch mehr aber macht sich in ihr das geltend, daß die innere Entwicklung Zwinglis so durchaus verschieden war von den schweren Rümpfen, die Luther im Rloster um seine heilz- gewißheit auszufechten hatte. Zein Weg auf den Schulen zu Weesen, Basel und Bern und auf der Wiener Hochschule ging durch den Humanismus. Er blieb wie sein Meister Erasmus bei allem Tadel, allem Spott gegen kirchliche Mißbräuche doch innerhalb der Rirche.

Zwingli hat als Pfarrer in Glarus und Einsiedeln den Solddienst der Schweizer im Rusland und das damit verbun­dene Pensions-Unwesen auf das schärfste bekämpft, ja er und seine Freunde wandten sich in Wort und Schrift in einer Weise gegen den Rrieg überhaupt, die stark an die heutige Friedensbewegung erinnert.

Rls sich Zwingli 1518 in Einsiedeln gegen den Rblaß- prediger Samson wandte, ja wenn er einige kirchliche Neue­rungen einführte, so war er doch noch kein Reformator zu nennen. Den Rampf gegen den Rblaß-Unfug führte er im Einverständnis mit seinen kirchlichen Dbern. Er bezog vom Papste ein Iahrgeld, stand mit hohen geistlichen Würden­trägern, insbesondere mit dem Rardinal Matthäus Schinner in freundschaftlichem Verkehr. Erst unter dem starken Einfluß der Schriften Luthers, die er seit 1519 zu lesen begann, auch wohl unter den Eindrücken einer langen Rrankheit, hat sich in ihm die Wandlung vollzogen, die ihn zum Bruch mit der alten Rirche und mit seinem bisherigen Meister Erasmus trieb. Mit dem Verständnis, das ihm Luther eröffnet hatte, erkannte er die Unausführbarkeit des göttlichen Gesetzes für unsere natürliche, menschliche Schwachheit und warf sich in die Rrme der in Thristo geoffenbarten Gnade Gottes, die erst durch den Glauben dem erneuerten Menschen Rraft und Freudigkeit zum Tun des Willen Gottes schenkt. Schritt für Schritt ging er weiter und begann mit dem Rbbruch des bis­herigen Rirchenwesens und dem Neubau der Züricher Landes­kirche. Der Zerstörung der Bilder, der Rbschaffung der Blesse, der Rufhebung der Rlöster, der Verdrängung des Rirchen- gesanges und der Grgel entsprach eine völlige Neuordnung des Gottesdienstes. Er führte die Priesterehe ein und ver­heiratete sich 1522 mit Rnna Reinhard.

Zwingli übertrug alle Rechte des bisherigen Rirchen- regiments auf den Staat. Er unterschied stets scharf zwischen der Gerechtigkeit von Gott, die nur durch die gläubige Zu­

versicht auf die Gnade zu erlangen ist, und der armseligen äußeren Menschengerechtigkeit, die aufrecht zu erhalten die Sache des Staates sei.

Zwinglis Rbweichung von Luthers Rnschauung in der Rbendmahlsfrage, die zur Spaltung des Protestantismus führte, wird verständlich, wenn wir ins Rüge fassen, daß es sich beim Marburger Gespräch 1529 durchaus nicht bloß um eine verschiedene Ruslegung der Einsetzungs-Worte handelte, sondern um eine in der Rrt und inneren Entwicklung Luthers und Zwinglis begründete Verschiedenheit der religiösen Welt dieser beiden Männer.

Zwinglis Glaube an Gottes Rllwirksamkeit trieb ihn in die großzügige Politik seiner letzten Jahre und damit in sein tragisches Ende auf dem Schlachtfeld zu Rappel. Die feste Zuversicht auf die sich im ganzen Leben, auch in seinen dunkelsten Wegen auswirkendc Macht Gottes, die Zwinglis Frömmigkeit besonders kennzeichnet, hat gerade für unsere Zeit mit ihren großen Nöten ihre Bedeutung.

Bilder aus dem hessischen vorsleden.

von R. Lnn. *

(Fortsetzung.)

3n diese Reihe darf wohl auch der Zinngießer gerechnet werden, der von Grt zu Grt zog, vor irgend einem Hoftor seine Werkstatt aufschlug und arbeitete. Die Leute aus dem Dorfe brachten ihm ihre Zinnteller und andere Geräte, aus dem er Söffet fertigte. Rus meiner frühesten Kindheit er­innere ich mich noch, daß man in vielen Häusern von Zinn­tellern, später kamen allgemein die Porzellanteller auf. Ruch die Scherenschleifer und Bürstenbinder zogen von Grt zu Grt. Die Bürstenbinder müssen früher keinen guten Ruf gehabt haben,' denn wenn jemand durch seine Zungenfertig­keit berüchtigt war, so sagte man: Cr hat ein Mundwerk wie ein Bürstenbinder. Ruch hieß es: Er hat ein Mundwerk wie ein Zigeuner oder wie ein Schwert. Ferner sagte man: Er trinkt wie ein Bürstenbinder.

Zahlreich waren die fahrenden Leute, die mit dem Wohnwagen anrückten und vor dem Dorfe ihr Lager auf­schlugen. Zu ihnen gehörten die Siebmacher. Sie zogen durch das Dorf und fragten nach Rrbeit, unterdessen wurde neben dem Wagen ein Feuer angezündet, und der rußige Ressel, in dem die Mahlzeit gekocht wurde, über das Feuer gehängt. Geschirrkrämer und Rrugbäcker aus dem Westerwalde waren auch oft gesehene Gäste.

Rber auch aus der Nachbarschaft kamen die Handels­leute, die meisten davon waren jüdischer Konfession. Sie handelten mit Ellenwaren, Getreide und Vieh. Rlle wurden mit irgend einem hebräischen Namen genannt, der mit ihrem eigentlichen Familiennamen nichts zu tun hatte. So hieß einer von ihnen kurzweg ,,der Kalme", und weil er klein von Gestalt und sehr mager war, nannte man ihn ,,das Ralmche". Einst stellte der dicke Schmied M. auf der Ge- rneindcwage das Gewicht des Ralmche fest. Er soll mit dem Ellenmaß das gab er nicht aus der Hand 86 Pfund gewogen haben. DerStzik" verkaufte Land, Zwirn und Knöpfe und schlug sich mühsam durch das Leben. Er trug seinen pack mit untergelegtem Ellenmaß auf der Schulter. Große Eile hatte er bei seinen Geschäften gerade nicht, er war in allen Häusern bekannt und wußte viel von der Nach­barschaft zu erzählen. Da er witzig war, so hörte man ihm gern zu, besonders seine eigenen Stammesgenossen und ihre Eigentümlickkeiten schilderte der Itzik in witziger Redeweise.