Einzelbild herunterladen

48

den Menschen nicht an sich, sondern durch seine Wirkung auf den Menschen zu bestimmen ist.

Line brennende wißbegierde verzehrte mich fast. Lam- pes Rat, zu lernen, was man nur irgend könne, weil man nicht wisse, wo einem das Erlernte zustatten käme, hatte einen zündenden Funken in meine Seele geworfen, und wie viel Wissenswertes sich in allen Gebieten zeige, hatte mich das zweite Buch gelehrt. Ich verschaffte mir Eampes Ent­deckung von Amerika,' ich las sie mit großem Interesse und nicht ohne mannigfache Belehrung, auch wußte sich meine Phantasie die sonnebeglänzten Landschaften der bis dahin in jungfräulicher Verborgenheit belegenen Inseln sehr wohl vorzustellen,- durch die klangvollen spanischen Heiligennamen schienen mir diese Inseln eine eigene weihe zu erhalten - aber wie der Robinson fesselte mich das Buch nicht. Zum zweiten Male dürfte nicht leicht ein pädagogischer Schriftsteller einen so glücklichen Griff tun wie Lampe mit dem Robinson.

Es hatte sich inzwischen nur zu deutlich herausgestellt, daß ich bei dem guten alten Kaplan nichts mehr lernen könne,- denn die zwei Dutzend lateinischer Sprichwörter konnte ich auswendig, und trotz meiner unendlichen Lust, lateinisch zu lernen, fehlte jede Gelegenheit dazu. Meine Mutter hatte mir alle Vokabeln hersagen müssen, deren sie sich noch aus der Zeit erinnerte, wo sie solche ihrem Bruder überhört hatte, Und ich memorierte sie fleißig. Selbst die Inschrift des Or­dens pour le merite, die ich für Latein hielt und deutsch las, hatte ich auswendig gelernt. Endlich erborgte ich mir von einem Kürschner ein altes zerlesenes Buch ohne Anfang und Ende, von welchem ich erst später erfuhr, daß es der Orbis pietus des Rmos Lomenius war, in welchem ich einen reichen Schatz von Vokabeln fand. Ich lernte sie, doch merkte ich gar bald, daß es damit nicht genug sei. Daß ich noch eines anderen Unterrichts bedurfte, war mir und meinen Eltern klar, wo aber war er zu erhalten?

Märkisch-Friedland hatte, wie erwähnt, einen gelehrten Uabbiner, unter welchem ein Seminar stand, in dem sich junge Juden zu Rabbinern und Lehrern bildeten. Liner dieser Bocher spielte den gebildeten Schöngeist, obwohl nicht in Gegenwart des Rabbiners. Lr war vorher Kaufmanns- diener in Berlin gewesen, kleidete sich anständig wie die Christen und sprach ein besseres Deutsch, als die meisten der dortigen Juden. Dieser Bocher nun hatte sich zu privatstunden erboten, und mein Vater entschloß sich, mich zu ihm gehen zu lassen; denn das muß ich ihm zu seinem Ruhme nachsagen,

daß er, wenn es auf mein Lernen ankam, sich immer groß­herzig bewies und nicht knauserte. Ls war traurig und hat mich oft sehr betrübt, daß seine vielen guten Eigenschaften durch große Schwächen in einen so ungünstigen Schatten ge­stellt wurden.

(Fortsetzung folgt.)

Nieine Mitteilungen.

Seither wurde zu unseren Gottesdiensten jedesmal eine Viertelstunde lang geläutet, in Zukunft soll nur noch zehn

Minuten lang geläutet werden.

* *

«

Für den kommenden Buß- und Bettag (Palmsonntag) hat der Großherzog folgende Texte bestimmt, für den Vor­mittagsgottesdienst: Psalm 25,2. Mein Gott, ich hoffe auf dich, laß mich nicht zu Schanden werden. Für den Uach- mittagsgottesdienst Römer l2,l2. Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.

kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 25. März. Judika.

In der Stadtkirche, vormittags 9 l / 2 Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Mat­thäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Mittwoch, den 28. März, abends 8 Uhr: Passionsandacht (Kriegsbetstunde). Pfarrer Schwabe.

In der Johanneskirche. Samstag, den 24. Mürz, nach­mittags 2 Uhr: Beichte für die Konfirmanden aus der Jo­hannesgemeinde und deren Ungehörige. Sonntag, den 25. März, vormittags 97s Uhr: Konfirmation der Kinder aus der Johannesgememde. Feier des heiligen Rbendmahls. Pfarrer Rusfeld. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer.

* *

*

Wartburg, evangel. Jünglings- und Männer-Verein,

Kirchstr. 9. Sonntag, den 25. März, abends 8 Uhr: Vortrag.

Gäste stets willkommen.

* *

*

Sonntagsverein für Mädchen.

Jeden Sonntag - Nachmittag Zusammenkunft, Diez­straße l5 p.

Ankündigungen empfehlenswerter Firmen j

Carl Loos

Mrchenplatz 13 Telephon 797

Manufaktur- und Weißwaren Herren- u. Knabenkleider

Heinrich Noil

Mäusburg Nr. 7 Telephon Hr. 292

Spezial-Geschäft für Bureaubedarf Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre

Hof-Möbel-Fabrik

Th. Brück

Gießen, Ecke Schloßgasse- :: Kanzleiberg-Brandplatz::

Ältestes u. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens

Gegründet 1858 :: Mehrfach ausgezeichnet

Vorhänge - Teppiche . Linoleum Spez.: Schlafzimmer-Einrichtungen mit patentamtlich gefch. Matratzen D. G. M. Nr. 420 684 85 Allgemeine Rabatt-Spar-Marken

GL Stöver, Gießen

Seltersweg 16

Uhren, Gold- u. Silberwaren Hestecke

Reparaturen in eigener Werkstatt prompt und billig

1 CARL LUDWIG LEIB !

KUNSTHANDLUNG BILDER- EINRAHiaUNGS-GESCHÄHT j

r VERGOLDEREI kirchstr. 2 ANTIQUITÄTEN j

verantwortlich: für den Textteil Pfarrer B e ch to ls h e im e r. für den Anzeigenteil *). Be*; Druck und Verlag der Brühl'schen Univerfltäts-

Buch- und Zteindruckerei R. Lange, sämtlich zu Dießen.