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allgemein die Bezeichnung für das, was man in der Stadt ein „Essen" nennt. Dieses Ims bestand aus kalten Speisen: Bsot, Wurst, Käse. Selbstverständlich durfte es dabei an Getränken nicht fehlen,- denn die Dienstknechte, die dabei geholfen hatten, aber auch ihre Herren hatten Durst.
Bei Begräbnissen gab es das „Leichenims", das aus Kaffee und Kuchen bestand. Nach dem Begräbnisse versammelten sich hierzu im Trauerhause die verwandten, namentlich die, die von außerhalb gekommen waren. Man hat vielfach eingesehen, daß es nicht am Platze ist, sich bei so ernsten Familienanlässen hinterher zum Essen und Trinken zusammenzufinden, zumal, da es oft vorkam, daß der Wein sich allzu sehr bemerkbar machte, man hat auch angestrebt, die Leichenims'e abzuschaffen, aber ohne Erfolg, wie ich noch vor wenigen Jahren bemerkt habe. Schließlich ist es auch zu verstehen, daß man die verwandten, die zum Teil von weither gekommen sind und zu Fuße oder zu Wagen wieder zurückkehren, nicht Weggehen lassen kann, ohne ihnen etwas anzubieten. Uebrigens ist es in meiner Heimat nie bei Leichen- imsen zu den ärgerlichen Auswüchsen gekommen, die man in einigen Teilen Deutschlands wahrgenommen hat.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Jugendzeit einer deutschen Männer.
(Fortsetzung.)
Ts war dies die Zeit, als Vonapartes Ruhm durch seine Siege in Italien, besonders durch den bei Marengo, den höchsten Gipfel erreichte und er wahrhaft groß dastand. HITe Welt versprach sich von ihm eine neue glückliche Zukunft. Er hatte die Revolution mit ihren furchtbaren Busgeburten niedergedrückt, in drei Weltteilen seine Feinde auf die glänzendste Weise besiegt und fand überall bewundernde Lobredner. Er war nicht bloß der Held des Tages, er war der strahlende Held der Weltgeschichte,' mein Vater schwärmte für ihn und hätte gern unter seinen Fahnen gefachten, denn das soldatische Blut in ihm verleugnete sich keinen Bugenblick. Daß auch mich diese Atmosphäre von Bewunderung des Heldenruhms und großer Taten umwehte, war natürlich, denn wer hätte sich ihrer erwehren können?
Im Bugust, zur Zeit einer großen Dürre, wurden wir plötzlich nachts um ein Uhr durch das ängstliche Geschrei: „Feuer! Feuer!" aus dem Schlafe erweckt. Lin großer Teil der Stadt stand in Flammen, und in sechs Stunden lagen 52 Häuser in Bsche,' auch ein Mensch war verbrannt. Vas Bild dieser schrecklichen Feuersbrunst machte mir einen furchtbaren Eindruck, obgleich wir dabei ziemlich unbeteiligt blieben. Die Erzählung von der Entstehung und Verbreitung des Feuers, den Rettungs- und Dämpfungsversuchen, die Weg- räumung des Schuttes und die Buffindung der verbrannten Reste, das alles gab so viel zu hören und zu denken und wieder zu erzählen, daß diese Begebenheit wirklich einen Wendepunkt meines Buffassungsvermögens bildete. Buch die Errichtung der neuen Häuser auf den Brandstellen der alten und das Beklettern derselben, wenn sie gerichtet waren, die Richtungsfeierlichkeiten usw. lieferten der Bnschauung und Buffassung neuen Stoff, der ziemlich lange vorhielt.
So kam denn wieder das weihnachlsfest naher und mit ihm die Zeit der Nachtarbeiten meiner Mutter und ihrer Erzählungen, die uns Kinder wach, erhielten und so große Freude machten. Zuweilen, wenn ein Buch da war, las ich auch vor,' oft aber saß die Mutter auch weinend und konnte ihrer traurigen Befürchtungen nicht Herr werden. In der Tat waren
die Umstände schlimm genug. Wurde ihr das Herz zu schwer, so sang sie ein geistliches Trostlied, wobei wir Kinder halfen, so gut es ging. Gewöhnlich würde dann aber mit einem Weihnachtsliede geschlossen. Den letzten Vers jedes Liedes begleitete ich gern mit einer Kinderklapper, weil in preu- ßisch-Friedland das Tpmbelregister zum letzten Verse ertönte, was mir besonders feierlich schien, und deshalb ließ meine Mutter mich gewähren. Ich war bei diesem kindischen Spiele sehr andächtig und der hohe Sinn fehlte demselben nicht.
Im Februar 1797 bekam ich die Masern. Sie waren zu dieser Zeit gefährlich, und ich lag in heftigem Fieber. Dennoch überstand ich sie unter der sorgfältigen pflege meiner Mutter glücklich, mußte mich aber noch sechs Wochen nachher im Zimmer halten und war so geschwächt, daß ich nur taumelnd gehen konnte, als ich! zum ersten Male an die Luft kam. Ulan hat die Masern und ähnliche Kinderkrankheiten oft Entwickelungskrankheiten genannt, und Ich darf behaupten, daß diese Bezeichnung ihre volle Berechtigung hat. Bei mir brachten die Masern geradezu eine körperliche und geistige Umwälzung hervor. Manche Speisen, welche ich sonst nicht besonders gern aß, wurden jetzt Licblingsgerichte, und umgekehrt. Größer noch war die Umwälzung im Geistigen. Ich hatte zwar allmählich leichter gelernt als vor Jahren,' aber dennoch machte es mir bisher noch viele Mühe; ich las nicht gern, verstand vieles nicht, schrieb ungern, zeichnete indessen gern, weil vabei meine Phantasie sich tum- meln konnte. Es waren besonders Städteansichten aus der Ferne, die ich am liebsten schuf und mit möglichst vielen Türmen versah. Da ich von Perspektive nichts verstand, stellte ich alles in einer Reihe dar, was ich allerdings als Unen Mangel erkannte, ohne daß ich ihm abzuhclfen wußte. Nachdem ich nun einen Muschelkasten erhalten, wurOen alle Gegenstände schön angestrichen, natürlich ohne Schatten, denn ich konnte keine Schattenfarbe finden. Mit diesen Städteansichten verunstaltete ich die Wände unserer Stube; sie wurden aber von den Frachtfuhrleuten, welche wegen der Bkzise sehr häufig in unser Zimmer traten, gar sehr bewundert. Sie wollten schwören, daß das eine Bild Stettin, das andere Danzig, das dritte Hamburg oder Königsberg usw. auf das Genaueste darstelle, was meinem Vater große Freude, mich aber gar nicht stolz machte. Zwar wußte ich damals noch nicht, daß in der Welt jeder Narr seine Bewunderer findet, und oft sind mir in späteren Zeiten meine Fuhrleute wieder eingefallen) aber ich wußte nur zu gut, wie unschuldig jene Städte an meinen Bildern waren,' und daß diesen sehr viel fehlte, um Bewunderung zu verdienen, sah ich ein.
(Fortsetzung folgt.)
«leine Mitteilungen.
vom Kampf und Frieden draußen an der Front gibt eins unserer Gießener Gemeindeglieder in einem Briefe an seine Bngehörigen folgende anschauliche Schilderung: „Wir sind jetzt richtige Höhlenbewohner geworden. Wer keinen Posten zu stehen braucht, könnte sich tagelang unter der Erde aufhalten, ohne einmal das Tageslicht zu sehen, wir können sogar unterirdisch Kameraden besuchen usw. Um so schöner ist es dann, wenn man nach einem Nachmittag, den man abwartend in der höhle verbracht hat, an der Oberfläche auftaucht und alles völlig ruhig geworden ist. So ging es mir neulich. Ls kam Schlag auf Schlag, und wir saßen gelangweilt in unserer höhle, passieren konnte uns leicht nicht


