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im Pflanzen- und Tierreich, z. B. d-en Luchs und die Schachtelhalme, oder den „Swinegel" und das Gürteltier, welche aus einer früheren Schöpfungsperiode auf die heutige Zeit übrig geblieben seien.
Der Grund aber, warum ich mich gerade jetzt wieder ihrer erinnere, ist der, daß sie schon vor mehr als 70 Jahren von einer Erfindung Gebrauch machten, für welche man jetzt durch Schrift und Wort eifrig Anhänger wirbt, das ist die Kochkiste. - Leide, Vater und Lohn, gehörten zu den fleißigsten Kirchgängern der Gemeinde und ohne zwingende Not versäumten sie weder den vor- noch Nachmittagsgottesdienst. Nach den arbeitsvollen Wochentagen aber pflegten am Sonntag die „Mannsleute" länger als sonst der Bettruhe. Sk blieben im Bett, bis die Frau den Morgenkaffee und zugleich auch die Suppe für das Mittagessen gekocht hatte, das gleich nach beendigtem Morgengottesdienst eingenommen wurde, va wurde denn der Suppentopf in das Bett gestellt, und die konservierte Lettwärme diente, wie jetzt die Nochkiste, zum Warmhalten.
In der sehr geräumigen vorfkirche hatte nach altem Herkommen jedes Gemeindemitglied nach Rlter und Geschlecht seinen bestimmten Platz, und die beiden, Vater und 5iohn, hielten darauf, daß in dem hochlehnigen Gestühl jedem ein Platz neben einer Anlehnung bewahrt blieb. War dann der predigttext verlesen, den die Gemeinde stehend anhorte, worauf sie dann, jeder mit einigem Geräusch, seinen Platz einnahm, so taten auch die beiden hannuwer desgleichen, vorher aber legten sie sorgsam ihre Sonntagsmützen aus dunkelblauem Tuch umgekehrt auf das Lesepult der Nück- lehne und darauf ein Ohr und genossen so eines ruhigen, Zchlafs, aus dem sie das allseitig geräuschvolle Rufstehen beim Rmen erweckte. Ln einem besonders heißen Sommer- sonntagnachmittag aber geschah es, daß der Lohn besonders tief in Morpheus Rrme versank, so daß ihn selbst der Schlußgesang der Gemeinde nicht erweckte. Während sich nun die andern still entfernten, sammelte sich die mutwillige Jugend um den Schläfer, bis endlich einer ihn anstieß, worauf er unverdrossen sein heim aufsuchte.
Ls waren harmlos zufriedene Menschen, nur mit dem Bebauen ihrer Scholle beschäftigt und niemals sich vordrängend,' ich habe auch nie gehört, daß sie mit jemandem in Unfrieden oder Streit gelebt hätten. Rls dann die Mutter durch schwere Krankheit zum Sterben kam und der Doktor bei seinem letzten Besuch selbst eingestanden hatte, baß es mit seiner Kunst zu Ende sei, hat noch spät am Rbenb, als es immer bedrohlicher wurde, der Vater sich aufgemacht, um aus dem anderthalb stunden entfernten Wörrstadt noch einmal den Rrzt herbeizuberufen. Dieser, der wohl die Zwecklosigkeit eines nächtlichen Besuches in seinem ohnedies schweren Beruf einsah, verschrieb ihm eine stark wirkende Rrznei und versprach, am andern Morgen früh selbst zu kommen. Wie aber der Mann mit öer Rrznei heimkam, war die Frau unterdes gestorben.
Mein Vater, der grundsätzlich jede Teilnahme an den leider immer noch bei Trauerfällen üblichen Gastereien (Flennerts) ablehnte, konnte es diesmal seinem nächsten Nachbar und getreuesten Kirchgänger nicht abschlagen, daß er sich auf kurze Zeit dort einfand. Da war denn der alte hannuwer eifrig bemüht, den geehrten Gast auf bas beste zu unterhalten, indem er ihm erzählte, wie er allezeit als christlicher Hausvater seiner Pflicht eingedenk gewesen sei, und wie er noch zuletzt bei dunkler Nacht öen Weg über das Döstet (uralter Bergpfad) nach Wörrstadt gemacht habe, um der verstorbe
nen ein Heilmittel zu holen, mit dem er bann freilich zu spät kam. Da aber die Rrznei doch gemacht und auch bezahlt war, und weil so etwas auch einem Gefunden von Nutzen sein könne, so habe er sie selber eingenommen, und „Herr Pfarrer," sagte er noch, „alles was wahr is, se Hot Kriminals gewirkt."
öilder aus dem hessischen vorsleben.
von R. £—NN.
(Fortsetzung.)
Rltfränkisch war auch, daß man anstatt „Großvater" und „Großmutter" „Rllvater" und „Rllmutter" sagte, doch habe ich nur aus dem Munde alter Leute gehört, daß man früher diese Bezeichnungen gebraucht hat. Rlte Leute gebrauchten indessen noch die Bezeichnung „Schnerch" anstatt „Schwiegertochter". Gb hierbei das von Luther in seiner Bibelübersetzung gebrauchte Wort „Schnur" mitspielt, kann ich nicht sagen, vermute aber, daß das der Fall ist. 3m südlichen Teile der Provinz Starkenburg habe ich übrigens beobachtet, daß man die Urgroßmutter kurzweg die „Fraache" (das Frauchen) nennt. Ich befand mich dort einst in einem Hause, in dem bie ganze Familie mit dem Rus- kernen von Zwetschen beschäftigt war. Ruch die „Fraache" beteiligte sich bei dieser Rrbeit. Sie wollte alles besser wissen als die Jungen, ließ nicht ab, diese zu kommandieren und klagte dann - sie war über 80 Jahre alt , daß ihre Rügen gar nicht mehr gut seien und daß sie das Zittern in den Händen habe. Da lachte die Enkeltochter, die auch schon eine behäbige Bauersfrau war, laut heraus und sagte: „Die Fraache maant, sie wär noch jung." Dann zur Riten gewandt, sagte sie: „Jesses Gott, Ihr seid e alti Fraa." Dieses Erlebnis erinnert mich an einen alten Bauersmann aus meiner Heimat. Cr war Junggeselle, hatte stets sehr mäßig, sparsam und arbeitsam gelebt und war nun 88 Jahre alt geworden. Da legte ihn die Rltersschwäche auf das Lager, von dem er nicht mehr aufstand. höchst verwundert sagte er zu seinen Rngehörigen: „Ich waaß net, was das is, ich Hab doch mein Lebtag noch net im Bett zu liege brauche." Dieser Mann war übrigens so recht vom alten Schrot und Korn und ein abgesagter Feind der Eisenbahn. Rlle versuche der Jüngeren, ihm klar zu machen, daß man mit der Bahn doch die landwirtschaftlichen Produkte besser und billiger in die Stäöte liefern könnte, schlugen bei ihm fehl. Rls ihm einer sagte, wenn die Bahn gebaut sei, dann könne man mit ihr schnell nach der Kreisstadt gelangen und so schnell wieder zurückkehren, daß man es gar nicht nötig habe, in ein Wirtshaus einzukehren, entgegnete er: „Ich bin mein Lebtag zu Fuß in die Stadt gemacht und bin nie net eingekehrt." Rls das Projekt, an dem Grte eine Nebenbahn vorbeizuführen, besprochen wurde, äußerte er sehr bestimmt: „Wir wolle kaa Bahn, wir müsse unsere beste Recker dazu hergewe und die Gäul werde scheu, wann die Bahn kimmt, und die Loko- motiv peift."
In der Zeit, von der ich hier rede, wair es in meiner Heimat noch Brauch, daß die Ortseinwohner bei besonderen Gelegenheiten einander unentgeltlich Hilfe leisteten. Das geschah beim Hausbau. Wollte jemand ein neues Haus oder eine neue Scheuer bauen, so halfen sämtliche Pferdebesitzer beim herbeifahren der Steine, die in den benachbarten Steinbrüchen gewonnen wurden. Dafür wurde ihnen auch nicht ein einziger Pfennig vergütet. Nur gab der Bauherr am Rbend denen, die ihm geholfen hatten, ein „Ims",' so lautete


