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1814 aus dem linksrheinischen Deutschland abgezogen waren, fanden sich im Hunsrück, in der Eifel und in den angrenzen­den Gebieten Wölfe in großer Zahl. Die provisorische Re­gierung, die in den Jahren 1814 bis 1816 das linksrheini­sche Gebiet verwaltete, hatte viel mit der Ausrottung dieser Raubtiere zu tun, bis Ende 1815 waren in diesem Verwal­tungsbezirke 34 Wölfe erlegt, 6 tödlich angeschossen worden. Noch am 6. Januar 1841 war im Dorscher Walde ein großer Wolf, der in der dortigen Gegend lange Schrecken verbreitet hatte, erlegt worden. Die glücklichen Jäger waren der Ge- richtsakzessist Gutfleisch, der Vater des zu Gießen verstorbe­nen Geh. Justizrates Gutfleisch, und der Deibjäger Daniel Wetter. Die Bürgermeister waren, bevor der Uebeltäter zur Strecke gebracht worden war, angewiesen worden, an ihre Vorgesetzte Behörde, also an die Ureisämter, Bericht zu er­statten, wenn der Wolf irgendwo gesehen worden sei. Da hatte ein Dandbürgermeister am 30. ITTiai 1840 berichtet: ,,Erschien polizeidiener tt. Xi. von hier, er sah ihn um 6 Uhr des Morgens im Feld bei H. und hat folgende Zeichen, sei 3V 2 Fuß hoch ohngefähr und beinah 5*/,> Fuß lang, braun von Farbe und lockigt, der Schwanz lang und habe ihn unter sich getragen, eine breite, viereckige Stirn, hechtgraues Maul, es schien wie hammlich das Maul, sein Daus schwanklich." Wahrscheinlich hatte der Wolf eine gute Mahlzeit hinter sich, deshalb war sein Laufschwanklich". 3m Jahre 1870/71 haben unsere Soldaten in Frankreich vielfach Wölfe gesunden, die Möglichkeit, daß eins dieser grauen Raubtiere nach mancherlei Irrfahrten auf deutsches Gebiet gelangt sei, war also nicht von der Hand zu weisen. Ullerlei Deute in meiner Heimat wollten den Wolf gesehen haben, Frauen, die Futter für ihre Ziegen heimholten, ein Hausierer, der mit seinem pack durch den Wald ging, ein Handelsmann, der im Rach- bardorfe Vieh oder Gerste kaufen wollte, sie alle kamen mit mehr oder weniger schreckensbleichen Mienen zu den anderen Menschen und erklärten, nicht für noch so vieles Geld sich ein zweites Mal in den Wald zu wagen. Unser Haus lag, wie ich schon bemerkt habe, am Ende des Dorfes, von seinen Fen­stern konnte man den Wald erblicken, ich sah manchmal höchst bedenklich nach dieser Richtung und dachte, der Wolf könne in der Form und Gestalt, wie ich ihn in meinen Mär­chenbüchern abgebildet sah, anmarschieren. Der Wald wurde von den Jägern der ganzen Umgegend abgesucht, man ver­anstaltete Treibjagden mit Treibern, Hunden und lauten hallorufen, aber das Ungeheuer ließ sich nicht erblicken. Mehr und mehr verlor sich die Furcht vor ihm. Un einem Frühlingsabend sah ich einen, mir wohlbekannten Mann gemütlich mit der brennenden, langen Pfeife in der Hand nach dem Walde gehen. Mein Vater fragte ihn, was er vorhabe, da sagte er lachend'.Ich will einmal sehen, ob ich nicht den Wolf antreffe/' Ich bewunderte den Mut dieses Mannes, der, nur mit der langen Pfeife bewaffnet, dem Raubtiere entgegentreten wollte. Später hieß es, der ver­meintliche Wolf sei ein verwildeter Hund gewesen, der sich im Walde umhergetrieben habe. Uls eines Ubends ein Schäfer mit seiner Herde durch das Dorf zog und ein zottiger Hund die Tiere vor sich Hertrieb, sagte der alte Schmied B., indem er auf den Hund deutete:Das ist der Wolf, der im Walde war." Seit diesem Tage verlor sich bei mir die Furcht vor dem gefährlichen Tiere, von dessen Untaten ich in naturkund­lichen Büchern viel gelesen hatte.

Weihnachtenwunderten" die Dienstboten, d. h., sie ver­ließen die alt.n und traten die neuen Stellen an. Um zweiten Weihnach1s!agewunderten" die Unechte. Mit Peitschen­

knall zogen sie durch die Straßen, jeder legte seine Ehre darein, die peitsche möglichst kunstvoll zu schwingen, so daß der Unall scharf die Duft durchschnitt. Man nannte diesen Tag auch denBündelchestag", weil die Unechte mit ihrem Bündel weitergingen. Um dritten Weihnachtstagewunderten" die Mägde. Sie wurden, wenn sie von einem anderen Dorfe ka­men, mit dem Wagen abgeholt und hielten ihren Einzug, indem sie hoch oben auf der Uiste thronten, die ihre Hab­seligkeiten in sich barg. Uralt waren jedenfalls die Unrcden, die die Dienstboten ihrer Herrschaft gegenüber gebrauchten. Der Hausvater wurde kurzHerr" genannt, ohne Hinzu­fügung seines Familiennamens, also:Herr, soll ich die Uühe jetzt füttern?" oderHerr, wir müssen die Dickrüben noch heimfahren." Die Frau des Hauses wurdeJungefrau" ge­nannt, also:Jungefrau, soll ich jetzt Feuer machen?" Diese Bezeichnung wurde auch du angewandt, wo die Hausfrau Über 60 Jahre alt war, sie ist mir ganz unerklärlich. Uuch einem Dritten gegenüber wurde sie gebraucht, z. B. , 'meine Jungefrau ist heute wieder recht eklich gegen mich gewesen, das kann kein Mensch mehr aushalten."

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Mit dem Rechnen stand die Zache schlimm. Ich dividierte nach neuerer Urtunterwärts", wie man es nannte. Der Uaplan aber kannte nur die alte Urt des Uufwärtsdividierens mit dem Uusstreichen, wie es pe­scheck beschrieben hat. Ich versuchte, ihm die neuere Methode zu zeigen; er konnte sich aber darin nicht zurecht finden, und ich mußte aufwärts dividieren lernen. Uls ich damit fertig war, gestand er mir sehr offen, er habe in den nun folgenden Rechnungsarten seit lange so wenig Uebung gehabt, daß er sie gänzlich vergessen Hube. Ich konnte also nicht weiter. Ulle Monate wurde einmal eine Uate- chisation gehalten, die kaum zehn Minuten dauerte, immer dieselbe war, so daß wir sie alle auswendig wußten und ins­gesamt mit lauter Stimme herausschrieen. Er fragte, wir ant­worteten. Sie lautete:Wie viel heilige zehn Gebote Gottes gibt es?" Zehne.Wer Hut sie gegeben?" Gott der Herr. Wem hat er sie gegeben?" Seinem Unecht Mose.Wo hat er sie gegeben?" Uuf dem Berge Sinai.Worauf hat er sie geschrieben?" Uuf zwei steinerne Tafeln.Womit hat er sie geschrieben?" Mit seinen heiligen Fingern.Wie lautet das erste Gebot?" usf. Dabei wurde der haselstock taktmäßig von der Schulter her vorn über uns und zurück bewegt, ohne daß der Uaplan in seiner Urglosigkeit bemerkte, wie viel Mutwillen inzwischen unter dem Tische getrieben wurde.

vormittags wurden wir eine Viertelstunde lang auf den Hof gelassen, der zu dem Garten führte, hier ging es bei gutem Wetter ziemlich wild zu, und gewöhnlich bestand das Spiel in einer allgemeinen Prügelei, an welcher die Mädchen tapfer teilnahmen. Nur wenn es zu arg wurde, versuchte Herr Meerkatz zu steuern,' in den meisten Fällen ließ er sich mit fortreißen, wippte lachend auf und ab, klatschte mit den flachen Händen auf die Hosen und rief:Jungens, haut zu! Jungens, haut zu!" Zehr ärgerlich aber wurde er, wenn nach verfluß der Viertelstunde Einzelne sich verkrochen hatten, in den Garten gesprungen waren und, wenn er sie ins Haus jagen wollte, um den Uuhstall liefen, ohne daß er sie er­reichen konnte. Gewöhnlich wußten sie ihn dann unter einem leicht gefundenen Vorwand so lange hinzuhalten, daß seine Hitze verraucht war, bis er das Haus erreicht hatte.