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umher, und noch habe ich ihn als unvergeßliches Bild lebhaft vor Uugen. Bekleidet war er mit einer sehr alten Pudelmütze, deren Farbe nicht mehr zu erkennen war und die er weder in der Hitze noch in der Kälte ablegte, einer alten weißen Fla­nelljacke, alten abgeriebenen manchesternen Hosen von un­bestimmbarer Farbe, herabhängenden Strümpfen und Schlor- ren an den Füßen,' in der Rechten trug er einen abgeschälten haselstock, den er wie ein Gewehr an die Schulter legte. Der Rite war die Gutmütigkeit selber, und es mußte schlimm kommen, wenn er seinen haselstock gebrauchen sollte. Mit höchst gemütlichem Gesichte pflegte er sich hinter den Schüler zu stellen, der etwas aufsagte, und leise strich seine Sinke un­aufhörlich die haare des Schülers, indem er zugleich jedes Wort mitsprach. Das war überaus bequem, weil einem auf die beste Weise eingeholfen wurde, und die Schüler hatten denn auch, seiner Meinung nach, immer sehr gut auswendig gelernt. So ging der gute Kaplan von Einem zum Undern, und ich darf wohl sagen, er hat keinem das Leben sauer ge­macht. Seine haustracht legte er nur ab, wenn er eine geist­liche Amtshandlung verrichten wollte, wozu das Schulehalten nicht gehörte. Lr hatte einen Sohn und eine Tochter, welche meine Schulkameraden wurden.

Lin warmer Verehrer von Kunst und Wissen war Herr Meerkatz, doch sehr spärlich damit ausgestattet, und was er gewußt hatte, war wohl längst vergessen. Lr besaß ein altes Klavier; allein es hatte seit vielen Jahren nur noch die Hälfte der Saiten, und die vorhandene Hälfte war verstimmt,' es war daher nicht zu spielen. Uuch besaß er eine Geige, und auf dieser hat er mir oft etwas vorgespielt, aber niemals etwas anderes als: ,,Blühe, liebes Veilchen". Bei seinen Früh­predigten spielte er selber die Grgel, doch nicht den letzten Vers, während dessen er auf die Kanzel ging und die Ge­meinde allein singen ließ, oder sie durch seine Stimme leitete. Zuhörer hatte er immer nur wenige, meistens alte Frauen. Seine predigten waren ein Kette von Bibel- und Gesangbuch- versen, welche die alten Weiber zum Teil laut mit beteten. Lr hatte übrigens das Unglück, sich sehr oft zu versprechen oder die Sätze umzukehren, z. B.verlasset euch nicht auf Menschen, sie sind Fürsten, und können euch nicht helfen", was die Frauen ganz andächtig mit hersagten, ohne den Feh­ler zu bemerken. Dessen ungeachtet mußte man dem alten Manne gut sein,' denn seine Gesinnung war brav und wacker.

Gar bald bemerkte ich, daß ich alles, was in dem Unter­richte vorkam, schon weit vollständiger wußte. Bibellesen, Katechismus, Schreiben und Uechnen, etwas biblische Ge­schichte, Uuswendiglernen von Gesangbuchversen und Sprü­chen, darin bestand der ganze Sehrplan. Wir schrieben in der Schule nach der Vorschrift des Kaplans und hatten zuhause überhaupt nichts für die Schule zu tun. Mir wurde übrigens nicht bloß eine Zeile deutscher Schrift vorgeschrieben, sondern

als dem Sohne eines Mannes, der gewissermaßen zu den Honoratioren gehörte, erhielt ich auch ein lateinisches Sprich­wort zum Uachschreiben, deren er etwa noch zwei Dutzend auswendig wußte, z. B. Aurora, musis amica. Plenus venter non studet libenter. Laus propria sordet usw.

(Fortsetzung folgt.)

Uleine Mitteilungen.

Was in den beiden ersten Kriegswintern nicht der Fall war, isf nun eingetreten: der Krieg hat hemmend auf unseren Konfirmandenunterricht eingewirkt. Durch den Kohlenmangel wurden je zwei Schulen in ein Gebäude verlegt, infolgedessen mußte der ganze Stundenplan umge­staltet werden, und der Montag- und Donnerstagnachmittag blieb für den Konfirmandenunterricht nicht mehr frei. Line weitere Schwierigkeit ist uns daraus erwachsen, daß wir jetzt nur einen Konfirmandensaal, den der Markusgemeinde, in dem aller Unterricht stattfindet, Heizen können. Uuch ist eine Ueihe von Knaben schon aus der Schule entlassen und in Werkstätten oder Fabriken, zum Teil außerhalb, beschäftigt, was dem Besuche des Unterrichtes störend ent­gegentritt. Wir bitten die Litern unserer Konfirmanden, den veränderten Verhältnissen Uechnuung zu tragen und auch weiterhin ihre Kinder zum regelmäßigen Besuche des Kon­firmandenunterrichtes anzuhalten.

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Die Kinderkirche der Sukasgemeinde, die für nächsten Sonntag angesetzt war, findet Sonntag, den 11. März, um 1 1 Uhr statt.

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vom nächsten Sonntag an finden unsere Gottesdienste wieder in regelmäßiger Weise in beiden Kirchen statt,' nächsten Mittwoch ist Passionsandacht in der Iohanneskirche.

kirchliche Anzeigen.

Sonntag, den 4. März. Ueminiscere.

3n der Stadtkirche, vormittags 9Vs Uhr: Professor I). 5 chian. vorm. 11 Uhr: Kinderkirche für die Markus­gemeinde. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heil. Ubendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Unmel­dungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

3n der Aohannestirche. vormittags 97, Uhr: Pfarrer Uusfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Io- hannesgemeinde. Ubends 6 Uhr: Pfarrer Bechtols-

heimer. Ubends 8 Uhr: Bibelbesprechung.

Mittwoch, den 7. März, abends 8 Uhr: passionsandacht (Kriegsbetstunde): Pfarrer Bechtolsheimer.

Um kommenden Sonntag wird in allen Gottesdiensten eine Kollekte für die evangelische Gemeinde Groß-Steinheim erhoben.

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verantwortlich: für den Textteil Pfarrer vechtolsheimer, für den Anzeigenteil h. Beck; Druck und Verlag der vrühl'fchen Univerfitäts.

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