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ausschließlichen Gebrauche gemietet, gleichfalls möglichst ge­reinigt, und darin neue Leute! eingezogen, die der Iudenschaft gehörten. Zwei Männer der Gemeinde und einige Lochers führten unausgesetzt die Aufsicht in der Mühle, während das den Juden gehörige und für dieses $z\t bestimmte Getreide von ihnen gemahlen ward. Selbst die Mehlsäcke mußten neu und ungebraucht sein. Ebenso wurden die meisten Bäckereien den christlichen Bäckern abgemietet, sorgfältigst gereinigt und der Iudenschaft zur Bereitung der ungesäuerten Gsterkuchen, Mazzes genannt, zum ausschließlichen Gebrauch überlassen. In jedem Backhause führten einige Hausväter und einige Bochers die Aufsicht. 3n bloß zu diesem Zwecke bestimmten Backtrögen wurde der Teig, aus Mehl und Wasser bestehend, bereitet. Man formte daraus kugelige Massen, deren jede nur einige Lot schwer war. Diese wurden auf langen Tischen gleichmäßig in bestimmten Entfernungen von einander ver­teilt und nun mit einem sogenannten Nudelholze nach der Länge und Breite plattgenudelt, bis jeder Mazzes eine runde Scheibe darstellte von 8 bis 9 Zoll Durchmesser und einer Dicke von höchstens 2 Linien. Dann durchlöcherten die Bochers mit zugeschnittenen Hölzchen unregelmäßig die Kuchen, da­mit die Feuchtigkeit beim Backen leichter den Nusweg, die Wärme den Eingang finde,- die Mazzes wurden in den Gfen geschoben und waren nach kurzer Zeit gar. Unserm Rabbiner waren diese Vorsichtsmaßregeln indes noch nicht genügend er­schienen,- die Judenschaft mußte vielmehr die langen Tische und die Nudelhölzer mit englischem polierten Kupferblech be­schlagen lassen, was ihr ein großes Geld gekostet hat.

Mazzes ist ein sehr unschmackhastes Essen. Der wasser­dampf bildet meist zwischen den durchstochenen Stellen eine große Blase und hebt eine dünne Decke in die höhe, die, wenn der Gfen ein wenig zu heiß ist, leicht verbrennt und verkohlt, wenn der Mazzes frisch ist, läßt er sich noch am besten genießen,- nach einigen Tagen aber wird er steinhart und muß dann aufgeweicht werden. Ucht Tage lang von ihm zu leben, ist eine schwere Uufgabe, obgleich einige Speisen aus zerriebenen Mazzes gebildet werden. Das Mehl zu einem solchen Kuchen kostet nur einige Pfennige. Dennoch beliefen sich die Unkosten der Mazzesbäckerei (da alle dabei Beauf­sichtigenden für Zeit und Mühe entschädigt werden mußten) so hoch, daß jeder Kuchen auf zwei Groschen zu stehen kam, wofür man damals die schmackhafteste Torte von gleicher Größe hätte haben können.

Der Übend, mit welchem das Fest anfängt und be­kanntlich beginnt nach morgenländischem Gebrauch jeder Tag mit dem Übend, sobald die Sterne sichtbar werden wird sehr festlich begangen. Die ganze Familie ist versammelt - jeder Hausvater ladet dazu einen oder zwei Bochers ein,- Fenster und Türen werden fest verschlossen,- kein Christ (Gog oder Ungläubiger) darf zugegen sein. Der Hausvater sitzt, mit seinem Sterbehemde bekleidet, auf dem Haupte ein Käpsel von Silberlahn, mitten am Tisch in halbliegender Stellung, spricht die vorgeschriebenen Gebete und läßt bestimmte Stellen der Schrift vorlesen - man ißt das Ubendbrod und trinkt wein von Nosinen und Nepfeln dazu. Ts ist Vorschrift, dabei so heiter als möglich zu sein, in Erinnerung an den Nuszug aus Uegppten. Der Hausvater, wie die Bochers sind bemüht, das Ihrige dazu beizutragen,- man macht Witze und es fehlt auch nicht an Spott über die Gopjim (Christen). Gewöhnlich sind auch einige Platten oder Betteljuden mit eingeladen, die man zwar ungern nimmt, ihre Einladung aber doch für Pflicht hält.

Die ersten beiden Tage des Osterfestes werden sehr streng gefeiert und sind fast ganz dem Gottesdienste gewidmet, an den übrigen Tagen können leichte Arbeiten vorgenommen werden. Die beiden letzten Tage sind wieder strenge Feiertage. Sind sie verflossen, so kehrt die gewöhnliche Kost zurück, wo­mit meistens alle Teile sehr zu frieden sind. Uebrigens jucht zu dieser Feier und zum versöhnungsfeste jeder Jude zu Hause zu sein. (Fortsetzung folgt.)

Mrchliche Anzeigen.

Sonntag, den 25. Februar. Invokavit.

Gottesdienst nur in der Stadtkirche.

vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer Schwabe, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Mat­thäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Nbends 6 Uhr (Kriegsbet­stunde) : Pfarrer Mahr.

Sonntag, den 4. März, finden Gottesdienste nur in der

Johanneskirche statt.

Um 4. März findet im Ubendgottesdienst Beichte und heiliges Ubendmahl für die Lukas- und Johannesgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen werden vorher bei den Pfar­rern jeder Gemeinde erbeten.

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verantwortlich: für den Textteil Pfarrer IZechtoläheiiner, für den Anzeigenteil h. Leck: Druck und Verlag der vrühl'schen Universitäls.

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