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,Ja !", wandte sich d-ann auf die rechte Seite, ein tiefer Atemzug, und Martin Luther war entschlafen. Dies Ja der Glaubens, dies Ja innerster, heiligster Ueberzeugung brau­chen wir in den Stürmen der Gegenwart. Luther hat uns ein Vermächtnis hinterlassen, groß genug, daß unser heutiges Geschlecht an solchem Ja des unerschütterlichsten Gottver­trauens sich aufrichten und damit wappnen kann, durch alles Ungewisse des Tages hindurch, bis zum siegreichen Ende des Weltkrieges und bis zum seligen Heimgang zu Gott. F. K.

Silber aus dem hessischen vorsieben.

von K. L NN.

Der kalte und anhaltende Minier, unter dessen Einwir­kungen mi r jetzt leiden, weckt in mir die Erinnerung an das winterleben in dem vorfe, in dem ich geboren bin und die ersten zwölf Jahre meines Lebens zugebracht habe. Mein Geburtsort hat ausschließlich landwirtschaftlichen Eharakter, er liegt auch heute noch nicht an der Eisenbahn. Damals hatte man eine gute Wegstunde bis zur nächsten Station zurück­zulegen, und der weg dahin war ein Feldweg, der über einen Höhenrücken ging und bei Kegenwetter durch völlig aufgeweichten Boden führte, von Industrie war damals wie auch heute noch nicht eine Spur vorhanden. Die dort wohnen­den Bauern wurden nach den Zugtieren, die sie benützten, in ,,Gäuls- und Kühbauern" eingeteilt. Einige Gewerbetreibende, wie Bäcker, Schneider, Wagner, Schreiner, Schmiede, trieben neben ihrem Handwerke noch Landwirtschaft, von Beamten waren nur der Pfarrer unO die zwei Lehrer zu verzeichnen. Die eigentlichen Gemeindebeamten führten ihr Kmt nur im Nebenberufe. Der Kirchendiener war Schneider, der polizei­diener war Taglöhner. Der Kirchendiener war schon in meiner Kindheit ein altes Männchen. Tr trug beständig eine Stulp­kappe, hatte eine große Brille auf der Nase sitzen und machte, so weit ich mich noch erinnern kann, ein mürrisches, gries­grämiges Gesicht. Jeden Tag mußte er mehrere Male Oie Glocke läuten. Das geschah zum ersten Male vormittags um elf Uhr und war für die Leute, die auf dem Felde waren, das Zeichen, daß sie zum Mittagessen und viehsüttern nach Hause gehen sollten, hatte es elf Uhr geläutet, so waren die Wege, die von dem Felde nach Hause führten, aüf einmal belebt. Truppweise gingen die Leute nach Hause, zumeist mit müden Knien und steifen Beinen,' denn jahrelange Feldarbeit macht gerade nicht gelenkig. Um ein Uhr wurde wieder geläutet, das war das Zeichen für den Wiederanfang der Feldarbeit, wie überhaupt in alter Zeit und wohl auch jetzt noch auf dem Dorfe die Turmglocke für das tägliche Leben eine viel größere Bedeutung hat, als das in den Städten in der Gegenwart der Fall ist. Kbends um sechs oder sieben Uhr, je nqch der Jahres­zeit, wurde Feierabend geläutet, und um neun Uhr kündete die Glocke an, daß jetzt Zeit zum Schlafengehen sei. Dieses Kbendgeläute besorgte der Kirchendiener nicht mehr selbst, es traten seine Töchter, deren er drei hatte, die Lene, die Marie und die Gret, an seine Stelle. Ich kann mir kaum etwas denken, das die Seele feierlicher stimmt, als das über das stille Dorf hinschallende Kbendgeläut.

Der polizeidiener hatte nichts von der unnahbaren Strenge an sich, die man zuweilen bei seinen Kollegen findet, weder besaß er die Beamtengrobheit, über die gerade jetzt in der Kriegszeit manchmal geklagt wird, noch war er darauf aus, unnötigerweise Anzeigen zu machen. Die hauptsorge machten ihm die bettelnden Frauen, die aus einem angrenzen­den, nichthessischen, armen Bezirke in das reiche Bauerndorf

kamen, um ihren Tribut zu erheben. Er sollte sie wegjägen, um so mehr, als sie aus demKuslande" kamen, aber es fehlte ihm diesen Frauen gegenüber an der nötigen Energie. Er schimpfte sie auf der Straße wohl einmal aus, heimlich aber lachten sie über ihn. Sahen sie, daß er mit der kurzen pfeife im Munde und auf seinen Stock gestützt daherkam, so blieben sie eine weile hinter einem Tore stehen und warteten, bis er vorüber war. während städtische Bettlerinnen meist sehr zungenfertig und mundflink sind, waren diese Frauen ganz schweigsam. Sie nahmen im Hausflur Aufstellung und blieben so lange schweigend stehen, bis man ihnen eine Gabe reichte.

Unser polizeidiener war das, was man eineurgemüt­liche haut" nannte, er liebte die Geselligkeit und namentlich den Gesang. Sein Lied warPrinz Eugen, der edle Kitter." Bei festlicher Gelegenheit,. so bei der Dorfkirmes, brauchte man nur zu sagen:Kdam, jetzt sing dein Lied!"-und da sang er auch schon mit zitternder Stimme:Prinz Eugen, der edle Kitter, wollt dem Kaiser wiedrum kriegen Stadt und Festung Belgerad." Einst war er an einem Novembernach­mittage in einem dienstlichen Kuftrag nach einem Nachbar­dorfe gegangen. In froher Gesellschaft vergaß er die Stunde, da er nach Hause gehen sollte. Endlich ging er mit einem Freunde im Nebel weg, singend kamen beide vom rechten Wege ab und gerieten, kreuz und quer über Kecker stolpernd, an den Bach, der dort nicht leicht zu überspringen ist. Trotz Nach! und Nebel und Irrweges sang der polizeidiener fröh­lichsein" Lied. Nun war seine Gattin, erbost über das lange Kusbleiben ihres Eheherrn, diesem entgegengegangen. Dem Ton des ihr bekannten Gesanges nachgehend, war auch sie an den Bach gekommen, und nun ging es den beiden Ehe­gatten wie den Königskindern im Volksliede,sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war leider zu tief." Sie stand drüben, er stand hüben und sang gerade: ,,Cr ließ schlagen einen Brucken, daß man könnt Hinüberrucken mit der Krmee wohl vor die Stadt." Da rief seine Ehehälfte vom jenseitigen Ufer hinter einem dicken, alten Weidenbaume hervor und durch den herbstnebel hindurch mit ihrer näseln­den Stimme:Kumm nor haam, ich werd' dich bedrucke!"

(Fortsetzung folgt.)

Aus der Zugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Große Knstalten wurden zum Gster- oder passahfeste getroffen. Schon vierzehn Tage vor dem Beginn desselben wurde das ganze Haus, Möbel, Haus- und Speisegeräte auf das Genaueste und Sauberste gereinigt und ein besonderes Kugenmerk darauf gerichtet, daß ja nicht ein Krümchen ge­säuerten Brotes, Backwerks, Fleisches oder Fettes im Hause bliebe. Keichere Juden hatten, um sicher zu gehen, deshalb für die acht Tage des Festes eigenes Spelsegerät, das gleich nach Kblauf des Festes besonders verwahrt und ausschließlich nur beim passahfeste gebraucht wurde. Kermere Juden, die dies nicht ausführen konnten, mußten wenigstens ihr im Ge­brauch befindliches Geschirr auf das Genaueste reinigen. Da­her sah man vierzehn Tage vor dem Feste beide Ufer des so­genannten Fließes, eines Baches, der sich durch die Stadt hin­zieht, seiner ganzen Länge nach mit scheuernden Frauen und Mädchen umgeben und mit allen Krten von Geschirren aus Holz, Porzellan, Steingut, Töpferton, Kupfer, Messing, Eisen usw. dicht bedeckt, was einen ganz eigenen Knblick gewährte. Inzwischen war von der Judengemeinde die Mühle zu ihrem