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von Jugend auf entschieden sich das ewige Ziel seines Lebens vor Bugen hält, der muß oft genug Spott und hohn hin-" nehmen und schließlich seinen Weg einsam gehen. Zn dieser Hinsicht ist unsere städtische Jugend wieder besser daran als die ländliche. Zn der Stadt finden sich junge Leute von gemeinsamer Gesinnung zusammen in Konfirmandenvereinigungen und in Jugendvereinen. Zm Schutze solcher Vereinigungen kann jedes ernsthaft angelegte junge Menschenkind einem ernsten Lebensziele nachjagen. Huf dem Lande dagegen fällt jeder auf, der aus dem Kreis der Kameraden, der Altersgenossen, irgendwie heraustritt und nicht alle Gewohnheiten und Bräuche unbesehen mitmacht. Darum gehört ein gut Teil Lharaktersestigkeit und Selbständigkeit dazu, um unbeirrt durch das, was andere, was der große Haufe, tut, dem einmal ergriffenen Ziele nachzustreben. Charakterfestigkeit ist wiederum nicht möglich ohne pflege des Gewissens, ohne Uebung im Beten, ohne Fühlung mit Gottes Wort. Lin rechtes Ziel muß den Menschen mit innerer Freude, mit innerer Befriedigung erfüllen. Jagen nach Geld und nach Genuß erweckt im Menschen zuletzt oft ein Bbscheu vor sich selber und die schreckliche Erkenntnis: „Dein Ziel ist verkehrt." Wer aber ein ewiges Ziel sucht, dessen Seele füllt sich mit wahrer Zufriedenheit, und an gleichgesinnten Wandergenossen wird's ihm schließlich doch nicht fehlen. G. G.
Lin Luther-Vermächtnis.
Der vorige Sonntag, der l8. Februar, war Luthers Todestag. Zm Gedenktag der Einführung der Beformation vor 400 Jahren durch ihn lenken sich die Bugen der evangelischen Christenheit mit besonderer Lhrfurcht auf einen der größten Sohne, die Gott dem deutschen Vaterland geschenkt hat: denn vom Erbe Luthers zehrt, weit über den evangelischen Bekenntnisstand hinaus, auch an nationalen und kulturellen Gütern das ganze deutsche Volk bis auf den heutigen Tag. So können alle auf solchen Mannes Lebensende bewegten Herzens schauen und lauschen, ob er uns heutigen auch kurz vor seinem Tode noch ein Vermächtnis hinterließ, das uns selber für unsere große, sturmbewegte Zeit etwas zu bieten hat. Und das ist reichlich der Fall!
Zum ersten geht es dahin, daß man im Bewußtsein eines reinen Gewissens fest über allem Schmutz der Lüge und Verleumdung beharren soll. Schon 1544, zwei Jahre vor Luthers Tode, kam in Ztalien eine Flugschrift heraus, welche seinen Feinden die frohe Botschaft von Luthers unseligem Ende überbrachte. Satanas selbst hatte noch seinem Leichnam übel mitgespielt: „Derhalben, als es Tag ward, gingen sie hin, aufzutun das Grab, da der gottlose Leib des Martin Luther hingelegt ward. Bls das Grab auf ward getan, sah man klär- lich, daß da weder Leib oder Fleisch noch Gebein noch einige Kleider waren. Über es war voll solchen Schwefelgestanks, daß es alle, die da umherstanden, krank machte." Man sieht, die Lüge hat sich von je an wirklich Großem emporgerankt, nicht bloß an uns Deutschen im jetzigen Weltkrieg. Luther hat damals diese „Wälsche Lügenschrift" selbst veröffentlicht und daran eine Nachschrift geknüpft, die mit den Worten schließt: „Zch will dieweil Zusehen, wie sie wollen selig werden, oder wie sie büßen und widerrufen mögen alle ihre Lügen und Gotteslästerungen, damit sie die Welt füllen." Das sei auch unser Standpunkt im jetzigen Lügenfeldzug sondergleichen.
Zum zweiten kann uns Luthers Ende ein Vorbild sein, wie der große Mann es bis zum Schluß bewährte, daß sein ganzes Leben nichts weiter war, als ein Sorten für die
Brüder. Man hätte es von ihm wohl verstehen können, wenn er seinen Lebensabend, zumal bei der durch den Lebenskampf so schwer erschütterten Gesundheit, nur noch seinem eigentlichen, geistlichen Werk gewidmet hätte. Bber um einer verhältnismäßig geringen Privatsache willen nahm er mitten im rauhen Winter drei beschwerliche Beisen von Wittenberg nach Lisleben auf sich; nur, weil die drei Grafen von Mansfeld zur Schlichtung ihrer üblen weltlichen Händel ihn als Schiedsrichter angerufen hatten. Er tat es, obwohl ihn schon seit längerem die Bhnung baldigen Bbscheidens überkommen hatte. So schloß er im November 1545 seine letzte Vorlesung über das l. Buch Mose mit den Worten: „Das ist nun die liebe Genesis. Unser Herr Gott geb', daß man's nach mir besser mache. Zch kann nicht mehr, ich bin schwach: bittet Gott für mich, daß er mir ein gutes, seliges Ende beschere!" Und Bugenhagen erzählte in seiner Leichenpredigt am 22. Februar in der Wittenberger Schloßkirche den tiefergriffenen Zuhörern: Nun sei dem Vater Martinas all sein Sehnen erfüllt, der da zu ihm gesagt: „Bittet doch den lieben Gott, daß er mich kurz von hinnen nehme: ich kann nichts mehr tun auf Erden, ich bin auch nichts mehr nütze: helft mir mit eurem Gebet, bittet nicht, daß ich länger lebe." Luther aber konnte, weil er treu blieb jeder brüderlichen Pflicht bis zum letzten Btcmzug, noch wenige Stunden zuvor seinen Uamenszug unter das Pergament setzen, das den wesentlich durch seinen Einfluß erzielten Frieden zwischen den Grafen Mansfeld besiegelte.
Zum dritten aber hat Luther uns noch ein besonderes Vermächtnis hinterlassen, das gar sehr hineinpaßt in die ungeheueren Schicksalsstürme, die jetzt über die Häupter des deutschen Volkes dahinbrausen, so daß mancher an Gottes Leitung irre werden möchte, vier Tage vor seinem Ende Luther starb am Donnerstag, den 18. Februar 1546, morgens gegen 3 Uhr stand er noch auf der Kanzel der Kirche, darin er einst getauft worden war, und predigte über den Sonntagstext Matth. 11, 25—30, der da mit den Worten Jesu beginnt: „Zch preise dich, Vater und Herr Himmels und der Erde, daß du solches den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen offenbaret." „Das ist ein schön Evangelium und hat viel feiner Lehre in sich begriffen," Hub Luther an und fuhr dann u. a. fort: „Uber es hat diese Meinung: Die Weisen und Klugen in der Welt machen's also, daß ihnen Gott nicht günstig oder gut sein kann: denn sie haben das Herzeleid, machen's in der christlichen Kirche, wie sie es selbst wollen: alles, was Gott tut und macht, das müssen sie bessern, daß also kein ärmer', geringer', verächtlicher' Schüler nicht ist auf Erden denn Gott. Er muß aller Jünger sein; jedermann will sein Schulmeister und Präzeptor sein!" Wie tut es not, daß jeder von uns in den schweren Heimsuchungen und Anfechtungen, die der furchtbare Weltkrieg ihm äußerlich und innerlich bringt, sich vor diesem Vermächtniswort Martin Luthers beuge er mag eines Glaubens sein, welches er wolle, - und daraus die Kraft gewinne zu einer ganz neuen Zuversicht, daß Gott dennoch im Begimente sitzt und alles wohl führt. Wir müssen in dieser Zeit auch für unfern innern Menschen so zu leben lernen, wie es Martin Luther noch in der Stunde seines Heimgangs bezeugte und damit das Werk eines ganzen, gewaltigen Lebens besiegelte: Bls seine Bugen schon geschlossen waren, riefen ihm seine Freunde Jonas und Tolius noch ins Ghr: „Ehrwürdiger Vater, wollet ihr auf Christum und die Lehre, wie ihr gepredigt, beständig bleiben?" Und er antwortete mit einem deutlich vernehmbaren:
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