28
und da Mardochai, aufgemuntert durch den gefundenen Beifall, seinen Witz öfter wiederholte, erneuerte sich jedesmal der Beifall und das Gelächter. Uebrigens währte die Szene keine Viertelstunde, woraus die Schauspieler sich ins Nebenhaus verfügten, um sie dort zu wiederholen.
Rm Purimsabend ging ich mit nach der Synagoge, um den haman totschlagen zu hören, während einer Vorlesung der betreffenden biblischen Geschichte erhob sich nämlich mehrmals der Ruf: „Schlagt den Hamann taudt", und nun erhob sich ein greulicher Lärm, der teils mit eigentümlich gestalteten klappern hervorgebracht wurde, bei denen ein hölzerner Hammer auf ein Brettchen schlägt, teils mit Stöcken, die gegen die Bänke schlugen, und mit allem was sonst dienen kann, um Lärm hervorzubringen. Dies wiederholte sich mehrere Male. (Fortsetzung folgt.)
«leine Mitteilungen.
Im Januar dieses Jahres waren es 25 Jahre her, daß Rrchitekt Hans Meyer als Baumeister im Dienst der evangelischen Kirchengemeinde Gießen steht, während dieser Zeit hat der Genannte verschiedenfache Gelegenheit gefunden, sich praktisch und künstlerisch um das Bauwesen unserer Kirchengemeinde verdient zu machen. Rn dem Bau der Pfarrhäuser der Lukas- und Markusgemeinde war er beteiligt. Sein Werk ist der Umbau der Stadtkirche im Jahre 1898 sowie die Herstellung der Steinverwitterungen an der Johannes- Kirche im Jahre 1911 und die Renovation des altehrwürdigen Turmes der Stadlkirche im Jahre 1912. Daneben leistete er ehrenamtliche Arbeiten für den Allgemeinen Verein für Rr- men- und Krankenpflege, das evangelische Schwesternhaus und die Kleinkinderschule in der Diezstraße.
Im 18. Jahrhundert hat der Schriftsteller Friedrich Christian Laukhard gesagt, es gebe in Gießen kein einziges Gebäude, das auf Schönheit Unspruch machen könne, wenn dieser Mann heute unsere Stadt wieder betreten könnte, so müßte er sein Urteil sehr abändern, Gießen zählt jetzt eine große Reihe stattlicher und künstlerisch vollendeter Gebäude. Zur Verschönerung des Stadtbildes hat Hans Meyer wesentlich beigetragen. Das volksbad, die höhere Mädchenschule, das Stadttheater, das Lupusheim und die Universitäts-Kinderklinik sind seine Schöpfungen, wer einmal diese Gebäude gesehen und betreten hat, der findet in ihnen den hohen Geist künstlerischer Vollendung und erkennt, daß der Raum hier auf das glücklichste ausgenützt ist. Ruch viele privatbauten gehen auf die Pläne unseres Jubilars zurück, das eigene Haus in der Westanlage kann als Muster künstlerischer Unordnung gelten. Indessen ging die Tätigkeit dieses hervorragenden Gießener Rrchitekten auch über die Grenzen seines nunmehrigen engeren Vaterlandes Hans Meyer ist
aus Regensburg gebürtig hinaus. Tr ist namentlich bekannt als Erbauer von Schwimmbädern, auch hat er große hygienische Rnlagen, so Sanatorien, ausgeführt und ist bei vielfachen Wettbewerben erfolgreich gewesen und mit den ersten Preisen ausgezeichnet worden. Der Gesamtkirchenvorstand und die Gesamtkirchengemeindevertretung ehrten den Jubilar mit Worten warmer Rnerkennung. Reben seinem eigentlichen Berufe hat Rrchitekt Meyer immer noch Zeit gefunden, sich bei gemeinnützigen Unternehmungen zu betätigen, so hat er während des Krieges eifrig für das Rote Kreuz gearbeitet und auch sein künstlerisches Können in den Dienst dieser großen Organisation gestellt.
* »
*
Dei herrschende Kohlenmangel hat uns dazu gezwungen, die Sonntagsgottesdienste vorläufig abwechselnd in unseren beiden Kirchen .abzuhalten. Kirchenvorsteher und Pfarrer haben diesen Beschluß nicht leichten Herzens gefaßt, es ging aber nicht anders, wenn unser gottesdienstliches Leben nicht plötzlich ganz still stehen sollte. Sonntag, den 18. Februar, ist um y 2 10 und um 6 Uhr nur in der Johanneskirche Gottesdienst, Sonntag, den 25. Februar, nur in der Stadtkirche. Nächsten Sonntag, den 18. Februar, ist um 11 Uhr für die Johannesgemeinde, um 2 Uhr für die Lukasgemeinde Kinderkirche. Rm 25. Februar ist um 11 Uhr für die Markusgemeinde, um 2 Uhr für die Matthäusgemeinde Kinderkirche. Die Eltern werden gebeten, das ihren Kindern mitzuteilen und die Kinder zum Besuch der Kinderkirche anzuhalten, weiteres wird noch bekannt gegeben werden. Große Schwierigkeiten macht vorläufig die Rnsetzung der Konfirmandenstunden, da je zwei der höheren Schulen in ein Gebäude verlegt werden und der Stundenplan hierdurch eine völlige Umgestaltung erleidet. Ls ist anzunehmen, daß unsere Gemeindeglieder, wie sie sich in so vieles gefunden haben, das der Krieg gebracht hat, auch in diese Umänderungen im kirchlichen Leben so finden werden, daß dieses keinen Schaden erleidet.
ttirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 18. Februar. Estomihi.
Gottesdienst nur in der Johanneslirche.
vormittags 97* Uhr: Pfarrer Rusfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Rusfeld. Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Nachmittags 6 Uhr: (Kriegsbetstunde): Pfarrer Bechtolsheimer. Sonntag, den 25. Februar, finden Gottesdienste nur in der Sladl- Nrche statt. Rbendz 8 Uhr: Versammlung und Bibel- besprechung.
£ Ankündigungen empfehlenswerter Firmen j
Carl L00;
Hirchenplatz 13 Telephon 7f
Manufaktur- unb Weißwaren Herren- u. Knabenkleibe
Heinrich No
7 Mäusburg Nr. 7 Tele
Spezial-Geschäft für Bureaubedarf • Schreib Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher, r Kunstarbeiten. Photographische Apparate und
II ßeschw. Holtierg Nachl.
jphon Nr. 202 ModeS
maschinen Oießen, plocltStraße 5
m nriarn* empfehlen sich in allen in ihr
lYlOuerne Psch schlagenden Arbeiten.
Zubehöre
verantwortlich: für den Tertteil Pfarrer Bechtolsheimer, für den Anzeigenteil h. Beck; Druck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts-
Buch- und Steindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.
\


