26
Mordbrennerei in Ostpreußen hätten sich erst bei ihren Verbündeten jenseits der Vogesen das Muster abgesehen. Müßig mußten die Unglücklichen Zusehen, und durften bei Todes- drohung nichts von ihrer habe retten, während diese und der Väter Lrbe von den Flammen verzehrt wurde. Furchtbare Mißhandlungen wurden verübt von den Bringern von Freiheit, Gleichheit und Bruderliebe, besonders auch gegen wehrlose Frauen. Bcht unschuldige Menschen verloren ihr Leben, darunter zwei Kinder, die sich in der allgemeinen Verwirrung aus Bngst unter eine Kelter verkrochen hatten, wo man später unter dem Schutt ihre Beste fand, verkohlte Weißzeugreste und ein angesengtes Gesangbuchblatt wurden durch den wind eine Stunde weit nach dem Dorfe Bppenheim geweht.
2 .
Bls wir 1871 nach eingetretenem Waffenstillstand wieder von der unteren Loire aus den Heimweg begannen und schon eine Strecke diesseits Orleans gekommen waren, da geschah es, daß von der hohen parkmauer eines herrschaftlichen Besitztums auf die unten vorbeiziehenden Truppenteile der Unseren geschossen wurde. Tine abgesandte Patrouille entdeckte da eine Gesellschaft junger Herren und Dämchen, die sich damit amüsierten besonders taten das die letzteren mit Vogelflinten nach den „Feinden des Vaterlandes" zu schießen. Sic wurden nicht, wie ihnen leicht, in klu^ranti ertappt, hätte geschehen können, von den mit Becht Erzürnten niedergeschlagen, sondern man verhaftete sie und machte ihnen förmlich den Prozeß, wozu sie täglich beim Weitermarsch vom Buditor verhört wurden. Bach einigen Tagen aber hatte unser Gberkommandierender ein menschliches Fühlen, indem er wohl glaubte, die törichten Gören seien für ihr unzeitiges Bmazonenspiel genug gestraft, und er befahl als Gerichtsherr, sie laufen zu lassen, wo es ihnen dann freistand, mit ihren feinen pariser Schuhen den weiten Heimatweg zu suchen.
Ich hatte übrigens selbst Gelegenheit, eine ähnliche Probe französischer Selbstüberschätzung kennen zu lernen. In einem Bürgerhause der Staöt Sens war ich einquartiert, deren Vorfahren, die Lenonnes, schon Julius Täsar so hartköpfigen widerstand geleistet hatten, während ich mein frugales Bbendbrot verzehrte, war da eine „reifere" junge Dame, die mich damit zu unterhalten bemüht war, daß sie mich eindringlich belehrte, wie das gegen alle Kleiderordnung sei, wenn der deutsche Soldat über den französischen, und zumal über die herrlichen Zuaven gesiegt haben wolle, „car il est trop lourd (er ist zu ungeschickt!) sagte sie mit erhöhten Bugenbrauen. Bls dann noch einige der Unsern hinzukamen, gab sie ihrer Entrüstung Busdruck, weil, wie sie gehört habe, jüngst bei einem Busfall der Verteidiger von Paris, als einige Kompagnien der Mobilgarde (denen wohl die pariser Suppe zu mager geworden war) sich hätten ergeben wollen, man diesen die Gewehre und gefüllten Patronentaschen einfach abgenommen und sie wieder in das ausgehungerte Paris hineingejagt habe. Das sei doch eine unerhörte Barbarei! Da nahm unser Oberst v. B. sein allerschönstes Französisch zusammen und sagte in wohlwollend belehrendem Ton: wui Madam, il mangsch ossi! (die helfen hungern !)
Z.
vor Jahren hat sich einmal so einer der amerikanischen ^ollarkönige, der seine sechs Milliarden so ehrlich aus dem Lchweiß seiner Mitmenschen zusammengestoppelt hat, als ungebetener Gast bei der Kieler Woche eingefunden, und unser Kaiser hat ihn in angeborener Vornehmheit in Ehren empfangen, wohl weil er dadurch eine wohlwollende Gesinnung
für unser friedliches, deutsches Beich fördern wollte. Jetzt ist derselbige nebst anderen Leinesgleichen, eifrig daran, neue Milliarden zusammenzuraffen, um unseren Feinden Kanonen und Gewehre und Munition, mit Sprengladung und Giftgasen gefüllt, in ungemessener Menge zu liefern und den nervus rerum dazu. Und der Präsident dieser seither „neutralen Nation", des jüngsten Kunstproduktes der Geschichte, zusammengebacken in den letzten zwei Jahrhunderten aus Bbschnitzeln der verschiedensten Menschenrassen, vom nasenweisen Bnglosachsen bis zum schwärzesten Nigger, schrieb bis zum Bbbruch der diplomatischen Beziehungen mit Deutschland, Krokodilstränen weinend, wortschaumschlägerische Noten, wohl zumeist zu dem Zweck, die milchende Kriegskuh recht lang am Leben zu halten, bis nach dortigem sicheren Erwarten die zehnschwänzige Meute das deutsche wild werde zu Tode gehetzt haben, da man sich seines Bnteils an der Beute sicher hielt, ohne die eigene haut zu gefährden.
Selbft in amerikanischen Zeitungen kann man jetzt lesen, daß wohl 75 000 neutrale Bmerikaner, unter verschiedenen Masken als Kanadier usw., in den Beihen unserer Feinde gegen uns fechten, wie auch ein Viertelhundert Luftflugzeuge, die sogar das Haupt des wilden Skalpjägers als gemeinsames Bbzeichen führen. Dazu kommen noch die beauftragten Ingenieure, die im amerikanischen Konkurrenzauftrag im Osten die werte vor unseren Liegern vernichten Blle diese haben keine andere Entschuldigung für ihr Treiben, alz die Lust, einmal auf Menschen zu pirschen auf fremden Jagdgründen, wenn aber solche Dollar- und Lkalpjäger auf frischer Tat ertappt in die Hände der Unseren geraten, haben die mehr Bnspruch auf Großmut, als die belgischen und französischen Franktireure, die doch noch sagen können, es sei der Krieg, an dem sie sich beteiligen, ein Krieg von Volk wider Volk?
Jetzt, in diesem Krieg des deutschen Volkes um sein Leben gegen eine Welt in Waffen, gilt nur noch das eine Wort: hilf dir selbst, daß Gott dir helfe!
Darum nimmer verzagt,
Trotz Hunger und Not,
Bus die drückendste Nacht Folgt ein Morgenrot.
hessische Heimatliteratur.
Bus dem Gebiete der hessischen Heimatliteratur, die ungefähr seit dem Jahre 1900 größere Bedeutung erlangt hat, sind zwei Neuerscheinungen zu verzeichnen. Der verdienstvolle Herausgeber der „hessischen Volksbücher", Professor v. Dv. Diehl-Friedberg gibt als Nr. 28 bis 50 seiner Sammlung das Buch des Darmstädter Hofbibliothekars vr. Karl Esselborn „Pirmasens und Buchsweiler" heraus. Das Buch führt uns in das 18. Jahrhundert zurück. Landgraf Ludwig IX. war, als er noch Erbprinz von Hessen war, durch Lrbansall im Jahre 1741 in den Besitz der Grafschaft Hanau-Lichten- berg gelangt. Diese Grafschaft hat mit der uns benachbarten Staöt Hanau nichts zu tun, sie lag im heutigen Elsaß und in der heutigen Bheinpfalz Bayern und hatte Buchsweiler zur Landeshauptstadt. Ludwig IX., in vieler Beziehung ein Sonderling, verlegte seine Besidenz nach Pirmasens und blieb auch dort wohnen, nachdem er im Jahre 1768 Landgraf von Hessen-Darmstadl geworden war. Pirmasens wurde durch ihn zu einer Loldatenkolonie. Ts handelte sich bei ihm nicht darum, seine Loldaten kriegsgemäß auszubilden, sondern er begründete und unterhielt eine militärische Drillanstalt. Eine


