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Friedland besaß ich einen gezähmten Hasen, der uns durch sein possierliches Trommeln viel Vergnügen machte. Vas kleine Geschöpf, mein Eichhörnchen, wurde überaus zahm, zutulich und drollig, und jeder, der es sah, freute sich darüber. Cs kletterte blitzschnell an mir in die höhe, setzte sich auf meine Schulter und fraß mir aus dem Munde. Rlle seine Bewegungen waren geschickt und zierlich. Ich liegte es wie meinen innigsten Freund, und es zeigte auch mir eine große Anhänglichkeit. RIs ich es ein halbes Jahr besessen hatte, wurde es von einem großen Hunde tot gebissen. Ich war darüber förmlich außer mir und habe im Leben selten einen größeren Schmerz empfunden. Tagelang habe ich das Tierchen trostlos beweint,' dann entschloß ich mich, es feierlich hinter den Scheunen zu begraben, und fand nur Trost in dem Gedanken, daß ich es dereinst im künftigen Leben wiederfinden würde. Was ist es doch für ein seltsam Ving mit dieser Freundschaft zwischen Tier und Mensch! Ts wäre wohl der Mühe wert, näher darauf einzugehen, als es bis jetzt geschehen ist. Freilich aber wäre es dazu nötig, nicht mit Hochmut die Tiere als belebte Maschinen zu betrachten, überall das Wort „Instinkt" an die Stelle der Erklärung zu setzen und über das wesen der Tiere so vornehm abzusprechen, als hätte man dasselbe durch und durch ergründet, ohne zu bedenken, daß wir darüber noch viel weniger wissen als über das wesen der Menschen, und das ist bekanntlich schon wenig genug.
Meine Eltern hielten auch hier Hühner, zuweilen auch Enten, wir Kinder beschäftigten uns viel mit diesen Tieren, studierten ihre Eharaktere und gewannen sie lieb, ver Tag, an welchem einer unserer Lieblinge geschlachtet wurde, war mir ein Tag der Trauer, und ich hätte von seinem Fleische nichts essen können, wenn auch wer weiß was daraus ent-, standen wäre. Nicht einmal das Messer, mit welchem ein solches Tier getötet war, durfte mein Brot schneiden, wenn dies nicht unangerührt liegen bleiben sollte. Ts hat sich daraus eine förmliche Idiosynkrasie gebildet, und sie ist es, die mich noch jetzt verhindert, Geflügel anders als mit dem größten Widerwillen zu essen,' sie trägt auch die schuld, daß ich Fleisch überhaupt bei weitem weniger gern genieße, als Mehlspeisen, Gemüse und Gbst, so daß es mich nur ein geringes Gpfer kosten würde, auf allen Fleischgenuß für immer zu verzichten. Ich weiß recht gut, wie viele nicht meiner Meinung sind, und habe um so weniger dagegen, als ich hier nicht andere, sondern mich schildern will.
Meine Mutter, die sehr lgern und eifrig las, lieh sich Bücher von einigen Honoratioren, die zum Teil zu einem Lesezirkel gehörten Sie las mir oft beim Stricken vor, und wenn sie andere Rrbeit hatte, mußte ich vorlesen, dadurch kam nach und nach verstand in meine Leserei, und ich gewann Geschmack daran. Meine Mutter las sehr gut vor, wie
sie auch gut erzählte. In den Kreisen der dortigen Honoratioren wurde sie übrigens bald beliebt,' freilich in untergeordneter Stellung, obgleich sie die meisten jener Frauen an Bildung und Geist übertraf. (Fortsetzung folgt.)
kirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 1 1. Februar. Sexagesimä. Kollekte für das hessische Krüppelheim. Gottesdienst.
In der Stadttirche. vormittags 9V» Uhr: Professor D. Schian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe. Rbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Rbends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde, siehe wartburgverein.
In der Johanneslirche. vormittags 9 l / 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Rbends 6 Uhr: Pfarrer Rusfeld. Rbends 1 / 2 S Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. Rbends V28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde. — Mittwoch, den 14. Februar, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtolsheimer.
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Wartburg, evangel. Jünglings' und Männer-Verein,
viezstraße 15. Sonntag, den 11. Februar, abends 8 Uhr: Vortrag. Mittwoch, den 14. Februar, abends 8Vs Uhr: Leseabend. Donnerstag, den 15. Februar, abends 8V2 Uhr: Turnabend. Samstag, den 16. Februar, abends 8V2 Uhr: Reltere Rbteilung. Gäste stets willkommen.
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vibettränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Je-
den Mittwoch von 6—7 Uhr für die jüngere Rbteilung. Jeden Samstag von 6—7 Uhr für die ältere Rbteilung.
vibettränzchen für Mädchen ans der Zohannergemeinde.
Jeden vienstag von 6 — 7 Uhr im Johannessaal.
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Sonntagrverein für Mädchen.
Jeden Sonntag - Nachmittag Zusammenkunft, viezstraße 15 p.
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Fach schlagenden Arbeiten.
verantwortlich: für den Textteil Pfarrer öechtolsheimer, für den Anzeigenteil h. Beck; Druck und Verlag der Brühl'schen Unwersttäts-
vuch- und Steindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.


