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landsturmpflichtigen Lehrling, so wild darauf los wie bei uns, ohne Rücksicht auf die vielen Kliniken, Krankenhäuser und Lazarette, in denen sich Kuhebedürftige befinden. Neulich hieß es, daß die Studenten sich der Kinder annehmen, sich mit ihnen während ihrer Freizeit beschäftigen sollten. Vieser Vor­schlag ist gut gemeint, verkennt aber völlig die Wirklichkeit, wer auf die Jugend in gedeihlichem Zinne einwirken will, muß über eine gewisse Lebensreife verfügen, auch will die Pädagogik, die Kunst, Kinder zu leiten, erlernt sein, dilettan­tischer Eifer schadet hier nur. Zudem gehört hierzu Ausdauer, es genügt nicht, daß man zweimal zu einer Betätigung irgend­welcher Art kommt und dann sich entschuldigen läßt. Studen­ten haben auch mit sich selbst und mit der eigenen Ausbildung genug zu tun, als daß sie sich andauernd in der Kindererzie­hung betätigen könnten. Ts scheint uns, als ob die ganze Art, wie man in der Gegenwart der Unbotmäßigkeit und Unge­zogenheit der Jugend gegenübertritt, viel verschuldet habe, vem gutgearteten Kinde muß man, auch wenn es einmal über die Stränge schlägt, mit Liebe den rechten weg zeigen, der ehrlosen Gesinnung gegenüber aber ist nur Strenge am Platz, hören wir einmal, was ein alter, erfahrener Erzieher über diese Frage urteilt. Es ist dies Oberlehrer i. U. Ludwig Geisenheyner in Kreuznach, ein Mann, der als Botaniker und Zoolog einen bedeutenden Uuf hat und der sich auch im evan­gelisch-kirchlichen Gemeindeleben der Stadt Kreuznach durch jahrzehntelange Leitung des Kirchengesangvereins und durch Betätigung im evangelischen Verein sehr verdient gemacht hat. Daß er ein Uecht darauf hat, über die Erziehung der Jugend mitzusprechen, geht daraus hervor, daß der jetzt 76jährige Mann 50 Jahre lang die Jugend in allen Klassen des Gym­nasiums und der höheren Töchterschule unterrichtet hat. Zn einem Kreuznacher Blatte erwidert er folgendes auf einEin­gesandt", das sich mit der Verwahrlosung der Jugend befaßt:

werter Herr E. ! Zhr heutiges Eingesandt habe auch ich gelesen und muß das, was Sie in den ersten acht Zeilen sagen, leider als durchaus richtig anerkennen: auch nach meinen Wahrnehmungen ist die Koheit und Frechheit un­serer Jugend sehr gewachsen, was Sie da aber als Heilmittel vorschlagen, ist meiner Meinung nach nicht geeig­net, das Nebel auszurotten oder ihm auch nur zu steuern. Glauben Sie denn, daß die Lehrer und Vorgesetzten es ver­säumen,den Jungen ins Herz zu sprechen" und sie daran zu erinnern, was auch für sie in dieser schweren Zeit Pflicht und Schuldigkeit ist? Zch weiß, obgleich es schon recht lange her ist, seit ich auf der Schulbank saß, doch noch, daß die Lehrer, die ihren Ermahnungen gleich einen ordentlichen Nachdruck zu geben wußten, auf uns den günstigsten und nachhaltigsten Eindruck machten, und gebe Ihnen die Ver­sicherung, daß,wenn es ihnen jeden Tag und jeden Tag neu gepredigt wird", erst recht nichts hängen bleibt, sondern daß die Jungen von Tag zu Tag gegen solche Ermahnungen dickfelliger und gleichgültiger werden. Ich kenne auch ein viel besseres Mittel, und den Lehrern ist es zweifellos auch nicht unbekannt, ein Zuchtmittel, das die alte Schule zu viel anwendete, die heutige, viel zu wenig anwenden darf. Die Verrohung der Jugend hat nicht erst der Krieg geboren, sie ist schlimmer geworden, ja, aber sie datiert schon aus der Zeit, da die hohe Obrigkeit den Lehrern die geeignetsten Strafmittel aus der Hand nahm oder ihre Anwendung der­maßen erschwerte, daß sie es für besser hielten, lieber darauf zu verzichten. Früher wurde den Buben in geeigneten Fällen angedroht, es dem Lehrer zu sagen, jetzt wird dem Lehrer gedroht, ihn zu verklagen, wenn er ihn prügeln würde. Und

dann, lieber Herr E., sind Sie selber doch mit an der Ver­rohung der Jugend schuld. Ueberlegen Sie mal, wie oft Sie mitangesehen haben, wenn die Bengel, auch die Mädels! über oder durch die Gitter der Vorgärten gegriffen haben, oder wenn ein Schlingel ein frisch angestrichenes Haus mit Kreide oder Kohle beschmierte oder am Schellenzug riß und dann fortlief, und Sie sind vorübergegangen, ohne ein Wort der Küge oder Ermahnung zu sagen. Ich unterlasse das in solchen Fällen selten, wenn ich nicht ein anderes Mittel, das ich stets in der Hand habe, gebrauche und habe oft ganz gute Erfolge erzielt, wenn ich auch bisweilen ein böses Wort zu hören bekäme oder ausgelacht werde, das stecke ich der guten Sache zuliebe ein. Bedenken Sie doch, daß ein haken sich ja bei­zeiten krümmt. Sie sind es aber nicht allein, die allermeisten Erwachsenen gehen gleichgültig vorüber, wenn sie auch sehen, daß Unfug geschieht, und sie könnten doch oft durch Zuspruch oder Mißbilligung Gutes stiften oder Unheil im Keime er­sticken. Die Polizei kann nicht überall sein, besonders nicht in der jetzigen schweren Zeit, wo sie an Zahl geschwächt und mit Arbeit reichlich versorgt ist. Da sollte ihr das Publikum helfen und selber Miteingreifen, sich auch nicht vor kleinen Unannehmlichkeiten fürchten. Es ist jetzt wirklich Zeit, daß jeder Zivildienstpflichtige diese Form der Jugendpflege frei­willig mit in seine Dienstpflicht gegen das künftige Geschlecht aufnimmt."

Es soll auch in Gießen Vorkommen, daß Knaben, die von ihren Lehrern getadelt oder gestraft werden sollen, in herausforderndem Tone drohen, diesen zu ,verklagen". Oder Väter geben ihren Söhnen den Uat:wenn dir der Lehrer etwas tut, so läufst du einfach sofort nach Hause!"

Aur der Zugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Märkisch-Friedland liegt in einer weniger angenehmen Gegend als die, welche wir verlassen hatten. Ullein die Stadt war lebhafter und verkehrreicher. Sie hatte nur eine Kirche ohne Turm. Dagegen besaß dort der Grundherr der Stadt, der Baron von Blankenburg, ein stattliches Schloß mit einem Turme, und hinter dem mit einem Wassergraben umzogenen Schlosse lag ein großer, sehr verwilderter Garten. Mindestens die Hälfte der Einwohner des Grts bestand aus Juden, mit welchen wir sehr viel besser fertig wurden als mit denen in Preußisch-Friedland.

wir hatten uns gar bald eingewohnt und fanden, daß wir uns bei dem Tausche doch um einiges verbessert hatten, wenigstens konnten wir uns satt essen. Traurig aber war es, daß auf keinem dieser Ukziseposten ein Mensch ohne Neben- einkünfte bestehen konnte, wenn er nicht Hungers sterben wollte, und diese Nebeneinkünfte waren fast nie erlaubte. Jeder tröstete sich mit dem SprichworteNot kennt kein Gebot" und machte es wie alle andern.

Uls das Wetter günstiger wurde, fand ich auch bald ge­eignete Spielplätze auf. Zu ihnen gehörte insonderheit der vor dem Tore belegene Kirchhof,' etwas entfernter von der Stadt, der Platz am Schützenhause, und noch etwas weiter die Fichten, ein Kiefernwald auf ziemlich sandigem Boden, der besonders zum Näuberspielen diente. Zn diese Spiele konnte ich mich außerordentlich verliefen und lebte und webte in meiner Bolle.

Große Freude hatte ich, als ich ein junges Eichhörnchen, dort Eichkätzchen genannt, geschenkt bekam, denn ich habe von Jugend auf Tiere sehr gern gehabt. Schon in preußisch-