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Sirtb wir auf Gottes Seite, fo sehen wir den Dingen, die in den nächsten Monaten kommen werden, ruhig entgegen und sprechen: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? h. B.
Das kirchliche und religiös-sittliche Leben in den Gemeinden des evangelischen Dekanates Gietzen im Jahre l9s5.
(Schluß.)
10. Der Evangelische Bund.
Der hessische hauptverein des Evangelischen Bundes, der in 1914 insgesamt 21 440 Mitglieder zählte, hat in 1915 Keinen Zweigverein verloren.
Der Hilfsausschuß zur Förderung der evangelischen Kirche in Oesterreich Konnte seine pflegearbeit an den Pflegegemeinden in Steiermark im Segen weitertun. Besonders wichtig für die Erhaltung des Bundes in seinem Bestand ist die Pressetätigkeit, die musterhaft genannt werden kann; blieb doch der „Bundesbote" bei der alten Buflage, und das „Monatsblatt" wurde in 2020, das Dorstandsblatt in 141, die Flugblätter in 62 Stück bezogen, der Bundeskalender in 4000 Stück, dazu 806 Flugschriften, 7064 heroldsrufe, 3700 Volksschriften zum großen Krieg und 9017 andere Drucksachen verbreitet. Im ganzen wurden 300 000 Bundeszeitschriften und Flugblätter zur Verteilung gebracht.
was im besonderen den Evangelischen Bund in unserem Dekanat anbelangt, so ist es auch in 1915 auf seinem alten Bestand geblieben, doch haben unsres Wissens nur in Gießen (2) und in Treis a.Zba. (1) Familienabende stattgefunden, da die meisten Mitglieder im Felde sind, so daß sich meist nur ein kleines Häuflein bei den Zusammenkünften auf dem Lande einfinden würde.
Mir müssen uns zufrieden geben, wenn in dieser schwerbetrübten Zeit die Bundessache aufrecht erhalten bleibt und die Beiträge fortbezahlt werden.
was uns ganz besonders interessiert, ist die Brbeit zur Förderung der evangelischen Kirche in Oesterreich. Es ist erfreulich, zu vernehmen, daß der Hilfsausschuß allen seinen Verpflichtungen den Pflegegemeinden gegenüber Nachkommen und sich sogar mit 5700 Mk. an den Kriegsanleihen hat beteiligen können.
Zu den Kirchengemeinden, die Beiträge für die Bundessache in ihren Voranschlag einstellten, sind neu Hinzug kommen in 1915 die Gemeinden Großen-Buseck und Wieseck, was dankbar zu begrüßen ist, da die freiwilligen Gaben gering sind und der Vorstand des Hilfsausschusses mit Recht immer wieder dem Wunsche Busdruck gibt, daß möglichst alle Gemeinden einen Beitrag für die Zwecke des Vereins in die Kirchenvoranschläge einstellen möchten. Buch hier soll deshalb wiederholt die ebenso herzliche als dringende Bitte an alle Freunde unserer Sache ergehen: helft auch ferner bei unserem Liebeswerk an unseren Pflegegemeinden in Steiermark, daß sie immer mehr erstarken und als lebendige Glieder sich einfügen in den stolzen Bau der evangelischen Kirche in Oesterreich!
Im übrigen in dankbarem Rückblick auf die Brbeit früherer Jahre und in vertrauensvollem Busblick auf die zukünftige Tätigkeit in ernster Zeit schließen wir diesen Bericht mit den schönen, kraftvollen Worten des alten Brndt: „Die Zeit ist Gottes. Glaubet nur und haltet fest zusammen! Ich schaue von der höchsten höhe des Blters in das tiefe Tal
hinab; meine Bbendsonne gehet nicht mit Gold, noch mit goldenen Hoffnungen zu Tal, aber von tapferen, männlichen Hoffnungen darf ich nicht lassen. Ich vertraue dem Geist und dem deutschen Geist und rufe mit allen tapferen Bposteln und Propheten: Bm Himmel und am Vaterland soll man nicht verzweifeln !" Pfarrer h e p d i n g - Hausen.
11. Schlußbetrachtung.
Unsere kirchlichen Gaben und Brbeiten sind zifsermäßig und äußerlich angesehen winzig im vergleich zu den Kricgs- leistungen unsres Volkes und Heeres auf außerkirchlichem Gebiet, wie ja auch ein großer Teil der Leistungen und Opfer unsres Volkes auf den mancherlei Gebieten der Kriegsfürsorge, obwohl unter Mitarbeit der Kirche entstanden, nicht in den obigen Berechnungen enthalten ist. Mögen indessen auch bk Leistungen sehr verschiedenartig und ungleich sein, so halten wir doch das, was die Kirche Jesu Ehristi und insonderheit die evangelische Kirche an inneren werten ihren Gliedern und damit dem vaterlande bietet, für die eigentliche, ergiebigste und reinste Kraftquelle unseres Volkes. Möchte bei allen, die diese Ouelle zu hüten und ihr Lebenswasser weiterzuleiten haben, das Gefühl für die hohe Verantwortung nicht erlahmen! Wir glauben an dieser Stelle betonen zu sollen, daß Kirchenvorstände und Pfarrerstand auch unsres Bezirks es an Eifer für die heilige Sache der Kirche und des Vaterlandes nicht haben fehlen lassen und nicht fehlen lassen werden. Druckschriften und Liebesgaben wurden nach wie vor an unsere Kämpfer in den Kriegsgebieten und, soweit möglich, auch an die Gefangenen im feindlichen Busland versandt und dabei die geistliche Versorgung und leibliche pflege der Heimatgemeinde unverdrossen weitergeführt, obwohl, wie bei uns, so in ganz Süddeutschland das unsinnige Gerücht verbreitet war, die Pfarrer erhielten für die Kriegsbetstunden besondere Vergütung. Der Brbeiter ist wohl seines Lohnes wert; es gibt aber doch^ zumal jetzt im Kriege, Gelegenheit, wo wir freimütig mit Petrus sprechen dürfen: „Daß du verdammt werdest mit deinem Gelde!" <Bpg. 8, 20.) wie alle Stände und nicht zum wenigsten auch der der Lehrer und der der Landwirte die vermehrte Brbeit freudig tun, so auch wir ohne Scheelsucht auf Lohn oder Ehrung^ Reue Wege der Hilfe sind gesucht und zum Teil mit gutem Erfolg beschritten worden. In einer größeren Gemeinde müht sich der Pfarrer um Brbeitsvermittlung für bedürftige Frauen und Mädchen, in anderen werden Gemeindeblätter <„Sonn- tagsgruß", „Kriegsbote", „Heimatgruß") herausgegeben und den Feldgrauen zugeschickt.
Schlagen wir denn zu Hause unsere Schlachten und bringen wir hier unsre Opfer in aufrichtiger Hingabe an Gott und Vaterland, so wird der Gott unsrer Väter mit uns sein wie mit den Treuen in der Schlachtenlinie. Er wird Sich erweisen als der, von dem auf dem Rapoleonstein bei Leipzig geschrieben ist: „Der HErr ist der rechte Kriegsmann. HErr ist sein Name" <2. Mose 15, 3). Er wird uns erhören, wenn wir mit Jesaia <26, 12) sprechen: „Uns, HErr, wirst Du Frieden schaffen; denn alles, was wir ausrichten, das hast Du uns gegeben."
Die 5chuljugend im Nriege.
häufig hört man in der Gegenwart klagen über die Verwahrlosung der Jugend. Buch in Gießen kann man beobachten, daß ein Teil der Jugend sich auf den Straßen sehr un- gesittet beträgt. Wohl in keiner Stadt brüllen und singen die Knaben, vom kleinen BBT-Schützen an bis zum beinahe


