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(einen Häusern zu malen; allein ich wollte die Vorderfassaden aller vier Zeiten desselben von einem und demselben Ztand- punkte aus darstellen, und wußte durchaus nicht, wie ich es mit der von mir abgewendeten Seite halten sollte. Darüber war ich sehr betrübt. Zchade um meine Lust zur Zache und um die schone Zeit, die ich so nutzlos verschwendete. Meine Bilder blieben schauderhaft.
Ich habe schon oben des eine Viertelstunde von Friedland belegenen Dorfes Dobrin gedacht. Lines Tages war ich nach dem Dorfe geschickt, um Buttermilch zu holen. Ls war ein sehr heißer Tag und ich ging leicht bekleidet, barfuß, in Hemdsärmeln und wie gewöhnlich ohne Kopfbedeckung und mußte dort an einem der letzten Häuser des langen Dorfes ziemlich lange warten. Bis ich endlich mit einer Kanne voll Milch davonging, hatte sich der Himmel bezogen; ein Gewitter ballte sich zusammen und brach mit voller stürmischer Gewalt los, während ich noch in dem tiefen Hohlwege wow derte. Der Kegen stürzte in Ztrömen herab; ich war in einem Bugenblicke vollständig durchnäßt; das Donnergekrache in den Bergen hörte sich fürchterlich an; das Wasser stürzte zu beiden Zeiten von den Bbhängen herab, so daß ich gar bald bis an die Waden in einem rauschenden Ztrome dahinwan- derte. Ich war so betäubt von dem im Bufruhr der Elemente tobenden Geprassel, daß ich mich endlich kaum zu fassen wußte und mich sehr zu ängstigen anfing; denn mich um- brausten die mächtigsten Gewalten, Blitz, Donner, Wasser und Gewittersturm von allen Zeiten. Ich lief wie gepeitscht und hatte zuletzt keinen Btem mehr. Endlich aber kam ich aus dem Defile heraus und sah nun freies Feld vor mir, auf dem das strömende Wasser mich nicht mehr wie bisher fort- zureißen drohte, und nunmehr gelangte ich bald unangefochten zu Hause an.
Unsere Lage wurde indessen immer trauriger; wir waren vollständig verarmt, und so genau auch meine Mutter jeden Groschen berechnete, so war doch nicht abzusehen, wie das enden sollte, vom Gehalte war es unmöglich, zu leben, und die Nebe nein nahmen hatten sich außerordentlich vermindert. Mit weiblicher Handarbeit war in Pr. Friedland gar nichts zu erwerben, weil bei den einfachen Bedürfnissen niemand etwas anderes gebrauchte, als was er selbst verfertigte. Die Bussicht in die Zukunft war trostlos.
Da erfuhr mein Vater, daß der Toreinnehmer Kmmon in Märkisch-Friedland wünsche, seinen Posten mit einem ähnlichen zu vertauschen, weil er nicht gern ferner im Grte verbleiben wolle. Mein Vater sprach mit der Mutter darüber und überlegte: ob er den Tausch annehmen solle, was sich möglich machen würde, wenn beide Tauschenden darüber einig würden.
„Um jeden Preis von hier fort!" rief meine Mutter, „hier gehen wir alle unter. Dort kannst du ein ruhigeres Leben führen, bleibst im Hause und bist an das Haus gebunden, dort lauert nicht, wie hier, die ewige Verführung zum Trunk, der zu widerstehen du nicht stark genug bist; dort können wir wieder, wenn auch ein armes, so doch zufriedenes und stilles häusliches Leben führen; darum fort, lieber heute als morgen!" „Uber," entgegnete mein Vater, „ich steige auf der Dienstleiter eine Stufe hinab; denn der Bkzise-Bufseher steht über dem Toreinnehmer; und würde der Mann in Märkisch-Friedland seinen Posten aufgeben, wenn er nicht schlecht wäre; würde er den meinigen begehren, wenn dieser nicht doch besser wäre, als der seinige?" „Einer verliert dabei," erwiderte meine Mutter, „das ist höchst wahrscheinlich. Jedenfalls gewinnst du aber einen
Dienst, der dich aus der unseligen Verbindung mit allen Branntweinbrennern bringt, und diesen Gewinn schlage ich hoch an. Meiner Meinung nach mußt du zugreifen, wenn es auch ein Wagestück ist." Und mein Vater schrieb und brachte die Zache in Kichtigkeit. Er erhielt den Posten als Toreinnehmer am Lobitzer Tore zu Märkisch-Friedland.
Das Weihnachtsfest kam heran, eine Zeit, welche meine Mutter seit ihrer Jugend gewohnt war, in großer Tätigkeit zu verleben. Um die Busgaben zu Zpielzeug für ihre Brüder, später für ihre Kinder zu bestreiten, arbeitete sie die letzten drei bis vier Wochen bis tief in die Uacht hinein, sang sich Weihnachtslieder und erzählte uns Kindern, so lange wir wach blieben, teils Weihnachtserlebnisse aus ihrer Kinderzeit, teils Geschichten, die sie erlebt, teils Märchen und andere Erzählungen, die sie gelesen hatte und für die sie ein bewundernswürdiges Gedächtnis besaß. Wir hatten alles das schon oft gehört, aber es machte uns immer neues Vergnügen, es wieder zu hören, denn die Mlutter erzählte gut, ja wir berichtigten sogar wohl einzelnes, wenn es mit dem früher Gehörten nicht wörtlich übereinstimmte, oder wir ergänzten auch, wenn etwas weggelassen wurde. Diesmal hatte meine Mutter wenig mehr zu tun, als Ztrümpfe für uns, oder Puppen für die Mädchen zu arbeiten, welche sie zu Weihnachten haben sollten. Den Weihnachts-Frühgottesdienst machte ich diesmal nicht mit, weil mein Bbgang von der Zchule schon stattgesunden hatte.
Bm 25. November hatte übrigens König Ztanislaus der Negierung entsagt, und nunmehr wurde Polen ganz geteilt. Die Hoffnungen der polenfreunde waren gänzlich gescheitert, und in Friedland gab es eine Menge trüber Gesichter.
Obgleich ich während dieses Lebensabschnittes noch derselbe geblieben, wie im ersten Bbschnitt, und nur etwas älter, vielleicht auch etwas klüger geworden war, und obgleich die Lage meiner armen Eltern dieselbe Dürftigkeit und Beschränkung zeigt wie früher, und hiernach alle Bedingungen gegeben sind, um zu vermuten, es sei im zweiten Bbschnitte alles eben so geblieben, wie im ersten, so zeigt doch der Inhalt, wie so ganz anders sich unser Leben in preußisch- Friedland gestaltet hatte als in Berlin. Blies war verändert, und außer den beiden zuerst angegebenen Faktoren der Lebensgestaltung sehen sich beide Perioden nicht Im Entferntesten ähnlich. Wir lebten in einem ganz anderen Elemente, es war eine durchaus verschiedene Existenz, und nunmehr drohte uns abermals eine Versetzung, die in unsern Verhältnissen notwendig mit neuen großen Veränderungen verbunden sein mußte. Würden diese günstig oder ungünstig einwirken? Das war die Frage, deren Lösung wir von der Zukunft erwarten mußten, der wir mit hoffnungsvollem vertrauen entgegengingen.
Mit dem Jahresanfänge von 1796 traten wir unsere Reife nach Märkisch-Friedland an. Dies liegt in Westpreußen, nahe der pommerschen Grenze, und war von Preußisch-Fried- land 10 Meilen entfernt, Berlin dagegen zum großen Tröste meiner Mutter um eben so viel näher. Wir hatten in Dobrin einen Leiterwagen, einen sogenannten Erntewagen, gemietet, der die Familie und die von uns mitgenommenen Zachen zugleich aufnahm. Es war ein trüber Januartag mit gelindem Frost, als wir die Stabt verließen. Zchnee war nur wenig zu sehen.
Wenig über eine Meile waren wir gefahren, als die dünnen Zprosfen der Leiter auf der einen Zeile des Wagens brachen und ein Teil der Zachen auf die Erde glitt. Die


