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anderen drängenden Aufgaben nicht vergessen wurde. Zur die beliebten Missionsseste war allerdings die Zeit nicht geeignet, aber ein stilles, gut besuchtes Dekanatsmissionsfest fand am 26. September nachmittags in der Kirche zu Wieseck statt, wobei Missionar Gsell predigte und der Unterzeichnete den Jahresbericht erstattete. Jetzt zeigt es sich auch, wie wichtig es ist, während den Friedensjahren in den Gemeinden Missionsfreunde gesammelt und sie an regelmäßiges Geben (auch ohne Feste) gewöhnt zu haben. Leider ist es nicht in allen Gemeinden der Fall. Uber nur so kann das Werk fun- damentiert und von äußeren Erschütterungen frei gehalten werden.
Die Gesamtsumme aller Missionsgaben im Dekanate beträgt 6577 Mk. und bleibt hinter Friedensjahren nicht zurück, ja übertrifft sogar manches Jahr in der Vergangenheit. hierfür sei den opferwilligen Gebern in unseren Gemeinden von Kerzen gedankt und zugleich die Bitte ausgesprochen für den weiteren schweren weg:
„halte aus, halte aus, Zion, halte Deine Treu!"
Dekan Gußmann-Kirchberg.
(Fortsetzung folgt.)
Aus der Jugendzeit eines deutschen Männer.
(Fortsetzung.)
Endlich waren die Parzen fertig, und die Proben in der Schule begannen. Die Bibelverse wurden von den Chören wechselweise abgesungen in der weise, wie der Geistliche die Intonationen und Nesponsorien vor dem Altar singt, was bei einem Chore ohne Noten und ohne Takt viele Uebung verlangt. Die meisten dieser Bibelverse wurden mit den Worten „Cia! Lia!" eingeleitet, was man aber dort ,,Cja! Cja!" aussprach, daher dieser Gesang auch kurz das „Cjasingen genannt wurde.
Endlich war der Weihnachts-Heiligabend erschienen, und wir wurden beschieden, uns in der Nacht um halb vier Nhr mit Gesangbuch und Parze im Schulhause einzufinden,- auch sollte jeder ein möglichst großes Licht mitbringen und sich festlich zum ersten Thristtage anziehen.
Mein bester Anzug war ein mehr als bescheidener. Line grobe wollene Jacke, in welcher die Arme aus den Aermeln herausgewachsen waren, bildete das wärmste der Kleidungsstücke. Das Schlimmste aber waren die Schuhe, mit denen ich ewig Not hatte. Sie waren schief und niedergetreten und saßen daher nicht fest. Beim Gehen klappte das hinterleder leicht nieder; der Schuh verwandelte sich nach eigener Laune in einen Pantoffel und ich verlor ihn vom Fuße. Der rechte war noch launischer als der linke.
Um halb 4 Uhr war ich mit meiner Wachskerze im Schulhause. Mein Vater hatte sie für 4 Groschen erkauft, was mir ein großes Geld schien, und dennoch war meine Kerze eine der kleinsten. Der Himmel war bezogen, und es fiel ein leichter Schnee. Als es gegen 4 Uhr zum erstenmal läutete, setzten wir uns in Bewegung. Die Kerzen wurden angezündet, und paarweise nach der Nangordnung des Sitzens in der Klasse führte uns der Uektor zur Kirche, die bereits im Innern hell erleuchtet war. Teils der Wind, teil der Schnee verlöschten den größten Teil der Kerzen, die wir erst nach dem (Eintritt in das Kirchengebäude wieder anzünden konnten, wir mußten nun die Treppe zum Grgelchor hinaussteigen, was in großer Eile geschah. Diese Treppe war eigentlich eine Art von'Leiter mit breiten Stufen, hinten ohne Rückwand oder Verschalung. Bei dem eiligen hinaufsteigen verlor ich den
einen Schuh, und der mir folgende Schüler stieß ihn mit dem Fuße fort, so daß er sich in einen dunklen Baum unter der Treppe verlor, wo es unmöglich war, ihn im Finstern zu finden. Ich hatte nicht einmal Zeit, ihn zu suchen,' denn ich mußte auf das Grgelchor, und saß nun da mit einem Schuh, den andern Fuß bloß mit einem Strumpfe bedeckt. Mein weinen erregte nur das Lachen der übrigen Schüler, und ich mußte mich beruhigen, so gut ich konnte.
Die Kirche bot einen festlichen Anblick dar. Sie war gedrängt voll geputzter Menschen, und jeder ohne Ausnahme hatte ein Licht vor sich oder in der Hand. Cs begann das Lied : „Lin Kind gebor'n zu Bethlehem",' dann folgte: „vom Himmel hoch da komm ich her", hierauf verließen wir Knaben den Grgelchor, und die vier Schülerchöre verteilten sich in die vier Emporkirchen, deren vorderste Bänke für uns frei gelassen waren. Nunmehr begann das „Cjasingen" aus den Parzen, indem der erste Thor anfing : „Cja, Cja. Und du, Bethlehem Lphrata, die du bist die kleinste aus den Städten Juda, aus dir soll mir kommen der Herr" usw. Darauf antwortete der gegenüberliegende Chor mit einem anderen prophetischen Ausspruch,' dann kam der dritte und hierauf der vierte Chor. In dieser Ordnung wurden auch die übrigen Stellen aus den Parzen mit untermischten Liederversen aus Weihnachtsgesängen vorgetragen. Das Ganze wurde leise von der Orgel begleitet, um den Ton nicht sinken zu lassen. Bei den Liederversen sang die Gemeinde meistens mit, und mit einem Gesangbuchliede und der vollen Orgel schloß das Cja- singen, während dessen die Schüler sich wieder nach dem Grgelchore begaben. Jetzt hielt der Prediger die Frühpredigt, bei deren Anfang viele die Kirche verließen und nach Hause gingen. Nach der predigt schloß wieder der Gesang eines Liedes die Feier, und ich ging, um mit meinem wachslichte meinen Schuh zu suchen, den ich auch glücklich tief im Staube liegend, wiederfand. Diese Art des Gottesdienstes war damals schon in vielen Städten abgeschafft wegen des groben Unfuges, der sich überall bei nächtlichen Gottesdiensten einzustellen pflegt und den man nirgends hatte beseitigen können. In Friedland aber hielt sich alles Altkirchliche länger als irgendwo,' doch ist auch hier schon wenige Jahre später dieses Cjasingen abgeschafft.
So kam das Jahr 1795 heran, wir hatten vergangene Ostern die Wohnung gewechselt,' aber da der Dienst meines Vaters immer weniger eintrug, war auch diese noch zu teuer, und zu Ostern 1795 mieteten wir ein kleines Haus, dessen Hof durch die Stadtmauer begrenzt wurde. Meine Mutter schaffte sich ezn halb Dutzend Hühner an und ließ einige Hennen brütend "Leider fanden wir eines Morgens die ganze Brut, über welche wir Kinder uns sehr gefreut hatten, vom Iltis erwürgt.
Meine Lust zu zeichnen nahm immer mehr zu, aber nicht meine Geschicklichkeit, da mir auch die dürftigste Anleitung fehlte. Nicht einmal vorlageblätter existierten in Zriedland,' denn literarisch war die Stadt eine wahre wüste. Außer Bibel, Gesangbuch und den unter den Schulbüchern genannten Schriften, sowie dem Kalender waren wenig Bücher zu finden. Cs gab nur einen Buchbinder, der auch sehr wenig zu tun hatte, und wie er arbeitete, möge folgendes zeigen. Mein Vater hatte für mich Hübners biblische Historien gekauft und brachte sie zum Einbinden, wünschte aber einen dauerhaften Band. Der Buchbinder riet zu einem Lederbande, denn der sei unverwüstlich, und mein Vater willigte darein. Cs dauerte lanae, ehe das Buch fertig wurde: endlich erhielten wir es, aber beide Deckel hatten sich der Länge nach ausgekrümmt,


