16
so daß das Luch, wenn man es auf den Tisch legte, halb aufgeschlagen erschien. Täglich nahm die Krümmung mehr zu, bis die Deckel wie halbe, der Länge nach durchschnittene Köhren erschienen, steif wie (Eifert, und nach dem angewendeten Kleister und schlechtem Leder lange Zeit abscheulich riechend. Der Luchbinder behauptete: das könne nicht anders sein, das Leder trockne zusammen und ziehe die Deckel krumme es ließe sich auch nicht ändern, weil es immer weiter trockne, und was so übel röche, das sei der Leim, den er nicht sparen könne. So stand es fast in jeder Beziehung mit der Kunstfertigkeit in der Stadt. Undere Lücher als die genannten fehlten fast ganz. Lange Zeit waren Leckers hausbackenes Not- und k)ilfsbüchlein und Till Eulenspiegels unflätige Späße, die wir uns geliehen hatten, unsere einzige Lektüre. Meine Mutter, die sehr gern las, entbehrte dies schmerzlich. Sie wagte es einmal, den Lektor zu bitten, ihr irgend etwas zum Lesen zu leihen. Der gab ihr: „Das Grab des Aberglaubens", hatte aber nachher gegen jemand geäußert: Eine Frau könne was Klügeres tun, als Lücher lesen,' das solle nur so was heißen, als wäre meine Mutter was Besseres als andere Weiber. (Fortsetzung folgt.)
«leine Mitteilungen.
Zur Ersparung von Licht sind wir genötigt, von jetzt an unsere beiden Kirchen erst eine Viertelstunde vor Beginn des Läutens, also in den Ubendgottesdiensten am Sonntag von 4 V 4 Uhr an, bei den Kriegsbetstunden von 7 3 / 4 Uhr an zu beleuchten.
* »
*
Jeder Erwachsene gönnt gewiß der Jugend den Schlitt- schuhlauf und das Fahren auf den kleinen Hundschlitten, „Rodeln" nennt man das in der Gegenwart, nicht ohne eine gewisse Gespreiztheit. Die Jugend muß sich aber bewußt bleiben, daß sie bei all diesen Wintervergnügungen, zumal in der gegenwärtigen ernsten Zeit, Zucht und Sitte beobachten muß. Wenn Knaben jedes Dienstmädchen, das schwer bepackt mit Körben und Paketen seines Weges geht, oder jedes Kinderfräulein, das kleine Kinder an der Hand führt, sowie auch jedes kleine Schulkind in wüster Weise mit Schnee bewerfen, so sollte man ihnen begreiflich machen, daß dieses Verhalten der Ausfluß einer ehrlosen Gesinnung ist. Was
soll man auch sagen, wenn Knaben eine Frau, die bei dem Fehlen männlicher Kräfte einen Wagen durch die Stadt lenkt, mit wohlgezielten Würfen belästigen? Wer kann es unseren Knaben nicht frühe genug einprägen, daß es ehrlos ist. Wehrlose zu mißhandeln. Und was fallen für Sememe, niederträchtige Uedensarten, wenn die Jugend sich auf der Straße mit Schlittenfahren vergnügt! Wehe dem Erwachsenen, der einen rohen Knaben auch nur zur Rede stellt, die allerunverschämteste Gegenrede wird ihm zu teil. Man beobachtet auf den Straßen unserer Stadt manchmal ein Treiben, daß man das wäre das einzig Richtige — am liebsten mit festem Griff zupacken möchte. Uber nein, das duldet unser Jahrhundert, „das Jahrhundert des Kindes" nicht. Wir dulden, daß jeder dreiste, unwissende Junge aus der Straße sich „aus- lebt", und meinen, daß das zur „Ertüchtigung" der Jugend beitrage, höher als der „Sport" — wann werden wir dieses undeutsche Wort loswerden? — steht das Geistes- und Gemütsleben unserer Nation.
Mrchliche Anzeigen.
Sonntag, den 28. Januar. 4. nach Epiphanias.
Gottesdienst.
)n der Ztadtlirche. vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer Mahr, vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Mahr. Abends 5 Uhr: Pfarrer Schwabe. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde. Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Markusgemeinde, siehe Wartburgverein. von Sonntag, den 4. Februar an, beginnen die Abendgottesdienste um 6 Uhr.
In der Johanneskirche. vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtolsheimer. Abends 5 Uhr: Pfarrer Ausfeld. Leichte und heiliges Abend- mahl für die Lukas- und Johannesgemeinde. Unmeldungen werden vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Abends V 28 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Lukasgemeinde. Abends 1 / 2 S Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Johannesgemeinde.
Mittwoch, den ZI. Januar: Kriegsbetstunde. Pfarrer Ausfeld.
Carl Loos
4irchenplatz 13 Telephon 797
Manufaktur- und Weißwaren
Herren- u. Knabenkleidei
Heinrich Noil
Mäusburg Nr. 7 Telephon Nr. 292
Spezial-Geschäft für Bureaubedarf - Schreibmaschinen Papierhandlung, Buchbinderei, Gesangbücher. Moderne Kunstarbeiten. Photographische Apparate und Zubehöre
Hof-Möbel-Fabrik
Th. Brück
Gießen, Ecke Schloßgasse- :: Kanzleiberg-Brandplatz::
Midiärg Nacht.
Modes
Gießen, Plockstraße 5 empfehlen sich inallen in ihr Fach schlagenden Arbeiten.
1 CARL LUDWIG LEIB j
KUNSTHANDLUNG • BILDER* EINRAHMUNGS - GESCHÄFT j
\ VERGOLDEREI kirchstr.2 ANTIQUITÄTEN ♦
Ältestes u. größtes Möbel- Fabriklager Oberhessens
begründet 1858 :: Mehrfach ausgezeichnet
Vorhänge . Teppiche . Linoleum Spez.: Schlafzimmer-Einrichtungen mit patentamtlich gesch. Matratzen D. G. M. Nr. 420 684 85 Allgemeine Rabatt-Spar-Marken
verantwortlich: für den Textteil Pfarrer vechtolshenner, für den Anzeigenteil H Leck; Druck und Verlag der vrühl'schen Unwersitäts-
vuch- und Sleindruckerei R. Lange, sämtlich zu Gießen.


