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Wem käme da nicht der Ztern von Bethlehem in den Zinn, dem die Nugen all derer zugewandt waren, die sehn­suchtsvoll der Erfüllung aller Verheißungen entgegen sahen? Und kommt uns dann nicht auch der Gedanke, daß solch ein einsamer, großer Ztern, der über eine Welt von Unruhe und Ztreit leuchtet, einem jeden von uns viel, sehr viel zu sagen hat? Dieses Licht am Himmelsdom in dunkler Nacht, die sich eben anschickt, dem Morgendämmern zu weichen?

Wir wissen, daß dieses Licht immer da ist, auch wenn wir es nicht zu sehen vermögen, es ist immer bestehend, wie alles Erhabene, Ewige und Unwandelbare, was Gottes Güte uns mit nimmermüder Hand schenkt. Doch ach! wie achtlos gehen wir oft daran vorüber, weil wir uns nicht die Mühe geben, uns darein zu versenken. Dieser Ztern erscheint mir darum so schön und herrlich, weil er Herz und Nuge ganz unmittelbar zum Himmel sich, zu wenden veranlaßt, als erstes nach dem Erwachen. Für alle die, die ihn der frühen Ztunde wegen nicht sehen können, muß es wertvoll sein, zu wissen, daß der Ztern da ist, ein Kuge Gottes, über uns wachend. Unser Morgen beginnt dadurch mit einem Lob- und Dankgefühl, das uns befähigt, mit freudigem Herzen dem Tag und seinen Unforderungen entgegen zu gehen.

Wer des öfteren im Züden war und beobachtete, wie viel zahlreicher und größer die Zterne dort zu sehen sind, der versteht es, daß ihnen meist ein so großer Einfluß auf alles Lebende einst zugemessen wurde. Es liegt ein großer Zauber in dem Bedachten des südlichen gestirnten Himmels, eine Macht, der jede sehnende Zeele sich gern hingibt. Zie zieht uns aus der Erdenschwere in himmelsweiten und gibt uns ein Uhnen dessen, das unser wartet, wenn wir uns völlig von allem Irdischen gelöst haben.In ewigen Bahnen wandelt der Zterne Heer." Baronin N.

Aur dem Leben eines Gießener Bürgers um dar Zahr |800.

(Schluß.)

Kohlermanns Aufzeichnungen über die Drangsale, die am Ende des 18. Jahrhunderts über die Stabt Gießen ge­kommen sind, sind recht anschaulich und ergänzen das, was seither schon darüber bekannt war, in wirkungsvoller Weise. Groß war die Linquartierungslast; wenn Kohlermann in einer Nacht für seine Zoldaten 8 Gulden aufwenden mußte, so war das nach dem damaligen Geldwert eine ansehnliche Zumme. Die Kugeln, mit denen die Franzosen am 16. Zep- tember 1796 die Ztadt Gießen beschossen haben, waren zum Glück eine sehr geringwertige Munition,' bei der Explosiv­kraft, die in diesem furchtbaren Kriege Nrtilleriegeschosse haben, wäre Gießen damals rasch ein Trümmerhaufen ge­worden. Daß kein einziger Mensch dabei ums Leben kam, war eine gnädige Behütung Gottes, wie sie die Ztadt bereits im Jahre 1646 bei einem Anstürme der Zchweden erfahren halte. Das Nähere darüber haben wir imZonntagsgruß", Jahrgang 1914, Nr. 4, mitgeteilt. Uebrigens waren die GießenerBorger" damals rechte Männer, sie hielten auf dem Kirchenplatze trotz der Beschießung bei der Zpritze aus, bereit, wenn es nötig geworden wäre, entstandenes Feuer zu löschen.

Wenn unser Gewährsmann dann schreibt, daß die Fran­zos. am 22. Zeptember 1797 auf der Hardt ihr Neujahrs­fest gefeiert haben, so ist daran zu erinnern, daß nach dem Kalender der französischen Nepublik dieser Tag der erste Tag des Jahres war. Ts zeugt von der staatsmännischen Einsicht

Napoleons, daß er diesen Kalender sofort, nachdem er Kaiser der Franzosen geworden war, wieder abschaffte und den Gre­gorianischen Kalender wieder einführte. Uebrigens ist die Schilderung dieser militärischen Feier sehr unleserlich ge­schrieben, so daß manches unklar bleibt. -

von dem Leben und Ergehen dieses Gießener Bürgers erfahren wir somit mancherlei aus seinem Tagebuche. Ein tüchtiges, ehrenwertes Leben zieht in Lust und Leid an uns vorüber. Leider war es uns nicht möglich, etwas über die weiteren Schicksale und den Todestag Kohlermanns ausfindig zu machen. Die Zterberegister der evangelischen Gemeinde Gießen enthalten nichts über seinen Todestag, Ludwig An- dreas Kohlermann muß somit auswärts gestorben sein. Welche Schicksale den Mann in die Fremde verschlagen haben, oder ob er auf einer Neise gestorben ist, läßt sich nicht ermitteln, vielleicht hilft hier jemand von seinen Gießener Nachkommen weiter. Neußerst interessant ist jedoch der Umstand, daß die Spur eines Mannes, der sicher noch vor 100 Jahren in Gießen gelebt hat, so im Sande verrinnt. Wenn man das bedenkt, so braucht man sich nicht mehr darüber zu wundern, daß wir über die letzten Lebensjahre des Apostels Paulus und der übrigen großen Apostel ganz im Dunkeln sind, von diesen Männern trennt uns doch ein weit größerer Zeitraum, und die Ouellen, die über sie Auskunft geben könnten, sind völlig versiegt. h.

Das kirchliche und religiös-sittliche Leben in den Gemeinden des evangelischen Dekanates Gießen im Zahre \ 9 \ 5 .

(Fortsetzung.)

7. Heidenmission.

Kein anderes Liebeswerk ist in seiner äußeren Arbeit so sehr durch den Weltkrieg erschüttert worden, als die Mission. Ls ist bekannt und soll nicht wiederholt werden, wie schänd­lich England die deutschen Missionen in unseren und in seinen eigenen Kolonien behandelt hat. Zum alten Uuhme hat es neue Kränze gewunden, als er vor kurzem die Familien der in Deutsch-Gstafrika segensreich wirkenden Brüdergemeinde auseinanderriß und in Gefangenschaft schleppte. Man bangt bei der Frage:Was werden die Heiden denken über die im Massenmorde sich hinschlachtenden christlichen Völker Euro­pas?" Werden sie die Politik christlicher Völker von dem Wesen wahren Ehristentums unterscheiden können? Sicher ist doch, nicht das Ehristentum hat in diesem furchtbaren Ver­nichtungskriege Bankerott gemacht, sondern eine in ihren Nuswirkungen brutale, egoistische Kultur. Die Missionen haben nicht nur blühende Arbeitsfelder verloren, die deutschen Missionsgesellschaften haben auch Verluste im tiefsten Zinne des Wortes erlitten. Ein großer Teil der Zöglinge und jungen Missionsarbeiter liegt auf den Schlachtfeldern begraben. Doch dieses Opfer teilen sie gerne mit anderen in unserem Volke. Wir könnten noch auf andere Zchwierigkeiten Hinweisen, es soll jetzt nicht geschehen. Wir wollen nicht kleinmütig sorgen und sagen :Was wird es mit der Mission im Frieden wer­den?", sondern uns ruhig und fest auf den Boden des Glau­bensgehorsams stellen und vertrauen:Die Zach ist dein, Herr Jesu Thrist, die Zach, an der wir stehn, und weil es deine Zache ist, kann sie nicht untergehn." Wir und unsere Gemeinden sollen jetzt nichts anderes als diesem Werk des Herrn die Treue halten und unsere Schuldigkeit tun.

Es ist freudig anzuerkennen, daß die Arbeit für die Mis­sion irt vergangenen Jahre von unseren Gemeinden neben