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mir nicht - aber niemand konnte mir sagen, wie sie besser zu machen seien. Besonders quälte ich mich mit den Pferden ab; denn mit den Husaren fing ich an, weil ich sie für das Leichteste und Interessanteste hielt. Das Gangwerk, besonders die Hinterfüße wollten gar nicht werden, wie sie sollten, und blieben gerade Linien. Ich zeichnete mit dem größten Eifer, und wenn man sich Mühe gab, konnte man zuletzt einen hirscb schon von einem Pferde unterscheiden. Endlich schien mir nichts mehr zu fehlen, als die Farbe; hier war aber guter Rat teuer. Tuschkasten kannte man nicht, Nürnberger Muschelkasten waren zu teuer. Note Tinte und Grünspan in Essig aufgelöst mußte das Beste tun. Es war doch bunt. —
Im Oktober strich ich mit meinem Vater einige Tage auf den Bergen umher, um Haselnüsse zu pflücken. Wir brachten jedesmal die Taschen voll nach Hause. Sie wurden zu Weihnachten aufgehoben. Ls war doch etwas, was an die Berliner Weihnachtsfeier erinnerte.
Im November starb mein lieber Bruder Wilhelm. Lr war ein sehr guter, kluger Knabe geworden, den alle, die ihn kannten, sehr lieb hatten. Ls war für uns ein sehr schmerzhafter Verlust, und wir haben ihm viele Tränen nachgeweint.
Lechs Wochen vor Weihnachten fingen wir bereits an, in der Schule uns zum Weihnachtsfeste vorzubereiten, und rüsteten uns, unsere „Parzen" anzufertigen. Eigentlich hätte es „partes" heißen müssen - das wußte aber niemand, höchstens der Rektor, und der sagte es nicht. Es wurden nämlich Schreibebücher in Ouer-Oktav angefertigt - die Schüler wurden in vier Thöre abgeteilt und jedem Thore einige Lieder- vcrse und eine Unzahl von Russprüchen der Propheten zugeteilt, die sich auf die Geburt Thristi bezogen. Diese Verse hatte sich jeder Schüler in seine Parze einzuschreiben, und es war herkömmlich, daß das mit allem Rufwande kalligraphischer Kunst geschah. Ruf jede Leite kam nur ein Spruch, und nur wenn er aus mehr als sechs Zeilen bestand, wurde die folgende Leite mit verwendet. Die erste Zeile mußte aus verzierter Frakturschrist bestehen, in den übrigen Zeilen wechselten die Schriftarten: Kanzlei, Lateinische Kursivschrift usw. Jede Zeile aber mußte mit Tinte von anderer Farbe geschrieben werden, was viele Kot machte, da dergleichen käuflich nicht zu haben war, und jeder, so gut er es vermochte, die Tinten selbst unfertigen mußte, wobei er aus seinem Verfahren ein Geheimnis machte. War die Schrift nach großer Mühe und vielem Kopfzerbrechen fertig und wohl ge
raten, dann wurden unter ~ ie schönsten Husaren,
Hirsche, Soldaten, auch wohl Häuser, Landschaften, ganze Jagden usw. gemalt, je nachdem der Inhaber sich Geschick genug zutraute, etwas recht Schönes zu liefern. Dabei sparte man denn die Farben nicht. Während der Zeit wurde so viel darüber gegrübelt und gesonnen, daß niemand an etwas anderes als an die Parzen dachte,' wir gingen mit dem Gedanken daran zu Bett und standen mit ihm wieder auf. Täglich wurden die Parzen mit zur Schule gebracht und vorgelegt, um zu zeigen, wie weit man sei. Wem es nun gelungen war, etwas recht Schönes zu schaffen, der wurde von den andern gar sehr beneidet. Ich quälte mich arg damit herum,' denn die Ausführung blieb weit hinter meiner Vorstellung und meinen Wünschen zurück,' auch fehlte es mir allzusehr an Farben — allerdings weit mehr noch an Fertigkeit im Zeichnen. Meine Parze war daher auch keine von denen, welche besonderen Beifall erhielten. (Fortsetzung folgt.)
llirchliche Anzeigen.
Sonntag, den 21. Januar. 3. nach Epiphanias.
Gottesdienst.
In der Stadttirche. vormittags 97* Uhr: Professor D. 5 chian. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Rbends 5 Uhr: Pfarrer Mahr. - Montag, den 22. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Matthäusgemeinde. Dienstag, den 23. Januar, nachmittags 4 Uhr: Frauenmissionsverein. — Dienstag, den 23. Januar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Markusgemeinde. — Mittwoch, den 24. Januar, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Mahr. - Samstag, den 27. Januar, vormittags 10 Uhr: vereinigter Zivilund Militärgottesdienst zur Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Pfarrer Bechtolsheimer.
In der Zohanneskirche. vormittags 97 2 Uhr: Pfarrer Rusfeld. vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Rusfeld. Rbends 5 Uhr: Missionsprediger G s e l l aus Frankfurt a. ITT. Rbends 7s8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Lukasgemeinde. Rbends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. — Freitag, den 26. Januar, abends 7s6 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der Johannesgemeinde.
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verantwortlich: für den Textteil Pfarrer vechtolsheimer, für den Anzeigenteil k). Bech; Druck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-
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