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die in der deutschen Heimat einmal ihre Nutze finden werden. Die junge Mtwe klagt: warum dursten wir nur eine so kurze Zeit zusammenbleiben? Ihr erwidern wir: der Segen und die Tiefe menschlicher Lebensgemeinschaft bemessen sich nicht nach Jahren. Ls gibt Ehepaare, die feiern Silberne und Goldene Hochzeit und sind einander nichts, rein garnichts. Gelangweilt leben sie neben einander dahin, haben einander nichts mitzuteilen. Oder es kommt noch viel schlimmer,' unausgeglichener Gegensatz entzweit die beiden, jeder sieht in dem andern seinen schlimmsten Feind, der seine Lebensinteressen auf das empfindlichste schädigt. Die jedoch, die durch den Heldentod des Ehegatten für das Erdenleben von einander getrennt sind, waren in den Tagen vom Kriegsbeginn an ganz eins, ein Herz und eine Seele, ganz Liebe und ganz Treue. Diese Liebe ist stärker als der Tod, auch diese Liebe hört nimmer auf.
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Aus dem Leben eines Eichener Bürgers um da; Zahr H 800 .
(Fortsetzung,)
Kohlermann setzt seine Aufzeichnungen über die Kinder, bei denen er Gevatter gestanden, fort mit den Worten:
„Rnno 1782, den 25. Oktober habe ich dem Perückenmacher Klingelmeyer einen Buwen aus der Taufe gehoben mit Herrn Borger und Bäckermeister Johann Baiser Koch und Frau Postmeister Rnton Müller Wittib und ihm den Namen gegeben Ludwig Balser."
„1784, den 8. Rugujt habe ich dem Nudolf Bimber, Borger und Steindeckermeister dahier, einen Buben gehoben mit Konrad Ehristian Feger, Perückenmacher seiner ehelichen Hausfrau und Johann Konrad Klingelmeyer, Borger und Perückenmacher allhier, und ihm den Namen gegeben Ludwig Konrad."
„1781, den 25. Oktober habe ich meinem Schwager dem Herrn Frank, Borger und Seilermeister allhier einen Buwen gehoben mit seiner Frau Mutter Herrn Frank, Borger und Kaminfeger allhier ehelicher Hausfrau, und Friedrich Faber des dahiesigen Borger und Silberarbeiter Herrn Faber ältestem Sohn und ihm den Namen gegeben Ludwig Friedrich."
„1795, den 15. Mertz habe ich dem Herrn Jakob Koch bey Herrn Vuchführer Krüger ein Mädchen gehoben mit Frau Eberhard Busch, Bier- und Branntweinwirtin in der Judegaß hetzt Rittergasse) und ihm den Namen gegeben Maria Lowisa."
„Den 14. Rugust 1801 habe ich dem Borger und Schneidermeister Herrn Falendin holl wohl heißen : Valentin) einen Buben gehoben mit dem Perückenmacher Herrn Deißmar seiner Jungfer Tochter und dem Sergeant Herrn Schneider seinem jungen Sohne, ein perückenmachergesell, der der- mahlen in Hanau in Eondition steht und ihm den Namen gegeben Ludwig Justus."
„Rnno 1776, den 25. Oktober hat meine Frau dem Borger und Büchsenmacher Herrn Schell ein Mädchen gehoben mit Frau Balsern, des hiesigen Borger und Glasermeister seiner hausstau und dem hiesigen Borger und weiß- bindermeister Herrn Schneller."
„Rnno 1780, den 25. Oktober hat meine Frau ihrer Schwester (Namen nicht zu entziffern) ein Mädchen gehoben mit Herrn Geißmar Borger und Perückenmacher und Frau Muligin (auch dieser Name ich nicht zu entziffern) des Borgers und Schreinermeisters des ältesten Mühlig (?) gegen dem Hirsch über seiner ehelichen hausstau und ihm den Namen gegeben Elisabetha Jacwena."
„Rnno 1785 hat meine Frau dem Borger und Perückenmacher Schwalb einen Buben gehoben mit Herrn Fieser, Borger undThornmann allhier, und Frau Wormsern, des hiesigen Nathschöffen hinterlassener Wittib und Herrn Kohler- mann, Borger und Ehirurgus allhier, und ihm den Namen gegeben den 9. Dezember 1785 Jakob Wilhelm."
„1781 den 22. Juli hat meine Frau meinem Bruder dem Ehirurgus Kohlermann ein Mädchen gehoben mit Bäckermeister Herrn Kempf und Frau Schneidern Stieler (Stühler) und ihm den Namen gegeben Elisabetha Johanneta Wilhel- mina. Ist den 25. Dezember 1792 an den Pocken gestorben."
„1799 hat mein Mariechen dem Jakob Koch ein Mädchen gehoben mit dem jüngsten Seiler Frank, mit meines Schwagers Frank seinem Stiefbruder und ihm den Namen gegeben Mariechen Johannetta Thristina."
„1805 hat meine Frau ihrer Tochter der Buchbinder 5. ein Mädchen gehoben mit meinem Schwager dem Perückenmacher Geißmar und dem jungen Schlossermeister Balser Feger und der jungen Frau Geißmar, einer geborenen Damm und ihm den Namen gegeben Johannetta Elisabetha Lowisa. vom 15. auf 14. Oktober 1805 in der Nacht um 12 Uhr am Zahnen gestorben."
Bei der Wiedergabe der letzten Notiz habe ich den Familiennamen nicht ausgeschrieben, da Kohlermann später über seinen Schwiegersohn ein herbes Urteil fällt und Ungünstiges über ihn mitteilt, ob mit Recht, kann natürlich heute nicht mehr festgestellt werden. Rber die Familie des Schwiegersohnes existiert heute noch in Gießen, und es besteht keine Veranlassung, daß man es in die Geffentlichkeit gelangen läßt, daß einmal ein Glied der Familie seinem Schwiegervater Rnlaß zur Klage gegeben hat, auch wenn nun schon 104 Jahre seit dieser Zeit verflossen sind und es nichts Ehrenrühriges ist, das Kohlermann seinem Schwiegersöhne zur Last legt.
Wir erstaunen, wenn wir von der großen Zahl der Paten Horen, die die Familie Kohlermann hatte. Es waren im ganzen 20 Kinder, die Mann, Frau und Tochter aus der Taufe gehoben hatten. Man denkt da unwillkürlich an Fritz Reuter, der in seinem weltberühmten Romane „Ut mine Stromtid" bei der Schilderung des Weihnachtsabends bei Pastor Behrens sagt: „Rn aewer de Hälft von de Gesellschaft drängte sik nah vor, denn gaud bi de Hälft von all de Dörpgören hadd Herr un Fru pastern vadder stahn." wenn diese 20 Kinder auch nicht alle am Leben geblieben sind, so waren doch viele Patengeschenke zu verteilen, sowohl bei der Konfirmation wie an Weihnachten. Bei diesem Feste hatte Frau Kohlermann, wie es früher Sitte war, viel Zuckerzeug in die Sacktüchlein, in denen die Patenkinder ihr Geschenk heimtrugen, einzuwickeln.
Rus Kohlermanns Rufzeichnungen geht wieder hervor, daß die Familienbeziehungen in jener alten Zeit sehr eng waren. Die verwandten hielten treu zueinander, im engumgrenzten Kreise bewegte sich das Leben, die Patenkinder, die hier aufgezählt werden, waren alle aus Gießen, sie stammen durchweg aus den Kreisen der Gewerbetreibenden, ihre Väter waren allesamt richtige Gießener „Borger". Mit dem Patenamt nahm man es damals sehr genau, wem würde es heute noch einfallen, Rufzeichnungen über Patenkinder in solcher Rusführlichkeit zu machen? Mit der Taufe verband sich im Volksbewußtsein und im Herkommen die Namengebung. Man hört es zuweilen noch heute, daß kleine Kinder sagen: das Schwesterchen hat noch keinen Namen, weil es noch nicht getauft ist. — (Fortsetzung folgt.)


