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ward am 20. Juni mit Pfarrer Mahr von Langsdorf be­setzt, der Vorsitz im Gesamtkirchenvorstand dem Pfarrer Schwabe übertragen.

Km 3. Kdvent konnte Pfarrer Sommerlad zu Watzen­born auf eine 25jährige Tätigkeit in dieser Pfarrei zurück­sehen.

Km 26. September war Pfarrer Hainebach von Großen- Linden in sein neues Kmt in Leihgestern eingeführt, nachdem er nahezu ein Jahr diese 5teile als Spezialvikar verwaltet hatte. Für seine frühere Pfarrei Kllendorf (Lahn) ward der vom Heeresdienst bis auf weiteres beurlaubte und nach Klein­linden zurückgekehrte Kssistent Bröckelmann mit dem Spe­zialvikariat beauftragt.

In Kltenbuseck starben die Kirchenvorsteher Eberhard Doll (nach 44jähriger Kmtsführung), Theodor Krämer und Karl Hübner, letzterer auch Lehrer und Organist,' in Heuchel­heim der Kirchenvorsteher Ludwig Kinn XIII., an dessen Stelle Fabrikant Ludwig Rinn XIX. gewählt ward; in Klbach der Kirchenvorsteher Kltbürgermeister Baiser. In der Johannesgemeinde Gießen ward Rechnungsrat Fischer in den Kirchenvorstand gewählt, an seine Stelle in die Ge­meindevertretung Lehrer und Organist Habicht. Möge Gott der Herr den heimgerufenen Knechten in Gnaden lohnen mit ewiger Herrlichkeit, die zurückgebliebenen aber stärken mit Seinem Geist zu freudiger Fortführung des Tagewerks!

2. Kirchliche Ereignisse, kirchliche Ordnungen und Einrichtungen.

Zu den gut eingewurzelten kirchlichen Ordnungen sind die Gottesdienste für äußere Mission zu zählen, wie solche von Lang-Göns, Leihgestern, Pohl-Göns, Watzenborn und Wieseck gemeldet werden. In Wieseck fand das Dekanats­missionsfest statt.

Der letzte Sonntag des Kirchenjahres brachte besondere Feiern auf den Friedhöfen in Gießen, Pohl-Göns und Watzen­born, Kbendgottesdienste in Rödgen und Knnerod, beides zum Gedächtnis der Entschlafenen und insonderheit der Ge­fallenen der betreffenden Gemeinden. Die Kamen der Ge­fallenen wurden im Gottesdienst in Kirchberg und Lang- Göns und wohl allenthalben an diesem Tage verlesen.

Die wöchentlichen Kriegsbetstunden wurden an vielen Orten das ganze Jahr hindurch fortgesetzt, an andern, zum Teil wegen Petroleummangels, auf Sonntagnachmittag ver­legt oder während des Sommers auch ausgesetzt. Elektrische Lichtanlagen entstanden in den Kirchen zu Rödgen und Knne­rod, Steinbach, Kllendorf (Lahn), Pohl-Göns und Wieseck. In Rödgen und Knnerod sammelte hierfür der Kirchenoor­stand rund je 500 Mk. an freiwilligen Gaben. Der kleinere Rest der Kosten wurde von den Kirchenkassen getragen. In Steinbach wurden 3OO Mk. durch Schenkungen dazu auf­gebracht.

Bei Treis a. d. Lumda ward als Kbschluß einer Morgen­übung der vereinigten Jungmannschaft des Lumdatales am himmelfahrtsfest vom Grtspfarrer ein Feldgottesdienst ab­gehalten.

3. Kirchliche Vereine.

Daß das kirchliche vereinsleben vielfach darniederlag, erklärt sich durch die Fortdauer des immer schärfer sich aus- wirkenden Krieges, von eigentlichen Festen nach früherer Weise konnte schon gar nicht die Rede sein. Man beschränkte sich allermeist auf Geldsammlungen, und es darf gesagt wer­den, daß ihre Ergebnisse im allgemeinen die höhe früherer Jahre erreichten.

In Treis fand am Kbend des 3. Kdventssonntags in der Kirche eine Feier des dortigen Zweigvereins des Evangel. Bundes statt, wobei der Grtspfarrer einen Vortrag über Luther und der Krieg" hielt und die Konfirmanden Gedichte aufsagten. Die Sache des Blauen Kreuzes ward in Lang- Göns durch einzelne predigten und Verteilung von Flug­schriften vertreten.

In mehreren Gemeinden wurden evangelisch-kirchliche Frauenvereine gegründet, die sich dem Klice-Frauenverein als außerordentliche Glieder anschlossen.

4. Religiös-sittlicher Zustand.

hierüber liegen meist nur unbestimmte oder allgemein gehaltene Urteile vor. vier Kirchenvorstände geben gar keins ab. Diese Selbstbescheidung mag ihr Recht in der Tatsache finden, daß es wie dem einzelnen Menschen so auch einem ganzen Geschlecht oder einer Gruppe der Menschheit außerordentlich schwer wird, über den eignen Zustand in einem bestimmten Zeitabschnitt ein zutreffendes Urteil zu fällen. Der Mann beurteilt den Jüngling, der Jüngling den Mann wohl oft richtiger, als jeder sich selbst einschätzt. So wird auch wohl eine spätere Zeit klarer erkennen, wie wir schaffen waren. Die Mehrzahl der Kirchenvorstände bezeich­nen den religiös-sittlichen Zustand ihrer Gemeinden als im ganzen gut, gut oder befriedigend,' Zwei betonen, daß er sich nicht auf der höhe des Kriegsanfangs gehalten habe,' einer klagt, daß viel zu wünschen übrig bleibe. Das richtigste wird derjenige treffen, der geschrieben hat:Die lange Kriegszeit hat nicht nur das Gute in der Gemeinde geweckt, sondern je länger je mehr auch Eigenschaften, welche weniger erfreulich sind, wie Ueid, Eifersucht, Unzufriedenheit." Der Krieg mit seiner ungeheuren Knspannung menschlichen Strebens ruft eben eine ungemessene Steigerung aller menschlichen Eigen­schaften hervor, der guten wie der bösen,' er offenbart und steigert die zuvor oft im Hintergrund verborgenen christlichen Haupttugenden des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, die Treue mit eingeschlossen, und deckt andererseits Kb- gründe der Selbstsucht, der Erbitterung, des Unglaubens und der Unsittlichkeit auf. Während viele den HErrn und seine Kirche finden oder wiederfinden, werden andere zuKindern der Bosheit" (Matth. 13, 38). So hegen wir unsrerseits die frohe Zuversicht, daß die Trübsalswetter unser gläubiges evangelisches Volk der Vollendung des Gottesreichs entgegen­reifen lassen. (Fortsetzung folgt.)

Aus der Jugendzeit eines deutschen Mannes.

(Fortsetzung.)

Indessen unsere Schülerverpflichtungen gingen weiter. Wir hatten auch kirchliche Funktionen. Die Kustoden mußten des Sonnabends nachmittags in der Kirche auf den aushän­genden vier großen schwarzen Tafeln die Nummern und die Knfangsworte der morgen beim Gottesdienste von der Ge­meinde zu singenden Lieder mit Kreide in schöner Fraktur­schrift anschreiben, wozu mehrere Stunden erforderlich waren. Dasselbe geschah an Festtagen auch zur Rachmittagspredigt. Km andern Tage mußten sie die Kirche auf- und zuschließen, waren auch beim Läuten behilflich und mußten an Feiertagen beiern", das heißt, mit dem an einem Strick befestigten Klöppel die Glocken rythmisch abwechselnd anschlagen, so daß eine Krt von Melodie herauskam, was stundenlang mit Kb- wechslungen fortgesetzt wurde und wobei viele halfen, vor

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