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Kommt es uns zum Bewußtsein, wie so manches ungetan blieb, das wir an Gutem hätten ausführen können und das wie eine leise Segensspur uns begleitet haben würde. Me achtlos auch gingen wir an vielem vorüber, was an unserm Wege lag, scheinbar zufällig; wir wissen aber, daß es keinen Zufall gibt. Durch eine kleine Handreichung, durch ein freund­liches Wort hätten wir vielleicht etwas Sonnenschein in ein bekümmertes einsames Herz bringen können.

Ebenso bedrückt es uns beim Rückblick schwer, daß nichts ungeschehen gemacht werden kann, was wir unbe­dacht oder aus Gedankenlosigkeit gesagt und getan haben. Ein Wort, gar nicht böse gemeint, aber unvorsichtig ge­sprochen, mußte verletzen, und wir wissen, daß wir es nie zurücknehmen, nie auslöschen können.

Stimmt uns das alles nicht recht ernst und traurig? Ich meine, gerade diese ersten Tage eines neuen Zeitab­schnitts sollten uns zur Einkehr in die Stille des Herzens und Hauses führen, nicht nur vorübergehend, sondern tauchend in die Tiefe der großen Barmherzigkeit unsres Gottes, der unser Zehnen, ihm näher zu kommen, versteht, und der allein uns helfen kann und will, dieses Ziel zu erreichen.

Behalte mich in deiner Pflege,

Rn deiner Hand,

Und führ' mich deine Wunderwege Ins Vaterland! Baronin R.

Aus dem Leben eines Giehener Bürgers um das Jahr 1800.*)

Fortsetzung,)

Im ganzen hat das Ehepaar Rohlermann 8 Rinder gehabt, davon sind 4 iu frühester Kindheit gestorben, nur die Rinder Katharina, gestorben 1849 im Rlter von 70 Jah­ren, Marie, Friedrich und der jüngste Sohn Jakob Ehristian haben die Eltern überlebt. Man weist in der Gegenwart darauf hin, daß früher mehr Rinder geboren wurden als heutzutage, man darf aber nicht vergessen, daß damals die Rindersterblichkeit viel größer war als jetzt. Oft ist es vor­gekommen, daß ein Ehepaar, wie es hier der Fall war, nur die Hälfte der ihm geborenen Rinder groß gebracht hat. Hy­giene und ärztliche Wissenschaft war damals noch lange nicht so entwickelt wie heute.

Da damals viele Rinder geboren wurden, so kam der, der einen ausgebreiteten Bekanntenkreis und zahlreiche ver­wandte hatte, oft in die Zage, Taufpate zu werden. Das war auch so bei Rohlermann, er scheint es mit dem Taufpatenamt sehr ernst genommen zu haben,- denn gewissenhaft führt er Buch über die Rinder, bei denen er und seine Ehefrau Paten­stelle vertraten. Diese Einträge gebe ich hier wieder, da sie für die Gießener Familiengeschichte Interesse haben. Die eigentümliche Orthographie des Schreibers habe ich etwas der modernen Form angepaßt, damit der Leser sich nicht auf das Erraten legen muß.

Rohlermann schreibt:Rnno 1775 den löten Februar habe ich meinem Schwager Ludwig Friedrich Geißmar einen Buwen gehoben mit Jungfer Glockin, des Herrn Jost Glock, Zechzehner **), hinterlassene Jungfer Tochter und Buchbin­ders Schads hinterlassenem Herrn Sohn und ihm den nahmen geben Ludwig Daniel Balser."

*) 5. Nr. 49 u. 50 des vorigen Jahrgangs.

**)Sechzehner" war die Bezeichnung für die 16 Mitglieder des Stadirates,

Rnno 1776 hat meine Frau dem Vorher und Vüxen- macher Herrn Schell ein Mädgen gehoben mit Frau Balsern, des hiesigen Borger und Glasermeister seiner Hausfrau und der hiesige Borger und Weißbindermeister Herr Schneller."

Rnno 1776 habe ich meinem Schwager dem hiesigen Borger und Schuhmuchermeister einen Buwen gehoben mit Jungfer Schellin, Rndreas Schells hinterlassener Tochter und Herr Walter, Borger und Schnittmeister wie auch Frau Willin, dem hiesigen Borgers und Branntweinbrenners Herrn Will eheliche Hausfrau und ihm den Namen gegeben Johann Ludwig."

Rnno 1777 habe ich meinem Bruder einen Buwen ge­hoben mit Johann Bernhard Müller, Borger und Müller in Rlsfeld und Rmalia henschlin des dahiesigen Borgers und Perückenmachers wie auch Rmtsdieners bei dahiesigen Dber- amt seiner ehelichen Hausfrau und ihm den Namen gegeben Emanuel Bernhard Ludwig."

Rnno 1778 habe ich meinem Schwager Schneider, Freikorporal unter hiesigem Regiment ein Mädchen gehoben mit Elisabetha Jungfer Rohlermann des hiesigen Borgers und Rramers Rohlermann hinterlassener Jungfer Tochter und ihm den Namen gegeben Elisabetha Lowisa."

Rnno 1780 habe ich dem hiesigen Borger und Perücken­macher Ronrad Ehristian Feger ein Mädchen gehoben mit dem hiesigen Borger und Schneidermeister Thorn und Frau Fegern dem Borger und Perückenmacher in Butzbach seiner ehelichen Hausfrau und Maria Löwenstein, des Borgers und Perückenmachers Löwenstein in Frankfurt am Main seiner Jungfer Tochter und ihm den Namen gegeben Maria Lo- wiesa Johannetta Elisabetha."

Rnno 1780, den 25. Oktober hat meine Frau ihrer Schwester (das weitere ist nicht recht verständlich) ein Mäd­chen gehoben und ihm den Namen gegeben Elisabetha Jac- wena."

Rnno 1782 den 14. Ruguft habe ich meinem Bruder Ronrad Jakob einen Buwen gehoben mit der Junge Frau Jakob Rohlermanns Witwe und dem Herrn Johann Balser Roch, Borger und Bäckermeister allhier und ihm den Namen gegeben Ludwig Balser Ehristian." (von unbekannter Hand steht nach diesem Eintrag geschrieben:Rnno 1816 den 8. September ist Ludwig Balthasar Ehristian Rohlermann Nachmittags um 1 Uhr gestorben und den 1. Oktober des­selben Monats um 7 Uhr Morgens begraben worden.")

(Fortsetzung folgt.)

Das kirchliche und religiös-sittliche Leben in den Gemeinden des evangelischen Dekanates Gießen im Iahre, 9 ) 5 .*)

1. Rirchliche Personen.

Geheimer Rirchenrat D. Schlosser zu Gießen schied am 18. Rpril aus dem Dienst seiner mannigfachen Remter und lebt seitdem in Frankfurt a. M., wo er sich noch freiwillig der städtischen Rriegsfürsorge und der Rrmenpflege widmet. Seine segensvolle 42jährige Mrksamkeit (seit 1873) im Pfarramt zu Gießen, in der Inneren Mission in Hessen und Südwestdeutschland und in der deutschen Rrmenpflege soll unvergessen sein. Seine Pfarrstelle an der Matthäusgemeinde

*) N)ir entnehmen diese Mitteilungen dem Berichte, den der vekanatsausschuß der vekanatssynode Gießen zu ihrer Tagung am 14. November des Jahres erstattet hat. Einzelne Abschnitte, nament« lich solche statistischer Art, lassen wir weg. Der Bericht hat k)errn Pfarrer Weber, Lang-Göns, zum Verfasser, bei den Abschnitten, auf die das nicht zutrifft, ist der Name des Verfassers besonders genannt.