Ausgabe 
27.10.1918
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nicht entschließen können, offen und frei mit der christnsfeindlichen Welt zu brechen. Unter dem Kreuze aber treten sie mutig hervor und nehmen aller Welt. Schmach, Hohn und Spott auf sich und setzen ihren ganzen Stand, ihre Ehre und ihren Besitz in der Welt aufs Spiel. Siehe, das war ein neuer Wandel und ein Zeichen, daß sie die Macht des Blutes Christi er- fahren hatten!

Und wenn du, lieber Leser, heute im Geiste unter dem Kreuze stehend, dir einmal klarmachst, daß die Gedanken des Schächers und das Tun des Joseph und Nikodemus auch deine Gedanken und dein Tun werden müssen, daß du einmal alle Selbst­betrügerei und Selbstberüncherei mit Füßen treten und ehrlich auf den Grand der Seele schauen mußt, alle Hüllen wegreißend, und daß du alle die elende Menschenknechtschaft und Menschenrücksicht und Mammonssucht und Genußsucht auf die Seite schieben und öie Liebe Christi offen und frei über alles triumphieren lassen mußt, das ist dann nicht der alte Wandel; das ist dann ein Zeichen, daß ein neuer Wandel von Christi Kreuz aus angefangen hat.

O. F.

K-

ßi» umgekehrter Verbrecher.

Ein Knabe aus sehr gerichteter Familie in der Nähe von Paris zeichnete sich durch sein gutes Be­tragen in der Schule und daheim aus und berechtigte zu den besten Hoffnungen. Später geriet er in schlimme Gesellschaft; zu Kameraden hatte er schlechte Leute, und kaum zwanzigjährig, war er ein verdorbener Mensch. Er kannte das Wort Gottes nicht und war deshalb nicht gewappnet den Anläufen des Feindes gegenüber. Um sich Mittel zu seinem ausschweifenden Leben zu verschaffen, scheute er selbst vor einem Verbrechen nicht zurück. Bei einem Raubmord, den seine Kameraden ausführten, wurde er als Mithelfer ergriffen und vor Gericht gestellt. Er legte dort ein offenes Geständnis ab und zog dadurch den ganzen Haß seiner Kameraden auf sich. Er wurde mit ihnen zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt.

Ein Knecht Gottes besuchte seine tiefbetrübten Eltern und chrachte ihnen Trost aus Gottes Wort; sie waren dankbar dafür und baten ihn, er möchte doch auch zu ihrem armen Sohne gehen und mit ihm reden. Nachdem er die nötige Erlaubnis dazu erlangt hatte, wurde er in die Zelle des jugendlichen Ver­brechers geführt und konnte mit ihm reden von seiner unsterblichen Seele und von seiner großen Sünden­schuld. Aufmerksam hörte der Gefangene ihm zu und nahm dankbar das Neue Testament an, das ihm der Bote Gottes mitgebracht hatte. In seiner einsamen Zelle fing er an, mit Eifer und, was noch mehr sagen will, mit Segen darin zu lesen.

Bald nachher -schrieb er an seine Mutter und

bat sie, doch ja auch das Evangelium zu lesen und Jesum kennen zu lernen.

Wenn ich dieses Buch früher gekannt und gelesen hätte," rief er eines Tages aus,so würde ich jetzt nicht im Zuchthaus sein," und fügte hinzu- O könnte ich doch aus allen Kräften allen jungen Männern in Paris zurufen: Hütet euch vor dem Einfluß und der Gesellschaft der Leute, die mich hiev hergebracht haben!"

Das Lesen des Wortes Gottes diente seiner Seele zum ewigen Heil, und die wiederholten Besuche des treuen Dieners Gottes halfen ihm zu immer tieferem Verständnis der Wahrheit. Je länger er las, je mehr Licht kam in seine Seele. Er tat aufrichtig Buße für seine böse Tat und erkannte, daß die über ihn verhängte Strafe gerecht sei, daß er sie verdient habe; aber er erkannte auch immer mehr die Schwere seiner Schuld Gott gegenüber.

Eines Tages kam er beim Lesen an das achte Kapitel des Römerbriefes, wo die Worte steh ein So ist nun keine Verdammnis für die, die in Christo Jesu sind." (Rom. 8, 1.)

Was war dieser Spruch für sein geängstetes, gequältes Herz! Ein Samenkorn, von Gott in sein Herz gelegt, wo es einen wohlzubereiteten Boden fand. Mit überströmendem Dank nahm er diese selige Botschaft auf, und die Angst seines Herzens wich einer unaussprechlichen Freude.

In Menschenangen war ja seine Tat noch nicht gesühnt, solange er als Gefangener im Zuchthaus saß, aber er wußte es jetzt gewiß, daß sie in Gottes Augen gesühnt sei. Jesus Christus selbst hatte durch Seinen blutigen Tod am Kreuze die Strafe dafür auf Sich genommen. Alles war vollbracht! Nicht nur sein schweres Verbrechen, sondern auch alle Sünden seines ganzen Lebens waren ihm vergeben.

Liest auch du, lieber Leser, das Bibelbuch?

Ein Knecht Gottes, dessen Name uns unbekannt ist, hat gesagt:Die Bibel enthält den Zustand des Menschen, den Weg der Erlösung, die Strafe der unbußfertigen Sünder und die Seligkeit der Gläu­bigen. Ihre Lehren sind heilig, ihre Vorschriften bindend, ihre Geschickten wahr und ihre Be­stimmungen unumstößlich. Lies sie um weise zu sein, und lebe danach, um heilig zu sein. Sie enthält Licht, dich zu leiten, Nahrung, dich zu erhalten, und . Trost, dich zu erquicken. Sie ist die Landkarte des Reisenden, der Stab des Pilgers, der Kompaß des Steuermannes, das Schwert des Soldaten und das Banner des Christen.

Hier wird das Paradies wiederhergestellt, der Himmel geöffnet und die Tore der Hölle geschlossen. Christus ist der hohe Gegenstand derselben, unser Wohl ihre Absicht und die Verherrlichung Gottes ihr Endziel. Sie sollte das Gedächtnis erfüllen, das Herz regieren und die Füße leiten. Lies sie z langsam, oft, mit Gebet. Sie ist eine Quelle des ! Reichtums, ein Strom der Freude. Sie ist dir zum