in das Buch der Weltgeschichte eingetragen. Die Kriegsgeißcl ist eine Offenbarung der richtenden Heiligkeit Gattes gegenüber unseren und unseres Volkes Sünden.
Es ist bis zu dieser Stunde Gott, der HErr, nach außen hin mit uns gewesen und hat unseren Massen Erfolg verliehen. Das ist Gnade im Gericht, wofür wir Ihm unaufhörlich danken wollen. Aber cs behält dennoch das Wort Moltkes sein Recht, daß auch der glorreichste Krieg „ein nationales Unglück" fei. Und nun erst dieser Krieg, bei dem alles ins Riesengroße geht, diese furchtbare Verbindung von Feinden, die sich gegen uns erhoben Hut, dieser erbitterte Haß ganzer Nationen, der aus die Vernichtung alles dessen gerichtet ist, was deutsch heißt — ist es nicht die Hand unseres Gottes, die das alles zugelassen? Ist es nicht in Seinem Rate beschlossen, dies alles uns treffen zu lassen mit erschütternder Schwere? Und das tausendfache Weh des Krieges, seine ungeahnt lange Dauer, die Blut- und Träncn- ströme, die er im Gefolge hat — sind das nicht alles auch bei einem günstigen Ausgang Heimsuchungen des heiligen Gottes, die unser Volk schwer treffen? Und solche Heimsuchung hat unser Gott für eine Notwendigkeit erachtet. Er hat sie für notwendig erachtet um der Sünde unseres Volkes willen.
Daß die Ereignisse der Gegenwart eine Offenbarung der Heiligkeit Gottes sind, das wurde bei Kriegsbeginn von uns tief und wahr empfunden. Selbst Menschen, die . sonst nichts fragen nach den Dingen des religiössittlichen Lebens, empfanden das ^mit. Nicht „Bußprediger" haben cs gesagt, nicht Stimmen aus gläubigen Kreisen, nein, in Zeitungen lasen wir es:
„So konnte es nicht mehr .nMtergehen." „Unsere sittlichen Zustände waren unhaltbar ge- ■ worden. Die Menschheit muß sich wieder aus sich selbst besinnen: wir müssen wieder zu eiu- ■ fächeren Verhältnissen kommen."
In einer Zeitung lasen wir folgende Sätze:
„Das moderne Zeitalter mit seinem raffinierten luxuriösen Tändelspiel und die brutale Not des" Krieges stoßen hart aufeinander. Während an der Donau die Kanonen zu donnern begannen, übte man anderswo Tanzturniere und erörterte in großer Versammlung, welche Fußbewegung den Taugotanz ersetzen soll. Wir werden uns wohl etwas bescheiden müssen und werden die zeitgemäße Ausmachung auf ein wirklich zeitgemäßes Tempo zurückstellen müssen."
In der Tat, wenn wir erwägen, bis zu welchen Graden Unglaube und Unsittlichkeit in unserem Volke eine Macht geworden waren, dann müssen wir dem zustimmen, daß es so
nicht mehr weitergehen konnte. Wir wissen uns frei von Schwarzseherei. Wir haben kein unbedingtes Lob für die sogenannte „gute alte Zeit" und kein unbedingtes Verwerfungsurteil für die Gegenwart. Wir sehen noch die Lichtseiten in dem Zeitbild der Gegenwart. Wir sehen noch das Ringen nach dem Höchsten, das durch unser Volk geht. Aber auf der anderen Seite steht es fest, daß Gottlosigkeit und Zuchtlosigkeit in unserem Völlig zu Graden herangewachsen waren, wie sie die deutsche Geschichte bisher kaum kannte. Nein, in solcher Form und in solchem Umfang hat das die deutsche Geschichte bisher noch nicht gesehen. Die Tatsachen reden hier ihre harte, eherne Sprache.,
. Zur Beschwichtigung mag man uns auf die Zustände in anderen Völkern Hinweisen. Aber echte Bußgesinnung läßt vor allem an die eigene Brust schlagen. Und hier endgültig abzuwägen, ist nicht - unsere, sondern Gottes Sache. Zudem ist kein Volk der Erde mit einem solchen Reichtum von Gnaden und Gaben überschüttet worden als das deutsche. Kein Volk sündigt in seiner Sünde so gegen sein besseres Selbst als das deutsche. Kein Volk der Gegenwart wird sich derart selber untreu, wenn es zueht- und sittenlos wird, als das 'imfrige.- Darum hat die Sünde im deutschen Gewan.de immer etwas besonders verhängnisvolles und folgenschweres.
Geiviß haben sich der Unglaube und die Sünde auch in früheren Zeiten als eine Macht erwiesen. Wissenschaft undBibelglaubehaben oftinKampses- stellung einander gcgenübergcstandcn. Aber was wir in dieser Hinsicht in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, dürfte doch wieder einzig in seiner Art sein. Da ist der Saat von Wind die Ernte von Sturm gefolgt. Die theoretische Gottes- und Ehristusleugnung hat das praktische „Ja" zur Sünde zur Folge gehabt. Das ist folgerichtig. Wer Gott und sein Gesetz verneint, dem bleibt nur das Ich mit seinen Lüsten übrig. Immer war darum der lebeichige Gottesglaube der Wegbereiter wahrer Sittlichkeit und damit des wahren Dolkswohles. Und immer war der Unglaube der Wegbereiter von Zucht- und Sittenlosigkeit.
Kaum werden wir uns hier gegen ein Mißverständnis zu verwahren haben. Wir meinen nicht, daß jemals im gegenwärtigen Zeitlauf eine Zeit käme, in der Sünde und Unglaube in unserem Volke nicht herrschende Mächte seien. Deutschland wird nicht ein im biblischen Sinne christliches Volk werden. Es gibt einstweilen eine christliche Gemeinde, noch nicht im biblischen Sinne christliche Staaten und Völker. Dennoch zeigte sich die deutsche Sünde in der letzten Zen in Graden, die ernst und bedrohlich waren. Der deutsche Unglaube in seiner heutigen Form, mit
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