Ausgabe 
12.5.1918
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Uerlaa der Buchhandlung der Pilgermission gicheu.

Redakteur: Stadtmstsionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel und die Prediger der Pilgermission. Druck von I. G. Lücken Nachfolger, G. m. b. H-, Cassel-

Nr. 19.

Sonntag, den 12. Mai 1918.

11. Zahrg.

Der leöendige Kott im Sturme der Zeit.

Länger als irgend jemand gedacht, hat der Weltkrieg mit seinen Schrecken gedauert. Mit Wucht lastet die große Heimsuchung über unserem Volke und Vaterland. Einen Zug ins Riesen­große zeigen die Zeitereignisse. Wir wissen von Kriegen aus dem Altertum, von den blutigen, langandauernden Kämpfen zwischen Athen und Sparta. Wir wissen von den furchtbaren Glaubenskämpfen des 16. und 17. Jahrhunderts, von den die Völkerwelt durchbrausendcn Kriegs- stiirinen der uapoleouischen Zeit. Aber alles, was die Welt an kriegerischen Tragödien gesehen hat, ist klein gegenüber dem, was wir jetzt erleben.

Es gibt Ereignisse, die zu groß sind, als daß der lebendige, heilige Gott darin übersehen werden könnte. Daß Gott Sich uns nahe in der Größe der Ereignisse, das ging bei Kriegs­beginn wie ein gewaltiges Empfinden durch unser Volk. Ungezählte, bis in den Grund hinein erschütterte Menschenkinder schauten zu ihrem Gott auf. Markig gab unser geliebter Kaiser dazu immer erneut den Ton an. Der alte, majestätische Klang des NamensGott" kam wieder zu Ehren in dieser Zeit. Viele hatten ihn bis dahin nur auf die Lippen ge­nommen, um ihn zu mißbrauchen. Jetzt nannten auch sic ihn wieder mit Ehrfurcht. Noch nie haben wir in Zeitungen den Gottesnamen mit solch feierlichem Nachdruck nennen hören als in dieser Zeit. Das Bollwerk des Unglaubens er­wies sich als -auf schwachen, tönernen Füßen stehend. Es bekam Todesstöße durch die Donnerschläge der Zeit. Gott fuhr im Schrecken hernieder. Seine Stimme redete im Donner der Schlachten.

Aber was war und ist nun Gottes Wille m den Stürmen der Zeit?

Gott hat es zugelassen, daß die Glut der heoßen nationalen Heimsuchung sich bisher nicht

mildere, sondern daß sie sich steigere ^zu wehe­voller Höhe. Warum das? Was ist in alledem Sein Wille? Diese Frage muß mit allem Nachdruck gestellt, und sie muß klar be­antwortet werden. Gott hat Seinen Willen in Seinem Worte niedergelegt. Dieses Wort steht fest. Seine Wahrhaftigkeit und Felsen­festigkeit feiert Triumphe in dieser Zeit. Das Wort Gottes ist aber vor allem die Bezeugung der feuerflammendcn Heiligkeit Gottes. Und die Glut dieser Heiligkeit ivendet sich, wo immer Gott erscheint, gegen das Böse. Das ist so und muß mit innerer Notwendigkeit so sein. Und das ist nun die heilige Gottesspur, die es überall in dem Wirken Gottes aufzufinden gilt. Ohne sie können Gottes Wege und Werke nicht ver­standen werden. Ohne sie kann der innere Sinn von großen Zeitereianissen nicht herausgesunden werden.

Gottes Wirken ist immer und überall gegen die Sünde gerichtet. Das wirst du finden. >vo immer du in die Werkstätte Gottes schaust, Ob im Feuerglanz Sinais oder in dem blutigen Holze auf Golgatha, ob in den Trümmern unter­gegangener Weltreiche oder auf dem großen weißen Throne, yor dem einst alle Völker ver­sammelt sein werden immer und überall kehrt sich Gottes Heiligkeit gegen die Sünde der Menschen. Das WortSünde" hat bei uns seinen alten furchtbaren Klang vielfach eingebüßt. Man hat das Wort und den Begriff als ver­altet mit Hohnlachen über Bord geworfen. Von den heidnischen Germanen sagte der römische GeschichtsschreiberTacitus:Hier lacht niemand über Laster, und es heißt Verführen und sich verführen lassen nicht der Geist der Zeit." Und wie steht es in dem modernenchristlichen" Deutschland? Haben wir nicht dieses schreckliche Lachen über unseres Volkes tiefste Not deutlich gehört? Nun hat Gott selbst zu diesem furcht­baren Thema das Wort genommen. Er har das WortSünde" wieder mit Flammenschrift