seiner brutalen Auslöschung aller maßgebende» j Schriftwahrheiten — dieser Unglaube mit all seinen sittlich verheerenden Folgen, diese seichte, in allen moralischen Frivolitäten sich behaglich wälzende sogenannte „schöne" Literatur, diese schreckliche Flut von Unreinheit, die unser ganzes Volk überschwemmt hat, diese nach Hundert- tauscnden zählenden Kindermorde im Mutterlcibe, die zum Himmel schreien — das alles sind doch besondere Sturm- und Notzeichen dieser Zeit, die es erkennen ließen, daß es i{o nicht lange mehr wcitergehcn konnte.
Nach Millionen zählen die Töchter unseres Volkes, die .ihr Leben öffentlich oder im geheimen der Schande weihten. Die Zahl der Ehescheidungen hatte sich in zehn Fahren vor dem Kriege verdoppelt. Der Prozentsatz der Geschlechtskranken unter den Studierenden und der Großsladtjngend überhaupt war hier und da derart hoch, daß man sich schämt, ihn öffentlich zu nennen. Den heillos zunehmenden Rückgang der Geburtenziffer hat ein Staatsbeamter „eine wahre Pest der Menschheit" genannt, deren Gefährlichkeit sich bis jetzt leider nur die wenigsten bewußt geworden seien. Die Art, wie unsere deutschen Frauen und Mädchen sich kleideten, war zunehmend von einem schamlosen Dirnengeist beherrsch!, und Männer stützten dieses schamlose, dirnenhafte Treiben. Fm Abgeord- netcnhause sagte ein Abgeordneter, daß das Berliner Nachtleben allen anderen Großstädten, London und Paris eingeschlossen, den Rang abgelaufen habe. So weit waren wir also gekommen. So zeigten sich bedrohliche Niedergangssymptome in unserem Volke. So drohte alles Edle in der Stickluft der Zuchtlosigkeit zu ersticken, und gute deutsche Art und Gesittung drohten unter welschen Einflüssen zu- ! gründe ^,u gehen.
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Hierzu kam aber noch etwas anderes. Man könnte ja gegenüber den bedrohlichen Erscheinungen in unserem Volke fragen:
War denn keine Salbe in Gilead, nnid var
kein Arzt da?
Hat das deutsche Volk es nicht gewußt, daß in Christo, dem Sohne Gottes, ein Heil vom Himmel gekommen ist, ein Heil, das herauszuhebcn vermag aus der tiefsten Not der Menschheit? Hat Gott nicht gerade auf deut- sä)em Boden die volle Wahrheit des biblischen Evangeliums hell leuchten lassen? S)at Er nicht gerade diesem Volke Männer gesandt, die es ihm geistesmächtig bezeugten, daß in Christo, dem Gekreuzigten und Aufcrstandenen, ein Heil vom Himmel gekommen ist, das die Schuld der Sünde sühnt und ihre Macht bricht?
Spat das deutsche Volk nicht seinen Spener und Franke, seinen Zinzendorf und Tersteegen, seinen Matthias Claudius und Fung-Stilling gehabt? Und haben diese es mit vielen anderen früherer und neuerer Zeit nicht einmütig bezeugt, daß in dem Namen Jesu eine Kraft liege, die Sündenkettcn breche und den Willigen zur beglückenden Lebensneuhcit führe?
Jawohl, das deutsche Volk hat das alles wohl gewußt. Es ist ihm von dem.Heiligsten und Herrlichsten, das es gibt im Himmel und auf Erden, reichlich Kunde geworden. Aber das ist das Sündigste in der Sünde des deutschen Volkes, daß es dieses Heiligste in weitgehendstem Maße abgelehnt hat. Diese Ablehnung war in den. letzten Jahren bewußt, entschlossen feindselig. Eine Atmosphäre der Christusfcindschaft beherrschte weite Kreise. Es wurde das Heiligste für nichts geachtet, und das, was allein Wert hat im Himmel und auf Erden, mit Füßen getreten.
Nun hat sich die beleidigte Majestät des heiligen Gottes zur Abwehr erhoben. Denn
das ist der innere Sinn.der großen Zeitereignisse. Das ist der Sinn und Wille Gottes in den Bedrängnissen dieser Zeit. Wir haben bis in diese Zeiten hinein eine bedenkliche Neigung, bei der Außenseite der Dinge stehenzubleiben. Diese Außenseite ist ja furchtbar genug. Furchtbar genug ist dieses mörderische Aufcinander- prallen von Millionenhcercn. Furchtbar genug ist dieses Niesenringen mit seiner unerhörten blutigen Größe und Dauer. Dennoch dürfen wir nicht einseitig bei diesen Dingei^vcrweilen. Für Gottes Auge und Empfinden' steht die innere Not durchaus im Vordergrunds Er sieht die Sünde mit ihren Folgen bis zu ewigem Tode und ewiger Verdammnis. Das innere Verderben, die innere Gottesfeindschaft mit ihren Todeswirkungen sieht Gott vor allem. Die vor allem bekämpft Er mit allen Mitteln Seiner Güte und Seines Ernstes. In diesem ! Kampfe setzt Er höchste und äußerste Mittel ein.
Man fragt wohl, wie Gott das Furchtbare eines solchen Krieges zulassen könne. Gott hat noch mehr zugeiassen als dies. Er hat Furchtbareres zugelassen, damit Er von tiefsten inneren Schäden heilen könne. Gott ist in Seiner rettenden Liebe nicht vor dem Alleräußersten zurückgeschreckt. Er hat den „Heiligen und Gerechten" in ein namenlos furchtbares Gericht dahingegcben. Er hat Ihn dahingcgeben in den schmachvollen, blutigen Verbrechertod am Kreuze. Das ist doch ,der nicht überschreitbare Gipfel des Grauenhaften und Furchtbaren, das in dieser Welt geschah. Aber so stark, so tief und heftig ist Gottes Herz gekehrt gegen die Sünde, daß Er dieses Äußerste ge-


