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Erscheint wöchentlich einmal.
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Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mita: bei rer! Pmrrer Sperber-Caffel and die Prediger der Pilgern,,iion
b $>., Eaffel
Druck von I. G. Onclen Rachfolger, G. m
Nr. 11/12.
Sonntag, den 17. und 24. März 1918.
Die Lüge der ßttern.
Im engen Kämmerlein saß ein Etternpaar. Sie preßten die Lippen aufeinander und besprachen den heute erhaltene»
Brief des Sohnes O, wenn er sie nicht schon so oft belogen hätte, sie würden ihm vergeben, auch dieses Mal noch — ist er doch ihr ein- ziger Sohn. „Die Liebe gelogen, die Reue gelogen — jedes Wort erlogen," so dachten sie voll Bitterkeit.
„Warum, o warum müssen gerade >vir solchen Heuchler und Lügner zum Sohne haben?
Er war ein süßes Kind gewesen, sanft, fromm und gehorsam. Da fuhren sie eines Tages auf der Eisenbahn. „Wie Kt ist der Kleine?"
so fragte der Schaffner. „Fünf Jahre." „Sechs ckahre, Mutter," so uef er dazwischen »ud sah sie erstaunt an . Mutter hatte doch seinen Geburtstag gefeiert ' Mo ihm sechs Lichter um seinen Kuchen gesteckt.
r? lu ^ te doch wissen, wie alt er war.' Der Schaffner ivar gegangen, und die Mutter ivar sehr °l e gewesen. Einen „unartigen Jungen" hatte sie !
11. Iahrg.
ihn genannt, und zu Hause sollte er ganz geiviß tüchtige Schläge bekommen. Da fürchtete er sich und weinte, aber Schläge bekam er gar nicht. Bon jenem Tage an war er sehend geworden. Er merkte,
daß die Mutter log, und er tat es ihr nach! Einmal — o >vie ward er rot! Zweimal — immer öfter! Und nun >var er ein Mann geworden, ein Mann, der schlaue Geschäfte machen, der lügen und betrügen konnte.
Wie ivar's ge- kommen?
Vergiftet durch seiner Mutter Lü- gen!
„Sagen Sie mir etwas vom Heiland, etwas Wirkliches!" so bat mich einst ein weinendes Kind Ihm war das Herz vergiftet mit der ungeheuerlich, sten aller Lügen, die man mitten in der Christenheit ausschreit: „Es gibt keinen Gott!"
Er war ein braver, kleiner Bursche. Er wollte mir nicht sagen, wer ihm das Gift ins Herz geträufelt hatte. Ob es der eigene Vater war?


