Ausgabe 
20.1.1918
Seite
3
 
Einzelbild herunterladen

and deiner Kraft wäre, der HErr wird ihn noch annehmen, wenn du nur komuien wolliest. Siehe, das Volk Gottes, die kleine Schar der Kinder des Lichtes, das verachtete Häuflein der Frommen, es kann dich brauchen mit deinen Gaben und Kräften. Wenn du mit ihm ziehst, hast du tausendfache Ge­legenheit, Taten zu tun, die Eivigkeilsivert haben. Darum noch einmal die dringende Bitte:So komm nun mit uns!"

Ach, daß du dem Lockruf folgtest und ließest dich überreden wie ein Hobab und machtest dich eilend auf, mitzuziehen an die Stätte, davon der Heiland gesagt hat:Ich habe sic euch bereitet und will sie euch geben," um ewig unter der Schar derer zu wohnen, die um Seinen Thron sind und Ihm dienen Tag und ölacht l G. H.

Bekehrung.

Es war in den sechziger Jahren des vorigen Zahrhiinderis. Ich arbeiieie in einem Hüttenwerk des westfälischen Dörfchens öl. als Schmelzer. Hin und wieder wehten damals die Winde der Gnade Gottes durch das deutsche Land, und manches Herz wurde aus seinem Süudenschlaf aufgeweckt. Ich selbst war noch nicht bekehrt.

Eines Tages erhielt ich einen Brief von meinem in der Ferne weilenden Bruder. Er brachte die Botschaft, daß mein Bender Heil und Frieden-in Jesu Blut gefunden habe. Zugleich enthielt das Schreiben die dringende Bitte an mich, doch auch von »icinen sündigen Wegen, dis'nur zur Verdammnis führen könnten, umzukchren, Buße zu tun und mich ju Jesu, dem Sündcrheilnid, zu wenden.

Die Zeilen meines Bruders übten eine große Wirkung auf mich aus, aber ich kann nicht sagen: eine gute. Ich wurde im Gegenteil sehr aufgeregt md zornig und beschloß, den Brief sogleich zu bc- lUitworten und dem Schreiber ganz gehörig meine Dlciiiung zu sagen. Wie"ko»nte er sich »nterstehen, in einer solchen Tonart an mich zu schreiben! Ich auf sündigen Wegen?! Es war zu arg! So setzte ich denn einen langen Brief an ihn auf, in welchem j ich den Beweis zu erbringen suchte, daß ich stets rin gutes Leben geführt, meinen Eltern nie Grund jur Klage gegeben und nie mit der Obrigkeit zu tun gehabt habe; daß ich ferner mit ineinen Mitmenschen und Mitarbeitern im Frieden lebe und meinen Pflichten als Arbeiter treu Nachkomme, Mit einem i Worte, ich stellte mir ein glänzendes Zengnis aus.

Nachdem ich meinen Bericht beendet hatte, wollte ich ihn noch einmal durchlesen, um ihn auf Schreibfehler und andere kleine llnrichtigkeiteu hin iu prüfen. Ich las und fand Verschiedenes, was zu berichtigen war; ich las ziim zweiten Male und be- uann unruhig *u werden: ich las rum dritten Male.

und was entdeckte ich nun? Daß ich meinem Bruder nicht die Wahrheit geschrieben haitel Ich hatte ihn, mich selbst und auch Gott belogen. Mit einem Male fand ich, daß er recht hatte, daß ich in der Tat ein sündiger Mensch, ja, ein verlorener Sünder war. Bei dieser Erkenntnis begann ich zu zittern. Mein ganzes Leben trat in einer Gestalt vor mein Auge, wie ich cs nie zuvor gesehen halte. Ich war iu das Licht gekommen. Sein Geist begann in mir zu wirken.

Ich zerriß den Brief und warf ihn ins Feuer Dann setzte ich einen zweiten auf und teilte darin meinem Bruder der Wahrheit gemäß mit, daß ich ein verlorener Sünder sei und errettet werden möchte, aber nicht wisse, wie das geschehen könnte.

Ich erhielt bald eine Antwort auf mein Schreiben, aber sie brachte mich nicht weiter. Ich war jetzt überzeugt, daß ich so, wie ich war, in alle Ewigkeit verlorengehen müsse, und bemühte mich eifrig, ein anderer Mensch zu werten, suchte aber meine Hilfe nicht bei Jesu. Ich betete immer zumlieben Gott", Er möge mir vergeben und mir helfen. Ich faßte auch die besten Vorsätze, zog mich auch von Freunden und Bekannten zurück" und versuchte wirklich besser zu werden. Aber alles half nichts. Je mehr ich zu Galt betete, desto unglücklicher wurde ich, und je mehr ich mich anstrengte, ein gutes Leben zu führen, desto mehr wurde ich inne, daß ich nichts ver­mochte. Ich hatte keine Kraft, dem Bösen zu wider- stehen. Es war eine schreckliche Zeit.i Ich fühlte, daß ich verloren war, und sah doch nirgendwo einen Ausweg.

In dieser Zeit traf mich ein Unfall, der leicht den Tod hätte herbeifllhren können. Bis zu diesem Augenblick war noch nie die Frage in mir auf- gestiegen, warum eigentlich der HErr Jesus am Kreuze ans Golgatha gelitten habe. Ich sann nach: Warum ging Er ans Kreuz? War Er für Sich dort? ' Nein. Er war ja heilig und unschuldig. Also litt Er dort für andere, für fremde Schuld. Nach und nach erkannte ich: Er hat auch meine Schuld getragen I Jetzt wußte ich cs: Nicht durch Beten, durch gute Vorsätze usw. kann ein Sünder Errettung und Vergebung finden; nein, einzig und allein durch das kostbare, am Kreuze vergossene Blut Jesu Christi, des fleckenlosen Lammes Gottes

Mit dieser Erkenntnis schwanden Angst und Sorge aus meinem Herzen. Ich fühlte, Gott hatte mir alle meine Sünden um Jesu willen auf Grund des vollbrachten Erlösungswerkes vergeben. Ein seliger Friede zog in mein Herz ein. Endlich batte ich Heil und Nahe gefunden. Wie einfach erschien mir jetzt alles! Und wie hatte ich mich abqemühtl Jetzt hatte sich in der Tat alles verändert. Das Alte war vergangen und alles war neu geworden. Ich konnte nur loben und danken.

&