Ausgabe 
25.11.1917
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Verlag der Buchhandlung der PilgermHsion Kletzen.

Redakteur: Stadtmissionar Herrmann-Gießen. Mitarbeiter: Pfarrer Sperber-Cassel und die Prediger der Pilgermission. Druck von I. G. Lucken Nachfolger, G. m. b. H Cassel.

Nr. 47.

Sonntag, den 25. November 1917.

10. Iahrg.

Totenfest.

Ein Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er blüht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind darübergeht, so ist sie nimmer da, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr." Ps. 103, 15. 16.

Nach der ererbten Sitte erblicken viele unserer Volksgenossen im Totenfest den Tag, an welchem man eine Pflicht der Liebe und der Dankbarkeit an den Verstorbenen erfüllen darf. Man ehrt die Toten mit liebevollem Gedenken, mit dem Vorlesen ihrer letzten Briese und mit mancher Träne der Wehmut. Tausende gehen zu den Begräbnisstätten, um Kränze auf die teuren Gräber zu legen; man­ches Bild daheim an der Z mmerwand wird mit Blumen geschmückt, um den geliebten Menschen zu ehren und ihm zu erweisen: Du bist unvergessen, wir lieben dich noch wie einst! Aber wie unent- behrlich auch ein Mensch zu sein schien das Leben geht seinen Gang, und immer wieder erleben wir die große, ernste Wahrheit:Der Mensch, wie Gras sind seine Tage; wie die Blume des Feldes also blüht er, denn ein Wind fährt darüber, und sie ist nicht mehr, und ihre Stätte kennt sie nicht mehr!" Der Verstorbene ist weggenommen von der Stelle, wo er voll Hoffnung und Freude, m Jugendkraft prangte. Wie wehmütig, wie ernst und doch: unabänderlich!

Die Toten sind nun alle vor Gott, ihr Erden­leben ist abgeschlossen. Wir Menschen wischen uns die Tränen von den Augen um der zerbrochenen Hoffnungen und um der Liebe willen, die da be­graben liegt. Wir können nichts mehr hinzufügen an Liebe und Treue, und wir können nichts mehr ändern an dem, was wir versäumten. Des Todes stille Majestät verkündet an den Gräbern den ge­waltigen Ernst der Ewigkeit, der Verantwortlichkeit des Menschen und der Wahrheit des heiligen Wortes Gottes. Darum steht auch in der Bibel hinter dem Worte von der Vergänglichkeit:Die Blume ist »bgesallen" das andere:Aber das Wort des

HEr.rn bleibt in Ewigkeit. Dies aber ist das Wort, welches unter euch verkündigt worden ist." (1 Petri l, 25.)

Jedoch bedenke: Alle Grabstätten reden nicht zu den Toten, sondern zu den Lebenden. Wir Menschen rühmen dankbar die Taten, die Liebe und Treue unserer Helden. Ja, das ist uns ein Bedürfnis, wir möchten ein Denkmal aufrichten, ein Denkmal in »njeren Herzen für die Liebe und Treue, die sich für uns geopfert hat; wir möchten, daß dieser hochragende Denkstein leuchtend bewahrt bleibe inmitten der Fluten der Alltäglichkeit des Lebens, durch welche wir hindurchschreiten müssen.

Und doch, du lieber Mensch, der du so gern deine Toten dankbar ehren möchtest, weißt du, daß gerade auf diesem Gebiet deines Lebens größter Mangel und deines Herzens tiefste Versäumnis ist? Da ist Einer für dich gestorben, der dich unendlich liebte, der nie das Eigene suchte, der alles, was Er war und hatte, gab und opferte für dich. Er kämpfte und siegte ob in dem großen Kampfe wider Satan, Sünde. Welt und Tod Er kämpfte und siegte, litt und starb für dich. Du aber hast Ihm dein Herz doch nicht geöffnet und Seiner Liebe doch nicht gedankt und hast Ihm nicht gewährt, um was Er dich bat Dieser Eine, Jesus Christus, der Sohn Gottes, war die Liebe in Person, und aus Seinem Angesicht leuchtete die Gnade und das Erbarmen Gottes

Darin besteht der Mittelpunkt und das Fun­dament wahren Christentums, daß wir in Sünden geborenen Menschen mit unserem oft so harten und eigenivilligen Herzen, mit unserer sündenbefleckten Vergangenheit diese Wahrheit, diese Wirklichkeit er­greifen : Jesus starb für mich ! Er ist aus dem Himmel gekommen und auf-Erden erschienen. Er ist den Weg von der Krippe bis zum Kreuze gegangen mit tausend Schmerzen, welche Ihm die Sünde der Menschen bereitete. Er hat Sich beladen mit meiner Schuld, Er ist als mein Bürge in das Gericht des heiligen Gottes getreten. Das Urteil,