Ausgabe 
23.9.1917
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jungen Manne, dem Sohne frommer Eltern. Von Jugend auf war er in der Zucht und Vermahnung zum Herrn erzogen worden. Aber als die bösen Buben lockten und die Sünde lustig erschien, da folgte er dem Triebe seines bösen Herzens und wurde liederlich. Sein Vater ermahnte ihn ernst. Aber es war ihm lächerlich. Seine Mutter weinte bittere Tränen. Aber es war ihm nur lächerlich. Sein Vater hielt ihm Gottes feierlichste Warnungen und Drohungen und freundlichste Einladungen vor. Aber das war ihm erst recht lächerlich. Mit seinen lieder- lichen, gottlosen Gefährten durchzog er die Schenken und schlimme Stätten der Sünde.

Und wenn nur das eigene Geld zu solchem Lumpen- leben hinreichen wollte! Aber eines Morgens erwachte er nach wüst dnrchschwärmter Nacht zu der Tatsache, daß er nicht nur all sein Geld durchgebracht hatte, sondern daß er auch hohe Sauf- und Spielschulden obendrein hatte. Da flüsterte der Teufel ihm zu:Greif in die Kasse deines Prinzipals, der hat doch zuviel für sich und merkt's nicht." Einmal gelang's. Freilich, sein Ge­wissen strafte ihn. Aber es war ihm lächerlich. Da als er's wieder versuchte, wurde er abgefaßt und der Polizei übergeben. Da war's ihm nicht mehr lächerlich Als der Richter ihn zu drei Jahren Zuchthaus verurteilte, da war's ihm auch nicht lächerlich. Und nachdem die drei Jahre vergangen waren und er nun, mit dem Brandmal im Gewissen und mit dem Zuckthausstempel in seinen Papieren, wieder ins Getriebe des Lebens hinaus mußte, da war's ihm erst recht nicht mehr lächerlich. Ja, furcht­bar ernst ist das Leben und furchtbar ernst ist der Tod.

£, daß doch alle leichtsinnigen Jünglinge den Weg j Zum Kreuze Christi finden möchten, der auch einen reumütigen Schächer begnadigte, der auch für die frechen Spötter unter seinem Kreuze noch betete! Ta, Jesus nimmt die Sünder an, das wollen dir, lieber Leser, diese Zeilen wieder einprägen. Ach, laß es dir nicht lächerlich erscheinen! Denn dieser Jesus wird wiederkommen und als Richter der Welt alle,^ alle, auch die frechsten Lästerer und leicht- smnigsten Lacher vor seinem Throne versammeln. Da wird es heißen zu Seinen Freunden:Kommt her,

> h r G e s e g n e t e n Meines Vaters!" und zu den Spöttern und Verächtern:Geht hin, ihr Ver­fluchten, in das ewige Feuer!" Das ist dann nicht mehr lächerlich. Das ist furchtbarer Ernst.

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Aorderurrg Kottes.

Wer seine Missetat leugnet, dem wird's nicht Klingen, wer sie aber bekennt und läßt, der wird Barmherzigkeit erlangen."

Tut Buße! Das war die bestimmte Botschaft Johannes des Täufers. Auf den ersten Blitk scheint

sich dieselbe mit dem Evangelium der Liebe, das Jesus predigte, schlecht zu reimen, und doch ist sie ein Teil desselben Evangeliums. Buße muß immer der Vergebung und dem Frieden vorhergehen. Viel- leicht haben wir's gerade in unseren Tagen besonders nötig, daran erinnert zu werden. Viele von uns vergessen, was für ein schreckliches Ding es um die Sünde ist, und nehmen es damit zu leicht, von den Sünden befreit zu werden. Wir haben nicht den richtigen Begriff von Gottes Vergebung, wenn wir glauben, es handle sich dabei nur um ein schnelles Vergessen, daß wir Unrecht getan haben. Jesus kam nicht nur, um uns von der Strafe der Sünden zu befreien; Er kam, um uns von den Sünden selbst zu befreien, indem Er uns ermöglicht, für immer von ihnen loszukommen. Wenn wir unsere Sünden nicht bereuen, können wir nicht Vergebung haben.

Wir müssen auch darauf bedacht sein, gründlich zu Werke zu gehen bei unserer Buße. Buße ist nicht nur so ein kleiner Gewisiensbiß über ein begangenes Unrecht, nicht nur ein Tränenstrom in Erinnerung an geschehene Sünde, nicht mir das Schamgefühl, sich bei einer niedrigen Handlung, einer Unlauterkeit, Unehrenhaftigkeit ertappt zu sehen. Es ist eine Um­wälzung des ganzen Lebens. Bereute Sünden Müssen für immer darangegeben werden. Buße ist Sinnes­änderung, ein Wenden des Antlitzes gerade nach der entgegengesetzten Richtung hin. Wir müssen mit aller Bestimmtheit darauf bedacht sein, die Sünde, welche wir beklagen, wirklich immer auch anfzngeben, das Unrecht, das wir begangen, wieder gutzumachen und uns von der Missetat, die wir bekennen, ent­schieden abzuwenden.

Wie viele Leute haben nur das halbe Evangelium angenommen! Sie wissen viel zu reden vom Glauben, aber nur sehr wenig von Buße. Sie bedenken nicht, daß ein Glaube, der nicht zu wahrer, echter Buße führt, kein seligmachender Glaube ist. Wer eine Sünde beweint und bekennt mit dem geheimen Vor­behalt, wieder zu ihr zurückzukehren, darf nicht glauben, daß ihm vergeben ist. M.

Der Aufass.

Vor einigen Jahren machte eine englische Dam« eine Seereise. Unterwegs fragte sie einen Matrosen: Wie lange wird die Überfahrt dauern?"

Wir werden sie, so Gott will, in vierzehn Tagen machen," antwortete der Matrose.

So Gott will? Dummes Geschwätz," erwiderte die ungläubige Dame.Wissen Sie nicht, daß alles, was geschieht, vom Zufall abhängt?"

Einige Zeit nachher brach ein heftiger Sturm aus, und das Schiff litt große Gefahr. Im Augen blick, wo der Wind ' am wütendsten war, sah die englische Dame, welche unter dem Druck der Todesangst