zu überreden, mit ihm zu kommen. Frau Mütter redete ihrem Manne dringend zu, der Einladung Folge zu geben, und sie hatte auch schon oft davon gesprochen, wie gut es sei, wenn einer einmal anfange, recht fleißig in der Bibel zu lesen und sich nach Gottes Wort zu halten; allein sie las selber nicht darin, und Jesus war auch ihr eine ferne, unbegriffene Persönlichkeit. Wie sollte da ein Blinder den anderen Blinden leiten können?
Entsetzt fuhr Mütter eines Tages zusammen, als er durch die Türspalte seinen Joseph erblickte. Das Kind hatte die Flasche, die der Vater heimlich leeren wollte, mit beiden Händchen gefaßt und war so gierig, dieselbe zum Munde zu führen, daß es den Vater erst hörte, als dieser sein „Halt!" mit bebendem Tone rief, wobei es ihm war, als habe
er sein eigenes Bild im Tun des Söhnleins ge
sehen. Ein Schlag fuhr ihm durch Mark und Bein. Er nahm dem Kinde die Flasche fort, beseitigte sie, ohne selbst daraus zu trinken, und als ihm der Hausgenosse begegnete, teilte er demselben den Wunsch mit, ihn in die nächste Bibelstunde zu begleiten. Dem stand natürlich nichts entgegen; der Gang wurde gemacht, und Wilhelm Mütter hörte zum
erstenmal die frohe Botschaft von Jesu Erlösungsmacht ganz einfach und klar verkündigen, was ihn tief ergriff. Dies brachte ihn zu dem Ent- schluß, solche Stunden öfter zu besuchen, und unter dem Schalle des göttlichen Wortes fühlte er bald die Sehnsucht, ein anderes Leben beginnen zu können, denn was sollte aus ihm selbst und aus seinen Kindern werden, wenn es so weiter mit ihm ging ?
So oft er sein Söhnchen ansah, brannte sein
Gewissen, und durch das Hören des Wortes Gottes erkannte er seine Sünde immer tiefer, und dann strahlte Gottes vergebende Liebe so hell in sein Herz, daß er dem Heiland sein ganzes Leben hingab.
Von dieser Zeit an ist es in seinem Hause behaglicher geworden; er hat den Arbeitslohn jetzt regelmäßig nach Hause gebracht; die Kinder gehen reinlich gekleidet, und der Friede ist ein gewohnter Gast bei dem einstigen Raufbold geworden, den vor- mals die Schlägerei ins Gefängnis führte. Manche Stürme von Krankheit und Not sind seither noch über die Familie Mütter dahingeweht; allerlei Leid und kärgliches Auskommen waren oft ihr Teil; aber Gottes Wort ist ihr auch in den schwersten Tagen Halt und Licht geblieben, und fröhlich verkünden es Eltern und Kinder, wie glücklich sie wurden, als der Vater den HErrn Jesum fand, der bei ihnen ein- kehrte als bester Freund in allen Lebenslagen. Sein Neues Testament trägt Müller stets in seiner Tasche bei sich, und der kleine Joseph sieht den Vater immer wieder darin lesen. Ja, alle Worte des heiligen Bibelbuches sind Wahrheit, auch dieses: „Er wird die
Herzen der Väter bekehren zu den Kindern." Js D
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praktische Beweisführung eines Weiöes.
„Was bringst denn du, Marie?" fragte Janson seine Frau, als diese in das Wirtshaus trat
„Es ist so einsam und langweilig, allein zu Hause zu sein. Dich hält deine Beschäftigung so oft fern," entgegnete die kluge und resolute Frau „Ich habe sonst keinen Umgang als nur dich, und wenn du nicht zu mir kommen kannst, so muß ich zu dir kommen. Ich habe das Recht, sowohl deine Sorgen, als deine Vergnügungen, Freud' und Leid mit dir zu teilen!"
„Aber hierher in die Wirtschaft zu kommenl" rief Janson entrüstet.
„Wo mein Mann sich aufhält, das kann auch für mich kein unpassender Ort sein," erwiderte die arme Marie. „Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden."
Sie nahm das Glas mit Likör, welches der Wirt gerade für ihren Mann hingestellt hatte. „Aber du wirst doch nicht davon trinken wollen?" brachte Janson in höchster Bestürzung hervor.
„Warum denn nicht? Du sagst, daß du trinkst, um deine Sorgen zu vergessen, ich habe wahrlich auch Sorgen, die ich vergessen möchte."
„Weib, Weib, du willst doch nicht etwa dem Kinde von dem Branntwein geben?I" schrie Janson auf, als sie das Glas ihrer Kleinen hinschob.
„Warum denn nicht? Können die Kinder ein besseres Vorbild haben als das, welches ihr eigener Vater ihnen gibt? Ist nicht das, was für ihn gut ist, auch gut für sie? Schläfert der Branntwein sie nicht ein? Und die Kinder wollen gern vergessen, daß sie verfroren und hungrig sind. Trink doch, mein Kindchen, das ersetzt dir den warmen Ofen und das Bett, Brot und Kleider. Trink nur, du siehst doch, wie gut es deinem Vater tut!"
Scheinbar widerstrebend ließ sich Marie von ihrem Manne nach Hause bringen. Diese Nacht kämpfte er lange mit sich selbst. Dann aber faßte er einen neuen und festen Entschluß, den er auch durch Gottes Gnade durchführte. Marie ist jetzt ein sehr glückliches Weib und denkt noch oft mit einer gewissen wehmütigen Freude an ihren ersten und letzten Besuch im Wirtshaus zurückl Aber Janson ist nicht nur kein Trinker mehr, sondern er hat seine Sünden vor Gott und Menschen bekannt , und Friede mit Gott gefunden durch Jesu Blut und Opfertod.
K
Kehre um!
Gott hat gerechte Ansprüche an dich. Er tritt aber bittend vor dich Er hat dich erschaffen. Du lebst durch Seine Güte und verdankst Ihm alles, was du bist und was du hast.


