Ausgabe 
5.8.1917
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Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen." (Ebr. 10, sl.) Als Belsazar zum Mahle kam und es sich mit seinen Freunden Wohlsein ließ, wie fern lag ihm da der Gedanke, daß er noch in derselben Nacht Reich und Leben verlieren würde! Reichtum, Freude und Genuß umringten ihn. Aber ach l Das Glück dauerte nur wenige Augenblicke. Kaum war die Menschenhand an der Wand erschienen, da malten sich Schreck und Entsetzen auf jedem Angesicht. Die Freude war verschwunden, die lästerlichen Worte und stolzen Reden verstummten, und noch in der­selben Nacht wurde das Gericht Gottes vollzogen. Entsetzliche Veränderung! Vom Weiugelage ab- gerufen zu werden hin vor dem Richterftuhl des lebendigen Gottes, um aus dem Munde Gottes die Worte zu hören:Gewogen und zu leicht erfundenl" Welch ein Ende mit SchreckenI

Mein Leser, auch du gibst dich den Freuden der Welt hin. Aber was würdest du sagen, wenn heute abend Gottes Hand in deinem Zimmer' erschiene und da schriebe:Deine Tage sind gezählt; du bist gewogen und zu leicht erfunden worden!"? Wahrlich, du würdest, zittern und beben; und du würdest Ursache dazu haben, denn gewogen und zu leicht erfunden zu werden, ist eine ernste, schreckliche Sache. Du würdest für ewig verloren sein; die Arme einer ewigen Verdammnis würden dich umschlingen.

Wenn man Belsazar während des Festes gesagt hätte, er würde noch in derselben Nacht von seinen Feinden getötet werden, so würde er wohl gelacht oder gar den unliebsamen Siörenfried ins Gefängnis geworfen haben; und doch ereilte ihn der Tod, ehe die Sonne wieder aufging. Ganz ähnlich ergeht es vielen Tausenden. Alle Warnungen in den Wind schlagend, gehen sie auf ihren Wegen voran, bis cs plötzlich für sie zu spät ist.

O möchtest du ihnen nicht gleichen.! Möckitest du beizeiten dem Verderben entrinnen! Es steht geschrieben:Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach aber das Gericht." (Ebr. 9, 27.) Kommt der Tod, so ist dein Los für ewig ent­schieden. Nach dem Tode gibt es keine Gnade mehr. Stirbst du in deinen Sünden, ohne Jesum, so ist ein gerechtes Gericht das einzige, das deiner wartet. Gewogen und zu leicht erfunden vor den Richterstuhl Gottes gestellt und für ewig verurteilt!

Noch ist es Zeit. Ein Weg des Entrinneus ist für dich gebahnt. Dieser Weg ist Christus und Sein kostbares Blut. Gott wollte nicht, daß du verlorengehen solltest, und darum sandte Er einen Mittler, einen Heiland, herab, Jesum Christum, Seinen eingeborenen Sohn. Und dieser Jesus starb für dich am Fluchholz. Durch Ihn ist der Zugang zu Gott nun offen. Wer mit Aufrichtig.

keit des Herzens als ein verlorener Sünder zu Ihm sich wendet, empfängt Vergebung seiner Sünden ««ö kommt nicht ins Gericht.

K

Unser Soli».

Ein weiser Sohn ist seines Vaters Freude; aber ein törichter Sohn ist seiner Mutter Grämen?" s<Lpr. 10, 1.) Diese Worte sind noch heute wahr, und sie werden es bleiben. Welch ein Glück ist es doch für beide Teile, wenn Eltern in ihrem Alter mit Freude auf ihr Kind blicken dürfen! Und un­nennbar wird die Wonne sein, wenn Vater und Mutter am großen Offenbaruugstag der Ewigkeit vor dem Throne Gottes stehen und sagen dürfen:HErr, hier sind wir, und da sind auch unsere lieben Kinder, die Du uns gegeben hast. Es ist derselben keins verlorengegangen!"

Wie oft ist's anders, ganz anders! Ich hatte einen Kameraden, der seiner Eltern einziger Sohn war. Mit zärtlichem Stolze sah der Vater auf ihn, mit unermüdlicher Liebe umgab ihn die gute Mutter, bis sie starb, als ihr Heinrich fünfzehn Jahre alt war. Der Junge kam in die Lehre zu einem Messer- schmied. Nach Jahresfrist war er zu Besuch daheim, ein stattlicher Bursche. Der alte Vater wußte nichts Besseres zu tun, als ihn mit ins Wirtshaus zu nehmen, dort die Messer zu zeigen, die der Heinrich gemacht hatte, und stolz nickte er dem hoffnungs- vollen Sohne zu:Trink, mein Junge, trink!" Am Abend wankten sie beide heim, der Alte und der Junge!

Jahre vergingen, da kam ein Fremder ins Dorf, den niemand kannte. Die Sünde hatte den Mann gezeichnet, das Laster ihn ruiniert. Mit hohlen Wangen und stierem Blick schlich er scheu am Abend durch den Ort zum Hause des Vaters. Der Messer- schmied war's, des Vaters einziger Junge. Dort gab's eine traurige Begrüßung. Tann folgte ein mouatelanges, hofsnungsloses Siechtum und schließlich ein trauriges Ende. Als ein Opfer des Trunkes und der Ausschweifung sank eine frühgeknickte Mcnschen- blüte ins Grab. Die ehemaligen Schulfreunde schritten hinter Heinrichs Sarg. Und als die Erd­schollen dumpf auf den Sargdeckel rollten, da gellte ein durchdringender Schrei aus der Menge über den Friedhof Der gramgebeugte Vater brach zusammen und raufte sich das spärliche graue Haar mit der ergreifenden Klage:Mein Junge, mein armer

Junge!" Mir ward dieses Erlebnis, zur Lehre. Wie ein aufgehobener Finger der Warnung steht das Bild noch heute vor mir!

Was soll aus dem Kindlein werden?" Sv wurde gefragt bei der Geburt Johannis des Täufers. Diese Frage steht über jedem jungen Menschen ge­schrieben. So fragen die Engel im Himmel, die sich interessieren um unseren Werdegang, so fragen aber auch die Teufel in der Hölle, die des Menscher