In dieser Welt ist natürlich dieser Friede nicht zu suchen und zu finden. Noch immer wütet die Kriegsfurie. Der Kampf der Parteien ist noch nicht verstummt, der Religionshaß hat noch nicht aufgehört. In vielen Familien herrscht Zank und Streit.
I Es kann ja auch nicht anders sein, solange Satan ' sein Werk hat in den Kindern des Unglauben?.. Aber Tausende, ja Millionen Seelen haben diesen durch Jesu Blut gestifteten Frieden im Glauben erlangt. Er wird im Herzen des mit Gott versöhnten Sünders eine Realität.
Mein teurer Leser, hast du diesen Frieden durch das Blut des Kreuzes? Wenn du ihn noch nicht hast, ivillst du idn dir nicht von Jesu schenken lassen? Oder willst du ihn nicht eher suchen, bis dein Lebensschifslcin in der Brandung des Todes- jordans zerschellen wird? Friede ist nur in Jesu Wunden und Blut zu finden. Jesus möchte einem jeden Seinen Frieden schenken. Er hat ihn gestiftet am Kreuze durch Sein Blut; der Sünder braucht sich »ur zu Christo zu wenden, und er ivird erfahren, daß Jesu Blut „rein macht von aller Sünde". Darum komm zu dem Blute der Besprengung, und du wirst jubeln können:
..Ties Blut sei all mein Leben lang Die Quelle meiner Lust;
Das bleib' mein ew'ger Lobgesang An meines Heilands Brust!" O K.
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Die Sünderin in einem vornehmen Kaufe.
| lLrrk. 7, 36-50.)
I Wir befinden uns in der luftigen Halle eines
behäbigen jüdischen Hauses. In welcher Stadt es war, wird nicht gesagt. Wohl aber, daß der Besitzer Simon hieß und zu den Pharisäern gehörte. Von dem Besten, was Jesus bieten konnte, hat dieser Mann keine Ahnung. So ist auch der Empfang, den er als Hausherr dem Gaste bereitet hat, ein sehr kühler gewesen. Er hat Ihm noch nicht einmal Wasser gegeben. Seine Füße zu waschen. Es scheint, daß er auch nicht für nötig gehalten hat, die Jünger Jesu mit einzuladen.
Warum hat er überhaupt den Heiland zu Gaste l gebeten? Nun, auf alle Fälle war dieser Jesus ein
» interefianter Mann, ein Mann, der gewaltiges Auf-
f sehen machte. Da lohnte es sich schon, Ihn „kennen zu lernen". Vielleicht konnte man auch die Überlegenheit seiner Weisheit an Ihm beweisen und Ihn in große Verlegenheit bringen. So hat er denn auch seine Freunde eingeladen. Jesus hatte die Einladung ^ angenommen. Sorglos wie ein Kind tritt Er über die ungastliche Schwelle. Man könnte auch sagen: Er tritt ein majestätisch wie ein König, wie ein König, der es weiß, daß Er siegt und herrscht, wo immer Er Sich befindet.
! Man speiste noch, man unterhielt sich lebhaft,
£ da ereignete sich „ein Zwischenfall" von sehr unlieb
samer, ja, wie die Pharisäer gesagt haben werden, ärgerlicher Art. Aber gerade dieser Zwischenfall sollte dies Mahl zu einem der berühmtesten und segenvollsten in der ganzen Geschichte der Menschheit machen.
Ein ungeladener Gast, und zwar ein Gast der bedenklichsten Klasse, tritt ein. Es war obendrein ein Weib, ein Weib, welches so tief gesunken war, wie überall nur ein Weib sinken kann. Ach, nicht nur die Tugend, nein, auch das Laster feiert seine Triumphe in dem Weibe. Und diese hier hatte es soweit getrieben, daß sie in der ganzen Stadt schlechthin „die Sünderin" hieß.
Wie sie soweit heruntergekommen ist, ob die Erziehung eine schlechte war, ob sie vielleicht sehr schön war und törichte Eltern und andere Menschen das Kind schon eitel machten und zur Selbstvergötte- rung anleiteten, ob nicht der Mann, der zuerst ihre Unschuld zu Falle brachte, ein viel größirer Sünder war als sie, von dem allen wird uns nichts gesagt.
Genug, das Weib tritt ein. Ihre Augen sind zur Erde gesenkt, ihre Haare sind aufgelöst und umgeben sie wie ein Schleier; ihre Lippen beben, ihr Herz bebt, ihre Füße beben. Aber mit diesen bebenden Füßen schreitet sie dennoch geradeswegs zu Jesu hin. Sie bittet den Hausherrn nicht um Entschuldigung wegen ihres Eindringens. Sie sagt überhaupt kein einziges Wort. Sie ist ein schweigendes Weib. Sie hört auch niemand in dem ganzen Kreise; sie sieht auch niemand. Für sie ist nur Einer da — Jesus. Zu Seinen Füßen sinkt sie hin und fleht Ihn an um Sein Erbarmen. Nein, wenn man nur mit Worten flehen kann, dann fleht sie nicht. Sie ist ja ein schweigendes Weib. Und doch fleht sie und dankt zugleich ohne Worte. Oder verstehst du diese Sprache nicht, wenn sie die Füße Jesu mit ihren Tränen netzt, wenn sie damit von ihrem ganzen bisherigen Leben nur dies eine sagt, daß es beweMenswert ist — ? Und wenn sie diese Füße jetzt wieder mit ihrem auf- gelösten Haupthaar, dem Stolz des orientalischen Weibes, trocknet, wenn sie diese Füße ehrfurchtsvoll küßt (nur die Füße! auch nur Seine Hand zu küssen, hält sie sich nicht wert); wenn sie dann diese Füße mit köstlicher Salbe salbt — die Füße! während man doch sonst, sogar bei einem König, nur das Haupt für wert hielt, gesalbt zu werden, verstehst du nicht die Flut von Dank und Liebe in solchem wortlosen Gebühren? Könnte es eine mächtigere Predigt von der Liebesherrlichkeit Jesu geben?
Ja, das ist die ergreifende Beredtsamkeit einer Taubstummen. Sie ist vollständig taub für alle Menschen ringsumher, mögen sie sagen, was und verklagen, wie sie wollen. Sie ist stumm gegen die ganze Welt; sie denkt nicht daran, sich zu verteidigen. Ihr ist es nur um eins zu tun, dem Heiland ihre glühende, dankbare Liebe zu beweisen. Und sie redet davon schweigend, und dies Schweigen ist Majestät (Ach, wie oft könnten auch wir groß sein durch heiliges Schweigen, während wir die scheinhaftiae Majestät


