dem, der seinem Nächsten zu trinken gibt und ihn trunken macht!" (Hab. 2, 15.) Ja, wehe allen denen, die das Brot der Armen nehmen und machen Gifttrunk daraus!
Wer noch ein wenig Gottesfurcht hat und Liebe zu unserem armen und verführten Volke, der ergreife das Banner des Kreuzes und ziehe mit in den Feldzug gegen den Trunk, die Sünde und Schande. Die Sünde muß zerstört werden.
Jesus kam, um die Sünde hinwegzutun und mit ihr für immer ein Ende zu machen. Was bedeutet das Wort: „Gott sandte Seinen eigenen Sohn in der Gestalt des sündlichen Fleisches um der Sünde willen und richtete so die Sünde im Fleische hin ..."? (Röm. 8, 3.) Es kann nichts anderes bedeuten als, daß Christus die Sünde „hingerichtet" oder „verdammt" hat. Doch wie konnte Christus die Sünde hinrichten? In Kor. 5, 21 steht: „Gott hat Den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir in Ihm Gottes Gerechtigkeit empfangen."
Wie wunderbar! Gott machte Seinen Sohn für uns zur Sünde. Er legre alle unsere Sünden auf Ihn. Der gekreuzigte Christus ist das Gotteslamm, das der Welt Sünde getragen hat. . Er starb einmal für unsere Sünden als Gerechter für Ungerechte, um uns zu Gott zu führen. Sünder, sieh nach Golgatha! Warum hängt der Sohn Gottes todesbleich am Kreuze? Petrus sagt: „Er hat unsere Sünden an Seinem Leibe selber aufs Holz hinaufgetragen, damit wir, von der Sünde befreit, der Gerechtigkeit leben." Das war der Grund, weshalb Christus starb. Unsere Sünden wurden hingerichtet. Deine und meine Sünden, die Sünden unseres Volkes, alle, die große Menge, sic wurde abgetan. Das bedeutet das Wort vom Kreuze.
Das hat auch unserem HErru das Leben gekostet. An Seinem Leibe richtete Gott die Sünde der ganzen Welt. O wunderbare Stellvertretung! Hier ist ein Bürge, der starb für dich« Sein Blut ist deine Rettung; Sein Tod, der Tod aller deiner Sünden. Wer den Geist des Glaubens hat, kan» diese Stellvertretung verstehen: „Von der Übertretung Meines Volkes ward Er zu Tode getroffen." (Jes. 53, 8.)
Nun kann Gott uns alle Sünden vergeben, und Seine Gnade kann uns mit Ihm wieder gutmachen. Kein Mensch muß ein Triumph der Hölle werden. Für alle gibt es Heil und Leben. O höre diese Botschaft! Das Werk von Golgalha ist das Werk der Erlösung. O Wunder der Gnade! Hier lerne anbeten! I. V.
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^Lukas 19.
Seit einen: Jahre war Hans Werner Soldat: dem großen, straminen Burschen sah man seine ehemalige Kränklichkeit nicht mehr an. Unter seine:: Kameraden war er in mancher Beziehung tonangebend, doch war sein Einfluß leider kein guter. Hans fragte nichts nach Gott und suchte mit nie ermüdendem
Spott seine christlichen Kameraden vor den anderen lächerlich zu machen, wenn diese still dasaßen beim Lesen der Bibel. Da er sich im Dienste tadellos
hielt, war er bei seinen Vorgesetzen gut angeschrieben. So lebte er sorglos dahin und ging auf dem breiten Wege immer mehr dem Abgrund zu.
Ein fremder Oberst, der den HErrn liebte, suchte durch sein Zeugnis seine jungen Kameraden für Jesum zu gewinnen; von einer Garnison reiste er in die andere und kam auch schließlich nach S.,
wo Hans war. Die Versammlung des Obersten
wurde angekündigt und alle Soldaten freundlich eingeladen. „Möcht' schon wissen, was uns der Alte erzählen will," dachte Hans, und die Neugierde trieb ihn in den schon dichtbesetzten Saal, wo er in den letzten Reihen noch ein Plätzchen fand. Bald trat ein freundlich aussehender alter Herr an das Pult, und die Versammlung wurde eröffnet; ein Lied wurde gesungen, und dann betete der Oberst in herzlichen Worten, daß der HErr ihn doch dazu gebrauchen wolle, Ihm recht viele Seelen zuzuführen.
Als das Gebet beendet war, griff der Oberst nach seiner Bibel und rief mit frischer Stimme in den Saal hinein: „Lukas 19!" Plötzlich erscholl aus den letzten Reihen als Antwort darauf ein lautes: „Hier!" Es war Hans, der kerzengrade dastand, als habe ihn jemand gerufen. Einen Augenblick war der verdutzte Hans der Zielpunkt vieler Blicke, verwundert traf ihn der Blick des alten Herrn, der sich jedoch durch den seltsamen Zwischenfall nicht stören ließ, sondern bald in beredten Worten das Elend der Verlorenen an dem Beispiel des Zachäus schilderte und dann mit großer Freude auf Den hinwies, Der gekommen ist, das Verlorene zu suchen und seligzumachen. Zum Schluffe bat der Oberst alle die, die Jesum noch nicht als ihren HErrn angenommen hätten, sich Ihm doch endlich zu ergeben. Jeder, der ihn etwas fragen wollte, sollte nach Schluß der Versammlung herzlich willkommen sein.
Die Leute fingen an, ihre Plätze zu verlassen, Hans war es ganz seltsam zumute; ja, er mußte mit dem alten Herrn sprechen, von ihm Aufklärung haben über das, was ihn so bewegte, und so nahte er sich der kleinen Schar, die am Pulte stand. Ver- wundert schaute ihn der Oberst an, trat jedoch freundlich zu ihm und sagte: „Nun, mein junger Freund, was war's doch, daß Sie erst so laut riefen? Ick, kann mir von Ihnen nicht denken, daß Sie die Versammlung stören wollten!" Hans war unter


