Burschen von achtzehn Jahren ein und verlangten auch jeder einen Likör; der Wirt gab ihnen ohne weiteres das Verlangte.
Der abgewiesene Trinker war stehengeblieben und hatte das mit angesehen. Dann wandte er sich an den Wirt und sagte: „Vor zwölf Jahren war ich auch so ein Bursche wie die da: so jung und frisch, so hoffnungsvoll. Meine Eltern setzten ihre ganze Hoffnung auf mich, und ein Nachbarskind tat's auch. Und da ließ ich mich von anderen verleiten, in Wirtschaften zu gehen und Branntwein zu trinken. Da war kein Wirt, der mir sagte: „Nein, Sie kriegen nichts," sondern man schenkte mir bereitwillig ein. Die Wirte haben mich erst recht zum Trinken verführt. Nun bin ich ein Trinker, und \ Sie haben recht, ich habe schon am Säuferwahnsinn gelitten. Meine arme Mutter ist am gebrochenen Herzen gestorben, da ich im Rausche ein schweres Unrecht getan habe. Meine Frau konnte es bei mir nicht aushalten und hat sich wieder zu ihrem Vater geflüchtet. Und ich bin ein unnützer, kranker, unglücklicher Mensch, dem nicht mehr zu helfen ist. Sehen Sie, mir können Sie ganz ruhig ein Schnaps- chen geben, daß ich mein Elend vergesse. An mir ist nichts mehr zu verderben. Aber wenn Sie ein Herz im Leibe haben, geben Sie diesen jungen Burschen das Gift nicht! Sonst werden sie das, was ich geworden bin. Ich bin verloren, diese brauchen aber nicht verlorenzugehen. Um Gottes willen, geben Sie ihnen keinen Tropfen Branntwein."
Dem Wirt wurde unheimlich bei dieser Rede, und die beiden jungen Leute sahen sich betroffen an und gingen, ohne ihr Glas berührt zu haben.
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Weginn und Knde eines Mranntrvein- LrinKers.
Ich denke noch oft an meine Lehrzeit zurück, welche ich in Schlesien verbrachte. Dort im Hanse meines Lehrmeisters wohnte ein Mann, der dem Trünke tut höchsten Grade ergeben war. Er und seine Frau gingen auf das herrschaftliche Gut als Tagelöhner, ihr einziges Kind mußte inzwischen bei anderen Leuten untergebracht werden. Die Frau mußte vor ihrem Manne alles, Keller, Stall und Wohnung, verschließen; nichts war ihm zu gering oder zu wertvoll, um es für Branntwein hinzugeben. Noch oft sehe ich die Tränen der Frau, wenn es ihm doch gelungen war, die Tür zu erbrechen oder durchs Fenster zu steigen, um irgend etwas zu erhaschen, selbst die Betten gab er für das Getränk dahin. Um es kurz zu bezeichnen: Es war ein schreckliches Elend in dieser Familie. Da wurde der Mann krank und lag zu Bette, und nach einigen Tagen hörte man ihn häuserweit schreien vor Schmerz. Wir Lehrlinge schliefen über seiner Wohnung, da hörten wir zu unserem Entsetzen ihn überlaut bitten:
„Schlagt mich doch tot! Ich halte es nicht aus: Ich verbrenne!" Nach einigen Tagen war er tot; der Branntwein hatte wirklich gebrannt, man konnte ihn nirgends anfassen, weil alles verbrannt ivar. Mit dem Bettuch legte man ihn in den Sarg. Der Anfang geschah in seinem siebzehnten Jahre, wo ihm ein Arbeitskamerad an einem kalten Tage die Flasche reichte mit den Worten: „Trink einmal, dann wirst du warm werden!" Er hat dann fortgetrunken und ist in den Abgrund versunken. Lieber Leser, hüte dich vor dem ersten Trunk, und der du trinkst, kehre bald um, ehe es zu spät ist.
Eine einzige Rettung gibt es für solche und alle in Sünden Tote. Der HErr Jesus schildert uns I im Gleichnis vom verlorenen Sohne das Mittel: Rückkehr zum Vater. Gott freut Sich über einen Sünder, der Buße tut. „Dieser, Mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig geworden." Kannst du, lieber Leser, mit dem Apostel Paulus rühmen: „Aber Gott, der da reich ist an Barmherzigkeit, durch Seine große Liebe damit Er uns geliebi hat, da wir tot waren in den Sünden, hat Er uns samt Christo lebendig gemacht!?" (Eph. 2,4.5.) P. K.
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Kine deutsche Sünde.
Die Trunksucht ist unsere Volkssünde. Sie is: eine deutsche Sünde, die viele tausend Familien elend macht. Wie mancher Mann vertrinkt alles, und die Frau und Kinder leiden Hunger, Kälte und Blöße. Deutschland ist voll Wirtshäuser, in denen der Dämon Alkohol angebetet wird. In de, Pfalz traf ich etliche Deutschrussen. Sie waren Gefangene. Man fragte sie, ob sie nicht in Deutschland bleiben wollten. „Nein," war ihre rasche Antwort. „Ist es bei uns nicht schöner als an der Wolga?" „Nein, an der Wolga ist es schöner, denn dort haben wir Bethäuser, aber keine Wirtshäuser. In unserem Dorfe gehen alle Männer io die Stunde und beten zu Gott, und hier gehen alle Männer, und oft auch die Frauen, in das Wirtshaus und fluchen, lästern und entehren Gott. In Rußland haben wir nie Menschen getroffen, die sagen, es sei kein Gott. Hier in der Pfalz treffen wir Kinder, die verlachen Gebet und Bibellesen und sagen, es sei kein Gott. Unter diesem Volke, das keinen Gott hat und in den Wirtshäusern lebt, wollen wir nicht wohnen..."
Welchem Vaterlandsfreund muß dies Geständnis der Kriegsgefangenen nicht weh tun! Gott sei es geklagt, unser Volk ist an den Trunk verkauft. Durch den Alkohol betäubt sich der Deutsche.
Es ist ein Verbrechen, daß in Deutschland soviel Gerste zum Vermälzen gegeben worden ist. Die Mütter und Kinder hungern, und die Trinker berauschen sich mit dem Brote der Armen. O, welche Schande! Wie feierlich spricht der Prophet: „Webe


