Ausgabe 
8.7.1917
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Z.XI.

Aufwärts!

Gcmeinscbaftsblatt für Ressen.

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Erscheint wöchentlich einmal.

Einzelne Exemplare bestelle man bei der Post vierteljährlich

Verlag der Buchhandlung der PilgermisslOA Kietze».

Redakteur:' Stadtmissionar Herrmann.Gießen. Mitarbeiter; Pfarrer Sperber-Cassel und der Prediger der Pilgermission. Druck vou I. G. Oncken Nachfolger, G. m. b. H., Casiel.

Vtr. 27.

Sonntag, den 8. Juli 1917.

10. Zahrg.

Ein trauriger Aass.

Bor einiger Zeit berichtete eine Berliner Zeitung folgenden traurigen Fall:Aus Furcht vor seiner Ehefrau hat sich der bisher völlig unbestrafte und des besten Leumunds sich erfreuende Mauer B. zu einer Tat verleiten lassen, die hart an Straßen­raub grenzte. Der Angeklagte, ein solider, arbeitsamer Mensch, der auch vom Militär die besten Zeugnisse erhalten hat, hatte eines Sonnabends seinen Wochen­lohn erhalten, war in einem Schanklokal eigentlich wider seinen Willen unter Spieler geraten und hatte sein ganzes Geld verloren. Nun stand er da und wußte nicht, was er machen und wie er seiner Frau, der er noch niemals das Wirtschaftsgeld vorenthalten hatte, vor die Augen treten sollte. Als er so in doller Verzweiflung die Königstraße entlang ging, sah u st. der Haltestelle der Straßenbahn unter anderen Wartenden auch eine Frau mit einer Ledertasche am Arm stehen. Diese Tasche hatte es ihm angetan. Er drängte sich an die Frau heran, schnitt mit einem Messer die Schnur ab und stürmte mit der Tasche, in welcher sich zufällig k00 Mark befanden, davon. Er wurde jedoch sofort verfolgt und balo ergriffen. Der Staatsanwalt beantragte ein Jabr Gefängnis. Rechtsanwalt Or. Schwindt hob die psychologischen Momente des Ärgers, der Verzweiflung und der Furcht vor der Ehefrau als wesentlich strafmildernd hervor. Das Gericht erkannte auf sechs Monate Gefängnis und entschloß sich auch bei der Eigenart des Falles, trotz der Höhe der Strafe, den Angeklagten auf die Liste A. zu setzen, d. h. der bedingten Be­gnadigung zu empfehlen."

Lieber Leser, du und ich haben herzliches Mit- leid mit diesem Manne. O, wäre der Mann nicht unter die Spieler geratenI Ja, hätte doch der Mann das Schanklokal nicht betreten!

Doch so folgenschwer die Tat des Maurers B. auch ist, so ist dix g e it der Gnade für ihn nicht ab­gelaufen. Möge Gott in Seiner Gnade geben, daß irgendein Bote des Evangeliums seinen Weg zu ihm

findet und daß seiner armen Frau das Wort vo» Christi Erlösung gebracht wird!

Bist du, teurer Leser, vor Taten, wie der Maurer B. sie begangen hat, bewahrt geblieben, so ist doch damit der Himmel für dich noch nicht geöffnet. Wenn heute oder morgen der Tod an dich heran- treten würde und dich aus dieser Zeitlichkeit in die Ewigkeit brächte, was dann?

Denke einmal ernstlich an das WortEwigkeit"!

Ewigkeit! Welch ein ernstes Wort! Sage mir, bist du bereit für die Ewigkeit? Kannst du mit Ruhe an deinen Tod denken, der dich vielleicht heute, vielleicht morgen überrascht? Kannst du mit glücklichem Herzen einem gerechten und heiligen Gott entgegengehen? Einem Gott, der die Sünde richten muß, der das Böse. in Seiner Gegenwart nicht dulden kann? Einem Gott dessen Augen wie Feuerflammen fink« der Herzen und Nieren prüft? Ach, wenn du itich, bereit bist für die Ewigkeit, wenn du nicht diese ernsten Fragen mit Ja beantworten kannst, warum zögerst du noch einen Augenblick, in die Arme eines Heilandes zu fliehen, d>>r bereit steht, dich will­kommen zu heißen und dich zu erretten für Zeit und Ewigkeit? O komm, ich bitte dich ernstlich I Eile zu Jesu, so wie du bist! Spiele nicht mit dem Heil deiner kostbaren, unsterblichen Seele! Er­laube nicht länger dem Gott dieser Welt, daß er deine Augen verblende und dein Herz betrüge. Laß nicht die Sünde, die Freuden und Vergnügungen dieser Welt dich noch einen Augenblick länger zurück­halten! Fliehe vor dem kommenden Zorne! Die Zeit ist kurz. Der Tag des Heils wird bald vorüber sein, die Zeit der Annehmung bald zu Ende gehen. Die Tür der Gnade wird bald für ewig verschlossen werden. O. D.

ZL

Die rote Aahne.

Ein Lokomotivführer schenkte seinem Töchterchen ein kleines rotes Fähnchen zum Spielen und erklärte ihm zugleich, daß auf der Eisenbahn die rote Farbe