Ausgabe 
20.5.1917
Seite
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Kommt, wir wollen wieder zum KKrrn!

Kommt, wir wollen wieder zum HErrn; denn Er hat uns zer­rissen, Er wird uns auch heilen; Er hat uns geschlagen, Er wird uns auch verbinden." Hos. 6, 1.

So rief Hosea seinem unglücklichen Volke zu. Zerrissen und zerschlagen wurden die Kinder Israels oft, aber sie fühlten's nicht. (Jer. d, 3.) Städte waren verödet, Paläste und Hütten in Asche gelegt, Elend war auf den Gassen, Jammer in den Tälern, Wehklagen auf den Bergen, und die Verstockten ließen nicht ab von ihren Götzen, ihrer Schwelgerei, ihrer Gottentfremdung. Die harten Herzen brachen nicht, die stolzen Nacken beugten sich nicht. Sie murrten wohl, aber vergebens suchte der HErr bei ihnen das rechte Weh. Wie der Hund nach dem Stocke beißt, mit dem er geschlagen wird, so schlug das Volk im Unwillen gegen Gott, aber es beugte sich nicht. Erst wenn sie ihre Schuld erkennen, erst wenn ihr Ge- wissen ihnen bezeugt, daß Er Ursache hat zu schelten, erst wenn sie dem scharfen Worte des Propheten das Herz öffnen:Es ist keine Treue, keine Liebe, kein

Wort Gottes im Lande, sondern Gotteslästern, Lügen, Morden, Stehlen und Ehebrechen hat überhandge- nommen und kommt eine Blutschuld nach der anderen" (Hos. 4, 1. 2), erst dann werden sie sich zu Gott wenden und sagen:Der HErr hat uns zer-

rissen. Er kann uns auch heilen; Er hat uns zerschlagen. Er wird uns auch ver­binden."

Ob wir die Zuchtrute Gottes fühlen und uns von ganzem Herzen zum HErrn kehren, darauf kommt es bei Gott an.Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu Ihm sagen:Vater, ich habe gesündigt in den Himmel und vor Dir," das ist der Entschluß, der in uns reifen soll. Tapferes deutsches Volk, deine Söhne haben in blutigen Schlachten Heldensiege errungen, treibt dich das an zum Danke und zur Hingabe an Gott? Denn was wäre aus uns geworden, wenn Gott mit uns gehandelt hätte nach unseren Sünden und nicht nach Seiner großen Barmherzigkeit? Wären nicht die zahlreichen Feinde längst durch die Tore in unsere Städte geschritten, und hätte nicht das vergossene Blut unseren Boden getränkt? Wäre nicht der Ruhin unseres Vaterlandes zu Grabe getragen? Aber Gott sprach:Mein Herz ist anderen Sinnes, Meine

Barmherzigkeit ist zu groß, daß Ich nicht tun will nach Meinem grimmigen Zorn, noch Mich kehren, Deutschland zu verderbe::." Ist das nicht Ur- sache zur dankbaren Beugung vor Gott? Wahrlich, hin zu Gott mit einem zerbrochenen und dank­baren Herzen! Weg mit den Heuchlerhänden, die sich nur zum Schein emporheben im Gebet! Weg mit den Heuchlerlippen, die nur totes Räuchwerk Ihm darbringen I Die Opfer, die Gott gefallen, sind

ein geängsteter Geist. Ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wird Gott nicht verachten.

Viele unserer Lieben deckt schon in fremder Erde ein Grabeshügel. Das Herz wurde ihnen durch- schossen, und sie starben den Heldentod fürs Vater- land. Dadurch sind viele Augen in der Heimat Tränenquellen geworden. Wißt ihr aber auch, wo Trost und Erquickung zu finden ist? Der HErr, der euch zerrissen hat, kann euch auch heilen; der Gott, der geschlagen hat, kann euch auch wieder verbinden.Zerschlagene Gewissen, ch blutig zerrissen, zmn HErrn euer Herz, daß Er euch verbinde und mild und lind sich lege der tiefe, der brennende Schmerz!" F. W. H.

K

Warum noch kein Ariede ist?

Tausend- und millionenfach wird diese Frage jetzt erwogen und zu beantworten gesucht, und zu­meist erfolgt wohl die Antwort darauf, daß unsere Feinde die Sckuld tragen an dem entsetzlichen Weiterwüten des Riesenkampfes, weil sie das ehrlich gemeinte Friedensangebot unseres Kaisers und seiner Verbündeten nicht angenommen haben. Gewiß ist diese Antwort richtig und unanfechtbar; aber ebenso richtig ist auch die sich immer mehr vertiefende Er- kcnntnis vieler unter uns, daß auch unser Volk einen großen Teil der Schuld am Fortbestehen des Krieges trägt, weil es nicht gehalten hat, was es beim Kriegsbeginn gelobte, und weil es nicht geworden ist, was es zu werden versprach: ein Volk, das sich in Wahrheit in Buße und Glauben zu seinem Gott und Heiland wendet, das in dieser Gerichts- und zu­gleich Gnadenzeit erkennt, was zu seinem Frieden dient, und sich die göttliche Züchtigung zur inneren Erneuerung werden läßt.

Gewaltiges hat sich in der bisherigen Kriegszeit ereignet, wenn wir auf die Taten von Heer und Flotte blicken und auf das, was auch im ganzen Vaterlande Großes geleistet wurde zur Versorgung und Stärkung unserer Heeresmacht und zum Durch­balten in ungezählt vielen Nöten und Bedrängnissen. Mit den sich mehrenden Leiden und Lasten dieses Krieges ist unser Volk an Kraft und Größe gewachsen, und manches Erfreuliche ließe sich hier aufzählcn neben vielen unerfreulichen Begleiterscheinungen des Krieges. Aber mehr und mehr zeigt es sich auch, daß wir nicht in die Tiefe gewachsen sind, daß wrr innerlich nicht viel anders und besser, daß wir nicht reifer für ein göttliches Leben und für die uns von Gott bestimmte Zukunft und für die Ewigkeit geworden sind. Mehr und mehr zeigt es sich, daß es nicht die rechte Buße war, die unser Volk beim Kriegsbeginn tat, als es, von Furcht und Bangigkeit getrieben, m dichten Scharen in die Kirchen eilte und dem all­mächtigen Gott allerlei Gelübde tat, wofür Er uns