Sünde völlige Genüge geleistet habe. Sie fuhr fort: „Gott selbst hat den Erlöser dort für uns und unsere Schuld leiden lassen, so daß nun der Sünder, sobald er zu Jesu eilt, Vergebung empfangen und frei ausgehen kann." Die Alte stützte ihren Kopf und lauschte gespannt auf jedes Wort. Frau B. fuhr fort und wies die Greisin hin auf das Wort des HErrn am Kreuze: „Es ist vollbracht!" Sie zeigte ihr, daß für die aufrichtig heilsverlangende Seele nichts zu tun übriggeblieben fet, als von ganzem Herzen an den HErrn und Sein voll- brachtes Werk zu glauben.
Die Greisin nahm mit steigendem Verlangen [ehe? Wort begierig auf, wie dürres Land den milden Regen trinkt. Ihr Blick wurde hell, ihre Augen begannen zu leuchten- Mit einem Male erhob sie sich und rief: „Der HErr Jesus hat mich am Kreuze errettet! Es ist vollbracht! O es ist vollbracht, meine Sünden sind vergeben! Nun will ich allen sagen, daß Jesus, ja, Jesus allein mich, die alte Sünderin, errettet hat durch Sein kostbares Blut!'" Wirklich zog die Greisin den kommenden Tag glücklich in ihre Heimat zurück; sie hatte Frieden mit Gott gefunden in dem vollbrachten Werke Jesu Christi Sie ging, wie einst der Zöllner, gerechtfertigt hinab in ihr Haus. (Luk. 18, 14.)
. Dies ist der rettende Glaube, voll welchem das Wort Gottes redet. Glauben heißt, mit Herzensvertrauen davon überzeugt sein: Jesus, ja,
Jesus allein hat mich errettet durch Sein kostbares Blut!
K
LeU'a Zda, die üeücHrte Jüdin.
Leila Ada war die einzige Tochter eines Israeliten, dem der Tod die zärtlich-geliebte Gattin entriß, als das Kind kaum z>vei Jahre alt war. Dieser Verlust brachte den Vater in eine trübe Schwermut, aus der er erst ivieder auslebte, als seine Tochter, die den Namen der Mutter trug, allmählich zu deren Bilde heranwuchs. Mit äußerlicher Schönheit vereinigte sie reiche Gaben des Geistes und Herzens; und eine strenge Erziehung in den Satzungen des Judentums flößte ihr früh Eifer und Neigung zu allen gottesdienstlichen Übungen ein. Mit Stolz und Freude beobachtete der Vater die vielversprechende Entwickelung seines Kindes, das ihm nach und nach zum Abgott wurde. Leicht hätte diese übertriebene Zärtlichkeit dem jungen Mädchen zum Verderben gereichen können; aber es >oar ihr von früh an ein besonderer Zug zur Wahrheit, ein sehnendes Verlangen nach ihrem Besitz eigen, und dies schützte sie in der Gefahr.
Sie zog sich schon als Kind gern in die Einsamkeit zurück, wo sie' sich ernsten Betrachtungen
hingab. „O Gott," so schrieb sie im Alter von dreizehn Jahren, „ich bin hochmütig, eigenwillig, weltlich gesinnt und kann nicht glücklich sein. Aber Du hast mir ein brünstiges Verlangen gegeben, zu Dir zu gehen; antworte mir denn nach Deinem Worte, das wie Du die Wahrheit, ewige Wahrheit ist. Beim Beginn dieses Jahres schließe ich einen feierlichen Bund mit Dir, mich Dir ganz zu weihen "
Da Leila eine Jüdin war, so suchte sie die Wahrheit im Talmud. Aber diese Quelle vermochte den Durst ihrer Seele nicht zu stillen, doch trug sie als ihre Frucht ihrer fleißigen Studien in den talmudistischen Werken die gewisse Erwartung einer baldigen Ankunft des Messias davon.
Als sie achtzehn Jahre alt war, beschloß ihr Vater, mit ihr eine Reise ins heilige Land und zur Stadt der Väter, nach Jerusalem, zu machen.
„O Herr, allmächtiger Gott," betete sie damals,
„gehe Du mit mir; ich werde das Land sehen, das Du durch die wunderbarsten Erweisungen Deiner Macht und Herrlichkeit ausgezeichnet hast, das Land, in dem meine Väter Dir gedient haben."
Es war ein merkwürdiger Umstand, daß gerade zu der Zeit, wo Leila im Begriff stand, mit ihrem Vater nach Palästina abzureisen, das Verlangen in ihr aufstieg, Den kennen zu lernen, dessen Tritte j I vor allem jene Stätte heiligten, der aber aüch, als der von den Bauleuten verworfene Eckstein, ihren unglücklichen Bewohnern ein Stein des Anstoßes und Ärgernisses werden mußte. Da- mals, angesichts ihrer nahen Abreise, schrieb sie in ihr Tagebuch folgende Worte: „Ich muß den segens- s reichen Einfluß erwähnen, den ich vom Lesen der heiligen Schriften in mir wahrnehme. _ Ich will sie fortan mit noch mehr Aufmerksamkeit lesen, um dieses Segens noch reichlicher teilhaftig zu werden.
Auch habe ich den Entschluß gefaßt, das Buch zu lesen, welches die Christen das Neue Testament nennen. Sie behaupten, daß es die klare Erfüllung aller Weissagungen des Alten Testaments enthalte,
Ich will selbst zusehen, ob es sich also verhält."
Der Weg nach Kanaan führte unsere junge Israelitin durch die Schweiz, Italien, Griechenland und die Türkei. Die Naturschönheiten sowie die Erlebnisse der Reise machten lebhaften Eindruck aus ihr Gemüt und erweckten sie zum Nachdenken.
Ein Abschnitt, überschrieben: „Vom Kirchhof in Konstantinopel" läßt uns einen tieferen Blick in die Bewegung ihres Herzens tun. Schon regt sich in ihr ein geheimer Zug zu Jesu von Nazareth, dem Menschensohn voll Gnade und Wahrheit. „O Gott," heißt es da, „erhebe über mich das Licht Deines versöhnenden Antlitzes um Desscnwillen, den Du uns als Erlöser, als Befreier von aller Sünden- schuld und Verdammnis verheißen hast!"
So war also ein Strahl des Lichtes Jesu Christi in ihre Seele gedrungen und belebte ihren Mut. Aber dieser Strahl der Wahrheit beängstigte


